Forderungen des Naturschutztages im Detail
Der 33. Deutsche Naturschutztag endete mit der Verabschiedung der „Magdeburger Erklärung“. Die rund 750 Teilnehmer forderten darin eine Neuausrichtung der Landwirtschaft, eine konsequentere Sicherung von Schutzgebieten und die Verknüpfung von Naturschutz mit sozialen Fragen. Dabei wurde betont, dass Naturschutz eine übergreifende gesellschaftliche Aufgabe ist, die nicht isoliert betrachtet werden darf.
Erstmals gab es spezielle Mitwirkungsmöglichkeiten für Nachwuchsakteure im Naturschutz. Die Teilnehmer des Naturschutztages formulierten konkrete Forderungen und Positionen.
Landwirtschaft neu ausrichten
Der Deutsche Naturschutztag (DNT) fordert von EU, Bund und Ländern eine grundlegende Neuausrichtung der Naturschutzfinanzierung und der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Ziel ist die Erreichung nationaler und internationaler Biodiversitätsziele. Für die Integration von Naturschutzbelangen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen soll ein langfristiger, fachlich und finanziell attraktiver sowie unbürokratischer EU-Naturschutz-Fonds entwickelt werden. In der Agrarförderung soll der Grundsatz „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ gelten.
Angesichts der Tatsache, dass über die Hälfte der deutschen Landfläche landwirtschaftlich genutzt wird, trägt die Landwirtschaft eine besondere Verantwortung für den Erhalt einer intakten Natur und Umwelt. Die erste Säule der GAP wird aus ökologischer, betriebs- und volkswirtschaftlicher Sicht kritisch bewertet. Die unterfinanzierte zweite Säule der GAP hat bisher keine Trendwende beim Verlust der biologischen Vielfalt bewirkt.
Natura 2000 konsequent umsetzen
Der DNT fordert Bund und Länder auf, den rechtlichen Schutz für die Natura 2000-Gebiete zügig umzusetzen. Die EU-Kommission wird aufgerufen, den „Fitness Check“ der EU-Naturschutzrichtlinien zu nutzen, um einen umfassenden Aktionsplan zur Behebung von Umsetzungsdefiziten zu entwickeln und mit den Mitgliedstaaten zu verwirklichen.
Der „Fitness Check“ im Rahmen des REFIT-Prozesses der EU-Kommission ergab, dass die EU-Vogelschutz- und FFH-Richtlinie wirksam und effizient sind. Defizite bestehen jedoch in der konsequenten Umsetzung.
Schutzgebiete sichern und Biotopverbund schaffen
Bund und Länder sollen das Schutzgebietssystem in Deutschland stärken und ergänzen. Bestehende Schutzgebiete sollen qualitativ weiterentwickelt und aufgewertet werden, beispielsweise durch Extensivierung der Landnutzung. Der DNT fordert zudem, Lücken im Schutzgebietssystem zügig zu identifizieren und durch die Ausweisung weiterer Schutzgebiete sowie die Realisierung eines länderübergreifenden Biotopverbundsystems zu schließen, sowohl zu Lande als auch zu Wasser.
Dem Aufbau eines konsistenten Schutzgebietssystems wird national wie international große Bedeutung beigemessen. Neben Kerngebieten wie Nationalparks und Naturschutzgebieten ist insbesondere der nötige Biotopverbund herzustellen.
Biologische Vielfalt und ökologische Leistungen stärken
Bund, Länder und Kommunen sollen die Erhaltung der Biodiversität und ökologischen Leistungen als Querschnittsaufgabe in alle Politikbereiche aufnehmen und als strategisches Ziel festschreiben. Die biologische Vielfalt und die Leistungen von Ökosystemen sind Grundlagen für die Existenz des menschlichen Lebens. Ihre Erhaltung ist aus ökologischen, ökonomischen, sozialen, kulturellen und ethischen Gründen notwendig.
Naturschutz und soziale Fragen zusammen denken
Der DNT fordert Bund und Länder auf, integrative Strategien für die Politikbereiche Natur und Umwelt, Gesundheit, Bildung, Soziales und Stadtentwicklung zu erarbeiten. Alle gesellschaftlichen Gruppen sollen Zugang zu Naturerleben erhalten und an der Ausgestaltung von Naturschutz teilhaben können. Der Schutz der Natur ist eine gesellschaftliche Vereinbarung und als Politikfeld in der Gesellschaft verankert. Zur Lösung gesellschaftspolitischer Fragen sind umfassende Ansätze erforderlich, die diese Belange integrieren.
Jugendengagement nachhaltig unterstützen
Der DNT fordert mehr Wertschätzung und Anerkennung für ehrenamtliches Engagement sowie die Stärkung von Freiwilligendiensten in Bund und Ländern, wie das Freiwillige Ökologische Jahr. Zudem soll eine fundierte Vermittlung von Artenkenntnissen konsequent in die Lehrpläne von Schulen und Hochschulen aufgenommen werden. Naturschutzverbände beobachten einen Rückgang junger Aktiver, die langfristig ehrenamtlich oder beruflich im Naturschutz tätig sein möchten.
Gründe hierfür sind unter anderem fehlende Naturkunde im Bildungssystem und mangelnde selbstgestaltbare Freiräume. Dies erfordert eine Neuausrichtung und Neukonzeptionierung des ehrenamtlichen Engagements im Naturschutz. Im Hochschulbereich sind Ausbildungskonzepte für neue Lehrstühle und Lehrpläne notwendig. Der 33. Deutsche Naturschutztag appelliert an politische Repräsentanten und gesellschaftspolitische Gruppen, ihre Potenziale einzubringen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, adäquate personelle und finanzielle Ressourcen bereitzustellen und die Forderungen des DNT zu unterstützen und umzusetzen.
