Die Grüne Stadt

Norddeutscher Baumschultag diskutiert den Wert von Grün in Städten

Beim 2. Norddeutschen Baumschultag in Hamburg diskutierten Experten aus Baumschulen, Politik und Landschaftsplanung über die Bedeutung von Grünflächen für Städte und Klima. Im Fokus standen Immobilienwerte, Klimaanpassung, öffentliche Grünpflege und neue Modelle zur Finanzierung urbaner Begrünung.

Experten diskutieren in Hamburg über Stadtgrün, Klimawandel und Lebensqualität

Unter dem Motto „Was ist uns(er) Grün wirklich wert?“ stand der zweite Norddeutsche Baumschultag in der Baumschule Lorenz von Ehren in Hamburg ganz im Zeichen der Bedeutung von Grünflächen für Städte, Umwelt und Gesellschaft. Organisiert wurde das Vortrags- und Diskussionsforum von den Landesverbänden Hamburg und Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V.

Rund 200 Gäste aus Baumschulen, Garten- und Landschaftsbau, Landschaftsarchitektur, Politik und Verwaltung nahmen an der Veranstaltung teil. Die Vorsitzenden der BdB-Landesverbände, Axel Huckfeldt und Bernhard von Ehren, machten deutlich, dass Grünflächen stärker als gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wert wahrgenommen werden müssten.

„Die positiven und geldwerten gesellschaftlichen und individuellen Folgewirkungen der Pflanzenverwendung im öffentlichen und privaten Bereich werden immer noch nicht ausreichend erkannt und gewürdigt. Wir müssen ein neues Bewusstsein und eine besondere Wertschätzung für ‚Grün‘ schaffen“, erklärten Huckfeldt und von Ehren.

Grünflächen steigern Lebensqualität und Immobilienwerte

Die Bedeutung öffentlicher Grünflächen für lebenswerte Städte hob auch Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie hervor.

„Ausreichende und gepflegte öffentliche Grünflächen sind für attraktive und lebenswerte Städte und Gemeinden unverzichtbar. Sie haben positive Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen. Wer an Grünflächen spart, riskiert einen Verlust an Lebensqualität.“

Hans Gabányi von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt stellte das Bürgerprojekt „Mein Baum – Meine Stadt. Ich mach’ mit!“ vor. Mehr als 170.000 Euro Spenden seien bereits gesammelt worden. Dadurch konnten laut Gabányi über 2.350 Bäume gesichert werden.

Prof. Dr. Dietwald Gruehn vom Institut für Raumplanung der TU Dortmund erläuterte die Auswirkungen gepflegter Grünflächen auf Grundstücks- und Immobilienwerte. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten inzwischen, dass hochwertige Grünanlagen den Wert von Immobilien steigern können. Einsparungen bei der Pflege öffentlicher Grünflächen könnten dagegen den Wert ganzer Stadtquartiere senken.

Public-private-Partnership als Modell für mehr Stadtgrün

Wie gemeinschaftliche Investitionen in urbane Freiräume umgesetzt werden können, erläuterte Prof. Dr. Hartmut Balder von der Beuth Hochschule Berlin. Nach seiner Einschätzung bieten sogenannte Public-private-Partnership-Modelle Potenzial für zusätzliche Grünflächen in Städten.

Demnach können Investitionen in ein grüneres Umfeld wirtschaftliche Vorteile bringen. Höhere Einnahmen aus Mieten, Pachten sowie steigende Umsätze im Handel und in der Gastronomie seien messbare Effekte solcher Projekte.

Während private Investoren vor allem finanzielle Beiträge leisten könnten, liege die Stärke der öffentlichen Hand insbesondere in fachlicher, technischer und personeller Unterstützung.

Bäume als wichtiger Faktor im Klimawandel

Die Bedeutung von Bäumen für das Stadtklima stand ebenfalls im Fokus der Veranstaltung. Aktuelle Forschungsprojekte der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim zeigen, dass Bäume unter Stadtbedingungen einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel leisten.

Bäume produzieren Sauerstoff, filtern Feinstaub und wirken temperaturregulierend. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Pflanzen durch Trockenstress, Dauernässe und höhere Temperaturen.

„Nur gesunde Pflanzen können den neuen Herausforderungen wie Trockenstress, Dauernässe und global steigende Temperaturen standhalten“, sagte Klaus Körber, Leiter des Sachgebietes Obstbau und Baumschule in Veitshöchheim.

Pflege öffentlicher Grünflächen bleibt zentrale Aufgabe

In einer abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die Teilnehmer Möglichkeiten, mehr Grünflächen zu schaffen und langfristig zu pflegen. Dabei ging es insbesondere um Finanzierung, gesellschaftliche Akzeptanz und die Zusammenarbeit aller Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette.

„Die Pflege des öffentlichen Grüns ist unverzichtbar. Nur die Inwertsetzung der Wohlfahrtswirkungen von Grün, die fachliche Akzeptanz bei den Entscheidungsträgern sowie deren Bewusstwerdung in der Bevölkerung kann den Durchbruch bringen“, erklärte Bernhard von Ehren.

Zum Abschluss warben die Veranstalter für mehr gemeinsames Engagement innerhalb der grünen Branche und für eine stärkere Unterstützung durch Politik und Gesellschaft.

„Wir Baumschuler haben die Kompetenz in Grün – die Chancen für unsere Branche waren wohl nie besser als heute. Das müssen wir als Baumschulbetriebe, als Verband und als grüner Berufsstand insgesamt realisieren und die Chancen gemeinsam nutzen“, betonten Huckfeldt und von Ehren.

Baumschulen mit breitem Sortiment und hoher Bedeutung

Die deutsche Baumschulwirtschaft zählt zu den wichtigen Produzenten für Begrünung, Renaturierung und nachhaltige Landschaftsentwicklung. Rund 3.000 spezialisierte Unternehmen mit etwa 30.000 Beschäftigten produzieren und vermarkten Gehölze für Gärten, Parks, Städte und die freie Landschaft.

Das Sortiment umfasst mehr als 200.000 unterschiedliche Artikel. Durch Produktion und Handel mit Gehölzen erwirtschaftet die Branche einen Jahresumsatz von rund 1,1 Milliarden Euro.

02.09.2011

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V.

Kleine Präsidentenstraße 1
10178Berlin
Deutschland

Tel.:+49 30 2408699-0
Fax:+49 30 2408699-31

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