Nachhaltigkeit im Fokus der Fachtagung
Am 1. März 2018 versammelten sich rund 70 Teilnehmer in Nürnberg-Neunhof zur Fachtagung Gartenbau. Die Veranstaltung, organisiert vom Erzeugerring für Blumen und Zierpflanzen Mittelfranken und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Fürth, widmete sich dem Thema „Nachhaltigkeit“. Die Eröffnung übernahmen Herbert Haberler, Vorsitzender des Erzeugerrings, und Josef Hofbauer, Leiter der Abteilung Gartenbau des AELF Fürth. Uta Hübner, Betriebswirtschaftsberaterin des AELF Fürth, moderierte die Tagung.
Nützlingseinsatz im Zierpflanzenbau
Wolfgang Ahlvers, Gartenbauingenieur des Erzeugerrings für Blumen und Zierpflanzen Bayern Süd, referierte über den Einsatz von Nützlingen. Eine Befragung unter 153 Betrieben zeigte, dass etwa die Hälfte Nützlinge verwendet. Im Bereich der Beet- und Balkonpflanzen kommen vor allem Amblyseius-Raubmilben gegen Thripse und Encarsia-Schlupfwespen gegen Weiße Fliegen zum Einsatz. Im Verkauf haben sich Florfliegen zur Bekämpfung von Wollläusen bewährt.
Nützlinge bieten den Vorteil, keine Rückstände zu hinterlassen und keine Resistenzen zu entwickeln. Zudem verbessern sie die Arbeitsbedingungen durch den Verzicht auf Gefahrstoffe. Die Kampagne „Nützlingspower“, initiiert von den bayerischen Erzeugerringen und dem Bayerischen Gärtnereiverband, zielt darauf ab, Kunden über den Nützlingseinsatz zu informieren und so einen Wettbewerbsvorteil für Gärtnereien zu schaffen. Die Teilnahme an der Kampagne, die unter dem Logo „Natürlich mit Nützlingen“ kommuniziert wird, setzt eine Mitgliedschaft im Bayerischen Gärtnereiverband und mindestens drei Beratungsbesuche voraus. Ein Werbepaket steht teilnehmenden Betrieben zur Verfügung.
Bio-Düngung im Zierpflanzenbau
Hans-Peter Haas vom Institut für Gartenbau der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf präsentierte Erfahrungen mit Bio-Düngern aus dem Versuchsbetrieb. Während Zierpflanzen im unbelebten Torfsubstrat präzise mit mineralischer Düngung produziert werden können, stellt die biologische Topfpflanzenerzeugung andere Anforderungen. Eine Nachdüngung mit Bio-Düngern über die Bewässerung kann zu Geruchsbildung und Verstopfungen von Düsen und Schläuchen führen.
Daher empfiehlt sich eine Vollbevorratung des Düngers im Substrat. Eine Punktdüngung beim Topfen, die automatisiert erfolgen kann, hat sich bewährt. Dabei ist die Stickstofffreisetzung stark von der Belebtheit des Substrats und den Außentemperaturen abhängig. Eine im Sommer erfolgreiche Substrat-Dünger-Kombination kann sich im Winter anders verhalten. Hinzu kommen unterschiedliche Nährstoffbedarfe von Arten und Sorten sowie das Verbot chemischer Stauchmittel bei Bio-Topfpflanzen. Ein weiteres Problem ist der Befall mit Trauermücken durch biologische Dünger, der die Pflanzen unvermarktbar machen kann. Haas betonte, dass viel Erfahrung und gärtnerisches Fingerspitzengefühl notwendig sind, um eine funktionierende Substrat-Dünger-Sorten-Kombination zu finden. Er prognostizierte eine steigende Nachfrage nach biologisch erzeugten Topfpflanzen und riet der Branche, sich frühzeitig mit diesen Herausforderungen auseinanderzusetzen.
Glaubwürdigkeit in der Gartenbranche
Dieter Gaißmayer von der Bio-Staudengärtnerei in Illertissen gab Einblicke in seinen Betrieb und seine Sicht auf die Gartenbranche. Er vertreibt seine Pflanzen zu einem Drittel ab Betrieb und zu zwei Dritteln im Versand. Gaißmayer legt Wert darauf, dass die Pflanzen von der Vermehrung bis zum Verkauf im eigenen Betrieb kultiviert werden.
