Naturschutz

Wissenschaftlicher Appell für eine Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik

09.03.2020

Scharfe Kritik kommt erneut vonseiten der Wissenschaft an den Plänen der EU für ihre künftige Agrarpolitik: Mehr als 3.600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen einen am heutigen Montag in der Fachzeitschrift „People and Nature“ veröffentlichten Appell.

In einem gemeinsamen Appell fordern 21 führende Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Agrarwissenschaften, dass die EU-Agrarpolitik (GAP) das Artensterben, die Klimakrise und die Verschlechterung der Böden nicht länger befeuern darf.

Zur Lösung der Umweltprobleme in der Agrarlandschaft legen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Zehn-Punkte-Plan vor. Demnach sollen naturschädliche Subventionen gestrichen und umweltfreundliche Praktiken deutlich besser honoriert werden. Zudem sollen mindestens zehn Prozent der Agrarfläche wieder als Rückzugs- und Lebensraum für Tiere und Pflanzen dienen – so wie es bis 2008 der Fall war.

Zeitpunkt der Veröffentlichung politisch brisant

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist bewusst gewählt, denn aktuell verhandeln die EU-Staats- und Regierungschefs den Haushalt für die Jahre 2021 bis 2027. Der Agrarhaushalt stellt dabei den größten Einzelposten dar.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger erklärt: „Eine umweltschädliche Agrarpolitik können wir uns nicht mehr leisten. Unsere Steuergelder müssen jetzt in echte Zukunftsinvestitionen fließen. Sie müssen gebunden werden an einen grundlegenden Wandel der Landwirtschaft und an wirksamen Klimaschutz. Passiert das nicht, gibt es für die milliardenschweren Agrar-Subventionen keine Rechtfertigung mehr.“

Der Brexit reiße ein enormes Loch in den EU-Haushalt, so Krüger weiter. Umso wichtiger sei es, die verbleibenden Mittel ökologisch wie ökonomisch klug zu investieren. Bleiben Investitionen in den notwendigen Wandel aus, sei es besser, das Agrarbudget zu kürzen und Gelder in andere echte Zukunftsprogramme umzulenken. Noch habe es die EU jedoch in der Hand, die Landwirtschaft auf einen klima- und naturverträglichen Kurs zu führen.

Der vorgelegte Zehn-Punkte-Plan liefere dafür einen konkreten Fahrplan – mit mehr Raum für die Natur und einer gezielten Förderung der Leistungen der Landwirte für Natur und Gesellschaft.

Hintergrund: Kritik von über 3.600 Wissenschaftlern

In ihrer Fachpublikation kritisieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem die geplante Weiterführung der flächenbezogenen Direktzahlungen, Kürzungen bei Programmen für die Entwicklung ländlicher Räume sowie Defizite beim Klimaschutz.

Besorgt zeigen sie sich zudem über die geplante große Flexibilität für die Mitgliedstaaten bei der nationalen Umsetzung der EU-Agrarpolitik. Die Erfahrung der Vergangenheit habe gezeigt, dass viele Staaten solche Spielräume nur wenig ambitioniert nutzen.

Die Veröffentlichung mit dem Titel „Action needed for the EU Common Agricultural Policy to address sustainability challenges“ erscheint im Fachmagazin „People and Nature“, dessen Beiträge einem wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren (Peer Review) unterzogen werden. Unterstützt wird das Papier von mehr als 3.600 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten.

Weitere Informationen zu den NABU-Forderungen für eine neue EU-Agrarpolitik finden sich unter dem angegebenen Link.

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