Hausgärten bleiben Wachstumstreiber, Ausbildung legt zu
Private Hausgärten sind in Baden-Württemberg weiterhin das wichtigste Geschäftsfeld im Garten- und Landschaftsbau. Sie stehen für 60 Prozent des Umsatzes und gelten damit als zentrale Wachstumstreiber. Auf die Öffentliche Hand entfallen 17 Prozent, Aufträge aus Industrie und Gewerbe erreichen 19 Prozent. Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. zählt aktuell 788 Mitglieder und verzeichnet damit ein Plus von 2,5 Prozent.
Auch in der Ausbildung zeigt die Branche Dynamik: Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse stieg in Baden-Württemberg um knapp vier Prozent. Die Kennzahlen wurden auf der Jahresmitgliederversammlung des VGL BW in Leinfelden-Echterdingen vorgestellt.
Kritik an Bildungsbedingungen und Fachkräftesituation
„Wir blicken zurück auf eine herausragende Bundesgartenschau in Heilbronn und eine einzigartige Remstalgartenschau mit 16 Städten und Gemeinden. Wir erzielten einen großartigen Erfolg bei den deutschen Meisterschaften der Landschaftsgärtner*innen und wir erreichten mit allen unseren Aktionen sehr viel politische Aufmerksamkeit, angefangen vom Ministerpräsidenten über nahezu alle Minister*innen und Staatssekretär*innen aus Baden-Württemberg. Dafür haben wir uns aber auch mächtig ins Zeug gelegt“, freut sich Vorstandsvorsitzender Martin Joos. „Und dennoch mussten wir im vergangenen Jahr Enttäuschungen hinnehmen. Beispielsweise die Vertagung des Neubaus der Meisterschule in Hohenheim, obwohl wir hier die Zusage von Minister Peter Hauk für die Aufnahme in den Haushaltsplan 2020/2021 hatten. Als wir erfuhren, dass die zugesagten neun Millionen nicht im Haushalt auftauchten, waren wir regelrecht schockiert“, zeigt Joos auf.
Der Verband sieht weitere Baustellen bei der Versorgung der Berufsschulen mit motivierten und qualifizierten Lehrkräften. Zugleich bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Thema. In diesem Zusammenhang fordert der VGL BW politische Unterstützung für die duale Ausbildung sowie für Fort- und Weiterbildung. Zudem wurde ein Appell formuliert, keine Menschen abzuschieben, die regulär arbeiten und sich nichts zuschulden kommen lassen.
„Hier erhoffen wir deshalb auch die dringende Unterstützung von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, damit die duale berufliche Ausbildung und auch die berufliche Fort- und Weiterbildung wieder den Stellenwert bekommen, den sie verdienen“, meint Joos, der sich hier ein klares Bekenntnis der Politik in dieser Sache wünscht. Und es gibt noch weitere Baustellen, wie den anhaltenden Fachkräftemangel. „Wir appellieren hier an unsere Politik, keine Menschen abzuschieben, die einer regulären Arbeit nachgehen und sich nichts haben zu Schulden kommen lassen. Wir brauchen diese Arbeitskräfte dringend“, erläutert Joos.
Städtebauförderung: Chancen für mehr Stadtgrün
Der Verband setzt auf mehr Grün in Städten und verweist auf die seit 2020 vereinfachte bundesweite Städtebauförderung. Die Förderinstrumente bündeln sich in drei Programmen: „Lebendige Zentren“, „Sozialer Zusammenhalt“ sowie „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“. Klimaschutz und Klimaanpassung sind als neue Fördervoraussetzungen integriert, wobei Maßnahmen zur grünen Infrastruktur und zum Stadtgrün ausdrücklich im Fokus stehen.
Die Städtebauförderung wird ab 2020 mit Bundesmitteln von 790 Millionen Euro fortgeführt. Im Mittelpunkt stehen der Erhalt und die Entwicklung von Orts- und Stadtkernen, das Zusammenleben im Quartier und die Gestaltung lebenswerter Quartiere. Der Verband erwartet, dass Kommunen diese Mittel gezielt für mehr Stadtgrün einsetzen.
