Qualität der Zwischenräume in Städten
Der Stuttgarter Architekt Martin Haas betont die Bedeutung der Qualität von Zwischenräumen für den Erfolg einer Stadt. Private, halböffentliche und öffentliche Freiräume tragen wesentlich zur Umwelt- und Lebensqualität in Städten und Siedlungsbereichen bei. Sie erfüllen soziokulturelle und gesundheitliche Funktionen, prägen das Erscheinungsbild und die ästhetische Wahrnehmung der Städte durch Gliederung und Strukturierung.
Freiräume sind entscheidend für das Wohlbefinden und die Identifikation der Bürger sowie für den wirtschaftlichen Erfolg als Unternehmensstandorte oder touristische Ziele. Insbesondere Grünflächen dienen als Orte der Begegnung und sozialen Integration für Menschen unterschiedlichen Alters, Gesellschaftsschichten und Kulturen. Sie bieten Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Erholung und zum Naturerleben. Für ältere Menschen und junge Familien sind öffentliche Freiräume von hoher Bedeutung, da diese Gruppen oft weniger mobil sind und auf eine gute lokale Versorgung angewiesen sind. Das Naturerleben in Städten kann zudem die Akzeptanz und Umsetzung des Naturschutzes stärken.
Nachhaltige Stadtentwicklung als Ziel
Die Debatte um lebenswerte Stadtquartiere und nachhaltige Stadtentwicklung umfasst die Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Es geht über eine kurzfristige Verschönerung des öffentlichen Raumes hinaus, auch wenn dies angesichts angespannter kommunaler Haushalte oft zu Interessenskonflikten führt. Kommunen fördern Bürgerengagement und die Beteiligung der lokalen Wirtschaft, beispielsweise durch Public Private Partnerships. Dies entlastet städtische Budgets und fördert die Identifikation mit dem Wohnort.
In der Standortdebatte wird gelegentlich übersehen, dass neben "harten", ökonomisch messbaren Faktoren auch "weiche" Faktoren relevant sind, deren Wirkungen indirekt messbar sind. Der Faktor Grün spielt hier eine entscheidende Rolle und gilt als Symbol für Lebensqualität und Nachhaltigkeit.
Politische Weichenstellung für Klimaschutz und Bauen
Die Bundesregierung setzt sich national und international für eine Politik der Nachhaltigkeit und eine rechtlich verbindliche Klimapolitik ein. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kündigte im Januar 2014 in ihrer Regierungserklärung einen nationalen Klimaschutzplan sowie ein ressortübergreifendes Sofortprogramm für den Klimaschutz an. Ein Ziel sei es, den Kohlendioxidausstoß europaweit bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu senken.
Hendricks, die nun auch für den Bereich Bau zuständig ist, bezeichnete die Zusammenführung von Umweltschutz, Stadtentwicklung und Bauen in einem Ressort als sinnvoll. Sie verwies darauf, dass 40 Prozent der deutschen Treibhausgase im Gebäudebereich entstehen und 80 Prozent der Energie und Ressourcen in Städten verbraucht werden.
Städte zukunftsfähiger gestalten
Die Entscheidung der Großen Koalition, die Städtebauförderung von 450 Millionen Euro auf 700 Millionen Euro jährlich aufzustocken, soll unter anderem den Ausbau des Programms "Soziale Stadt" ermöglichen. Dieses Programm unterstützt Städte und Gemeinden bei der Gestaltung des demografischen, sozialen und ökologischen Wandels.
Das lebendige Grün an Straßen, auf Plätzen und vor allem in den Parks der Städte muss bei diesen Plänen hinreichend berücksichtigt werden. Unversiegelte, bepflanzte Freiräume in den Städten weisen nachweislich geringere Belastungen von für die menschliche Gesundheit schädlichen Stoffen auf, sie haben darüber hinaus auch positive Wirkung auf die Psyche der Stadtbewohner.
Dies betont Helmut Selders, Präsident des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. Angesichts der positiven Effekte öffentlicher Grüninvestitionen auf privates Grundeigentum stellen sich auch Fragen der Verteilungsgerechtigkeit. Selders hebt hervor, dass insbesondere in städtischen Quartieren ohne private Gärten Alternativen geschaffen werden müssen, damit Menschen Natur erleben, Ruhe genießen und sich im öffentlichen Raum treffen können.