Ich produziere nicht, ich kultiviere. Ich bin ein Kulturschaffender, ein Garten-Kulturschaffender.
Durch diese Vorgehensweise erzielt er gesündere Pflanzen. Er kultiviert ausschließlich Sorten, deren Wuchs- und Widerstandskraft ihn überzeugt, um seinen Kunden glaubwürdige Beratung bieten zu können. Gaißmayer kritisierte die Auslobung von Zierpflanzen als „winterhart“ oder „mehrjährig“, wenn diese Eigenschaften nicht erfüllt werden. Solches Verhalten vergraule Kunden und führe dazu, dass Gärten pflanzenfrei blieben. Er illustrierte dies mit Fotos von Kies- und Schottergärten. Mit der Aktion „Entsteint Euch“ bietet er Kunden kostenlose Gründüngung und Bodenaktivator an, wenn sie ihre Schottergärten zurückbauen. Gaißmayer appellierte an alle Gärtner, Menschen und insbesondere Kindern Gärten und Pflanzen wieder näherzubringen, da Garten- und Pflanzenbegeisterung die Grundlage für glaubwürdige Gärtner sei.
Urban Gardening: Trends und Potenziale
Gundula Holm, Marketingberaterin am AELF Fürth, stellte den Trend „Urban Gardening“ vor. Das Forschungsprojekt „Urban Gardening: Lust auf Gemüse in der Stadt“ der Bayerischen Gartenakademie und des AELF Fürth in der Metropolregion Nürnberg konzentriert sich auf den Anbau von Nutzpflanzen wie Gemüse, Kräutern und Beerenobst im städtischen Raum. Hierfür sind bodenunabhängige und platzsparende Anbauverfahren wie Hochbeete, Pflanzkisten sowie vertikale und hydroponische Systeme relevant.
Urban Gardening umfasst nicht nur die Nahrungsmittelproduktion, sondern auch die Begegnung mit anderen Menschen in Gemeinschaftsgärten und das Vertrautwerden mit der Natur. Eine Verbraucherumfrage im Rahmen des Projekts zeigte, dass ein Drittel der Befragten den Anbau von Nutzpflanzen als Möglichkeit zur gesunden Ernährung für sich und ihre Familie sieht. Holm wies darauf hin, dass die etablierte Gartenbaubranche diesen Markt bisher zögerlich bedient hat, während Angebote für Hobbygärtner-Neulinge oft in Blogs, Foren und bei branchenfremden Anbietern zu finden sind. Sie appellierte an Einzelhandelsgärtner, neue Märkte durch Angebote wie regionale Raritäten, biologisch produzierte Jungpflanzen, torfreduzierte Erden, Komplettlösungen für den Stadtgarten und Workshops zum Balkongärtnern zu erschließen.
Präferenzen für Topfpflanzen-Labels
Daniel Pascal Klaehre, Referendar am AELF Fürth, präsentierte Ergebnisse seiner Masterarbeit über Verbraucherpräferenzen für Topfpflanzen-Labels. Er untersuchte an der Hochschule Geisenheim University (HGU), wie sich Labels auf die Kaufentscheidung für einen standardisierten Weihnachtsstern im Lebensmitteleinzelhandel auswirken. Klaehre ermittelte Präferenzen für die Einzellabels „Bio“, „Fairtrade“, „Fair Flowers Fair Plants“ (FFP) und „Regionalfenster“ bei unterschiedlichen Preisen.
Zusätzlich beleuchtete er die Präferenz für Kombinationen des Bio-Labels mit Fairtrade, FFP oder Regionalfenster. Unter den Einzellabels wurde Fairtrade am stärksten bevorzugt. Eine Kombination von Fairtrade, FFP oder Regionalfenster mit dem Bio-Label steigerte die Präferenz im Vergleich zum Einzellabel. Die Kombination „Bio & Fairtrade“ erreichte die höchsten Präferenzwerte. Frauen und höher Gebildete zeigten eine stärkere Präferenz für Bio-Weihnachtssterne als Männer oder Personen mit niedrigerem Bildungsstand.