Wirtschaftlichkeit sichern und Komfortzone vermeiden
Der Vorstand mahnt, das Produkt Garten nicht unter Wert zu verkaufen und in konjunkturell guten Phasen finanzielle Polster aufzubauen. Gleichzeitig sollen Betriebe Betriebsabläufe im Zuge der Digitalisierung optimieren und Mitarbeitenden attraktive Arbeitsbedingungen mit Entwicklungsperspektiven bieten. Als Plattform für Öffentlichkeitsarbeit nennt der VGL BW die Landesgartenschau in Überlingen.
BUGA Heilbronn und Remstalgartenschau als Schaufenster der Branche
Auf der Bundesgartenschau in Heilbronn wurden in den sechs BUGA-Gartenwelten der Landschaftsgärtner*innen 341 Veranstaltungen an 173 Tagen durchgeführt. Das 8.000 Quadratmeter große Gelände wurde intensiv genutzt, unter anderem mit einem Seminarraum für Weiterbildungen sowie der Möglichkeit, überbetriebliche Ausbildungskurse in die Gartenwelten zu verlegen.
Die Remstal-Gartenschau zog an 164 Tagen rund zwei Millionen Menschen in 16 Kommunen. Mitgliedsbetriebe waren an Projekten beteiligt, darunter Aktionen zu Vorgärten und „Kleinen Gärten in der Stadt“. Im Schorndorfer Schlossgarten wurden sechs Wasser- und Gartenzimmer realisiert. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Uschi App würdigte die kreativen Beiträge der Betriebe.
„Diese Schau in einem ganzen Tal lockte viele Gäste von nah und fern und ließ ein neues Wir-Gefühl zwischen den Gemeinden entstehen. Die Beiträge unserer Betriebe haben mitgeholfen das Thema Garten auch im Remstal passend zu positionieren. In den unterschiedlichen Gestaltungen konnte sich jede/r Besucher*in wiederfinden und erkennen, was für ein Garten- oder Wassertyp er ist“, lobt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Uschi App die kreativen Kolleginnen und Kollegen.
Politische Gespräche, Integration und Nachwuchserfolge
Im BUGA-Jahr fanden im Rahmen von „GaLaBau trifft Politik“ zahlreiche Gespräche mit Fraktionen des Landtags sowie Minister*innen und Staatssekretär*innen statt. Ein kurzer Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier beim Landschaftsgärtner-Cup zur BUGA-Eröffnung wird als Höhepunkt genannt. Insgesamt wurden 30 Gesprächstermine organisiert, verbunden mit dem Angebot von Baumspenden zur Pflanzung von „Klimabäumen“.
Zur Integration von Geflüchteten wird berichtet, dass 41 Flüchtlinge in Ausbildung sind und die ersten ihre Berufsausbildung zum/r Landschaftsgärtner*in abgeschlossen haben. Betriebe wurden dabei 2019 vom Willkommenslotsen Andreas Haupert unterstützt, wobei die Beratung häufig an der Schnittstelle zwischen betrieblichem Interesse und aufenthaltsrechtlichen Fragen lag.
Meistertitel für TEAMGRÜN und personelle Entscheidungen
Hannes Mattenklott und Simon Hummel vom Ausbildungsbetrieb TEAMGRÜN Furtner-Althaus aus Elzach gewannen 2019 zunächst den baden-württembergischen Meistertitel beim Landschaftsgärtner-Cup in Heilbronn und holten im September auch den Sieg bei den Deutschen Meisterschaften, ebenfalls auf der BUGA. In einem Feld von elf Teams aus ganz Deutschland überzeugten sie mit einer vielseitigen Wettbewerbsaufgabe und einem hochwertigen Ergebnis.
„Das war zwei Mal ein sehenswerter Einsatz auf höchstem Niveau und der gesamte baden-württembergische Berufsstand ist sehr stolz auf solche Nachwuchskräfte“, freut sich Halter, der an dieser Stelle auch dem TEAMGRÜN Furtner-Althaus für das großartige Engagement in der Vorbereitung dankte.
Bei der Vorstandsarbeit wurde Matthias Blechschmitt nach neun Jahren als Vorstand Finanzen verabschiedet. Kai Seydell legt sein Amt im Ressort Markt und Wirtschaft aus privaten Gründen vorzeitig nieder. In den Wahlen wurde Albrecht Bühler als Vorstand Ausbildung bestätigt. Philipp Erhardt wurde in den Vorstand für Markt und Wirtschaft gewählt, Wolfgang Weber in das Ressort Finanzen.
