Naturschutz

Natura 2000: Schutzgebiete für Artenvielfalt und nachhaltige Entwicklung

Natura 2000 ist ein europäisches Schutzgebietsnetzwerk, das die Vielfalt wildlebender Arten und Lebensräume sichert. Es trägt zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und einer nachhaltigen Entwicklung bei. Deutschland meldete zahlreiche FFH- und Vogelschutzgebiete.

Grundlagen und Ziele des Natura 2000-Netzwerks

Die europäische Fauna-Flora-Habitat-(FFH-)Richtlinie bildete vor rund 20 Jahren den Ausgangspunkt für den Aufbau eines europäischen Schutzgebietsnetzes. Ihr Hauptziel ist die Sicherung der Vielfalt wildlebender Arten und Lebensräume sowie deren Vernetzung. Dies soll einen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten.

Die Bundesländer identifizierten geeignete Gebiete, die nach fachlicher Prüfung durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in mehreren Schritten an Brüssel gemeldet wurden. Diese sogenannten Natura 2000-Gebiete, bestehend aus FFH- und Vogelschutzgebieten, bilden in Deutschland und EU-weit ein wichtiges Rückgrat für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Ihre Bedeutung wird auch zukünftig als unabdingbar angesehen, beispielsweise zur Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels.

Das Natura 2000-Netzwerk umfasst die gemeldeten Gebiete der FFH- und Vogelschutzrichtlinie, die sich räumlich überlagern können. Insgesamt bedecken die 5.266 Gebiete 15,4 % der terrestrischen Fläche Deutschlands und rund 45 % der marinen Fläche (Stand: 2011). 39 % der Fläche der Natura 2000-Gebiete werden landwirtschaftlich genutzt. EU-weit liegt der Meldeanteil der über 26.000 FFH- und Vogelschutzgebiete bei etwa 17,5 % der Landfläche aller Mitgliedstaaten (Stand: 2011).

Der Zustand der FFH-Gebiete wird alle sechs Jahre für alle Lebensraumtypen und Arten bewertet. Ein erster nationaler Bericht nach Artikel 17 FFH-Richtlinie wurde 2007 erstellt, eine neue Bewertung erfolgte 2013. Dieser Bericht zeigte erste Erfolge mit rund einem Drittel der Arten und Lebensraumtypen in günstigem Erhaltungszustand, wies aber auch weiterhin erheblichen Handlungsbedarf aus. Das Bundesamt für Naturschutz koordiniert diese Berichte fachlich und ist an der Weiterentwicklung der Methoden auf EU-Ebene beteiligt. Ende 2013 sollte erstmals ein umfassender inhaltlicher Bericht über die Vogelarten nach der EU-Vogelschutzrichtlinie vorgelegt werden.

Zukünftig gilt es, die Ziele des Natura 2000-Netzwerks zum Schutz von Arten und Lebensräumen weiter umzusetzen und die Qualität der Gebiete zu verbessern. Dieses Netzwerk kann auch zur Sicherung vielfältiger weiterer ökologischer Funktionen beitragen, etwa durch die Sicherung von Kohlenstoffsenken in Mooren und alten Wäldern, was einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.

Meldestand der FFH-Gebiete

Deutschland hat 4.619 FFH-Gebiete in Brüssel gemeldet, die sich auf drei biogeografische Regionen (alpin, atlantisch, kontinental) verteilen. Dies entspricht einem Meldeanteil von 9,3 % der Landfläche. Hinzu kommen 2.122.161 Hektar Bodensee sowie Meeres-, Bodden- und Wattflächen (Stand: 30.09.11). Von diesen marinen Schutzgebietsflächen entfallen 943.984 Hektar auf die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) Deutschlands (Stand: 2011).

Meldestand der Vogelschutzgebiete

Bislang hat Deutschland 740 Vogelschutzgebiete (BSG) gemeldet. Dies entspricht einem Meldeumfang von 11,2 % der Landfläche. Zusätzlich sind 1.986.197 Hektar Bodensee sowie Meeres-, Bodden- und Wattflächen enthalten. Von diesen marinen Schutzgebietsflächen entfallen 513.930 Hektar auf die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) Deutschlands (Stand: 2011).

Natura 2000-Meeresschutzgebiete in der AWZ

Mit dem Neuregelungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz, das am 4. April 2002 in Kraft trat, wurden die rechtlichen Voraussetzungen für die Umsetzung von Natura 2000 in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, 12-200 sm) geschaffen. Demnach ist das BfN für die Auswahl der Natura 2000-Flächen in der AWZ der Nord- und Ostsee verantwortlich. Die Ausweisung der Schutzgebietsflächen erfolgt durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Ende Mai 2004 erfolgte die Meldung von Natura 2000-Gebieten in der deutschen AWZ an die EU-Kommission in Brüssel. Die zehn gemeldeten Gebiete, davon acht FFH- und zwei Vogelschutzgebiete, umfassen zusammen fast 30 % des deutschen Meeresanteils an der AWZ (Stand: 2011). Die in der AWZ liegenden Vogelschutzgebiete wurden am 15. September 2005 durch den Bund als Naturschutzgebiete gemäß BNatSchG ausgewiesen.

23.05.2012

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