Auswirkungen der Hagelunwetter auf den Gartenbau
Heftige Unwetter mit Starkregen, schweren Sturmböen und Hagelkörnern haben in den letzten Wochen örtlich zu erheblichen Schäden geführt. Nach Hitzerekorden kam es in mehreren Regionen Deutschlands zu katastrophalen Hagelereignissen.
Betroffen sind Gartenbaubetriebe unterschiedlicher Ausrichtung, darunter Produktionsbetriebe, Baumschulen und Gärtnereien mit Privatverkauf. Es werden umfassende Schäden an Gewächshäusern, Freilandkulturen und Inventar gemeldet.
Das Ausmaß der Zerstörung durch die Hagelunwetter erschüttert uns.
Dies erklärte Hartmut Weimann, Vizepräsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), nach Besuchen in zwölf geschädigten Betrieben. Er zeigte sich betroffen vom Ausmaß der Zerstörung.
Gleichzeitig zeigt sich der gärtnerische Berufsstand in dieser Notsituation solidarisch. Gegenseitige Unterstützung, beispielsweise durch gemeinsame Aufräumarbeiten benachbarter Gärtnereien, schafft neuen Mut. Der ZVG begrüßt diese kollegiale Hilfe. Der Verband prüft zudem, ob finanzielle Zuwendungen für besonders geschädigte Betriebe über die Ernst-Schröder-Stiftung möglich sind.
Auf Initiative des ZVG öffnet die Landwirtschaftliche Rentenbank ihr Liquiditätshilfeprogramm auch für stark geschädigte Betriebe im Gartenbau und in der Landwirtschaft.
Gartenbauversicherung leistet schnelle Schadensregulierung
ZVG-Präsident Jürgen Mertz hob die Präsenz und Leistungsfähigkeit der Gartenbauversicherung hervor. Er betonte, dass Elementarschäden versicherbar sind und die meisten Mitglieder dies wissen. Im Katastrophenfall könne so der Höchstsatz der Leistungen in Anspruch genommen werden.
Bislang meldeten rund 200 Gartenbaubetriebe schwere bis total zerstörte Gewächshäuser und Kulturen. Die Gartenbau-Versicherung (GV) schätzt die gemeldeten Schäden in Deutschland auf 6 bis 7 Millionen Euro.
Nicht berücksichtigt sind dabei die über 20 massiv geschädigten Betriebe von Gemüse- und Freilandkulturen, die bei der Vereinigten Hagelversicherung versichert sind. Deren Schadenshöhe steht noch nicht fest. Die Schadensregulierung der Gartenbau-Versicherung läuft auf Hochtouren. Zur Sicherstellung der Liquidität der am stärksten betroffenen Gartenbauunternehmen leistet die Gartenbau-Versicherung schnelle und unbürokratische Hilfe. Direktion und Außendienst sind bereits mit Entschädigungszahlungen unterwegs.
Forderung nach steuerlicher Risikoausgleichsrücklage
ZVG-Vizepräsident Hartmut Weimann nutzte den Besuch in betroffenen Betrieben für Gespräche mit der Politik. Er sprach sich für eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage aus, die angesichts der gehäuften Wetterextreme dringend notwendig sei. Der baden-württembergische Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, teilt diese Ansicht. Bonde hält eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage für gartenbauliche Betriebe für überfällig und sicherte seine Unterstützung für ein entsprechendes Bundesgesetz zu. Der ZVG sieht sich damit in einer seiner Kernforderungen an die Politik bestätigt.
Die extremen Witterungsverläufe der letzten beiden Jahre, darunter Starkfröste, Sturm, Starkregen, Hochwasser und Hagel, führten zu beträchtlichen Produktions- und Absatzverlusten im deutschen Gartenbau. Dies verursachte erhebliche finanzielle Belastungen für einzelne Betriebe, insbesondere in der Liquiditätsausstattung. Solche Ereignisse liegen außerhalb des unternehmerischen Einflusses und erfordern aufgrund ihrer Unvorhersehbarkeit eine ausreichende finanzielle Vorsorge. Gleiches gilt für die Auswirkungen von Quarantäneschädigern, die Pflanzenbestände überraschend zerstören können.
Der ZVG fordert daher die Schaffung einer Risikoausgleichsrücklage. Diese könnte sich am pflanzenbezogenen Umsatz orientieren und eine Größenordnung von 25 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes der letzten drei Jahre betragen. Zur Aktivierung der Umlage soll ein außergewöhnlicher Schadensfall im Pflanzenbestand des Betriebes genügen, der durch ein Gutachten eines öffentlich-vereidigten Sachverständigen festzustellen ist.
