Branche fordert mehr Tempo bei Klimaanpassung, Förderung und Bürokratieabbau
Der Garten- und Landschaftsbau in Baden-Württemberg sieht sich als aktiver Gestalter des Klimaschutzes und der Klimaanpassung. Gleichzeitig kämpft die Branche um mehr politische Aufmerksamkeit für ihre Leistungen. Besonders im urbanen Raum gewinnen grüne und wasserbezogene Lösungen zunehmend an Bedeutung.
„Wir Landschaftsgärtner reden nicht vom Klimaschutz, wir machen ihn, jeden Tag!“
Vegetative Systeme übernehmen dabei zentrale Funktionen: Sie kühlen Städte, binden CO₂ und verbessern langfristig die Lebensqualität. Im Vergleich zu technischen Lösungen arbeiten sie dauerhaft effizient und werden mit der Zeit leistungsfähiger. Vor diesem Hintergrund fordert die Branche, grün-blaue Infrastruktur stärker in Vergabeverfahren, Förderprogramme und Bauleitplanung zu integrieren.
Solide Zahlen in einem anspruchsvollen Marktumfeld
Mit einem Umsatz von 2,15 Milliarden Euro verzeichnete die Branche 2025 in Baden-Württemberg ein Wachstum von 4,5 Prozent. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und zurückhaltender Investitionen bleibt die Auftragslage stabil, auch wenn der Aufwand für die Akquise gestiegen ist.
Die Zahl der Insolvenzen nahm insgesamt zu, während sie bei den Mitgliedsbetrieben rückläufig war. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten leicht auf 15.150. Der Markt wird weiterhin stark durch private Auftraggeber geprägt, deren Anteil inzwischen bei 63 Prozent liegt.
Öffentliche Aufträge und gewerblicher Wohnungsbau verloren hingegen weiter an Bedeutung. Die Industrie blieb mit einem konstanten Anteil stabil. Diese Verschiebung zeigt die zunehmende Abhängigkeit der Betriebe vom Privatkundensegment.
Positive Entwicklung bei Mitgliedern und Ausbildung
Der VGL Baden-Württemberg zählt aktuell 802 Mitgliedsbetriebe und konnte 2025 wieder ein leichtes Wachstum verzeichnen. Besonders erfreulich ist die Entwicklung im Ausbildungsbereich: 518 neue Ausbildungsverträge bedeuten ein Plus von 11 Prozent.
Insgesamt befinden sich 1.280 Auszubildende in der Branche. Die hohe Zahl erfolgreicher Abschlüsse unterstreicht die Qualität der Ausbildung. Bundesweit zeigt sich ebenfalls ein positiver Trend bei den Ausbildungszahlen.
Gleichzeitig wird deutlich, dass qualifizierter Nachwuchs weiterhin ein entscheidender Erfolgsfaktor bleibt – insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels.
Starke Bindung und hohe Zufriedenheit im Verband
Die aktuelle Branchenumfrage zeigt eine hohe Identifikation mit dem Verband. Rund 79 Prozent der Betriebe sind seit über zehn Jahren Mitglied. Besonders geschätzt werden die Beratung sowie die Interessenvertretung gegenüber Politik und Verwaltung.
Mehr als 88 Prozent der Betriebe sehen einen klaren Mehrwert in den Verbandsleistungen. Die Gesamtzufriedenheit liegt bei über 93 Prozent. Auch die Geschwindigkeit bei der Lösung von Problemen wird sehr positiv bewertet.
Diese Werte unterstreichen die wichtige Rolle des Verbands als Schnittstelle zwischen Betrieben, Politik und Verwaltung.
Neue Führung und Fortschritte bei der Maut
Mit dem Wechsel in der Geschäftsführung setzt der Verband auf eine breitere Aufstellung. Die neue Doppelspitze kombiniert unterschiedliche Kompetenzen und soll die strategische Weiterentwicklung stärken.
Ein wichtiger Erfolg wurde beim Thema Nutzfahrzeuge erzielt: Das Verwaltungsgericht Berlin stellte fest, dass GaLaBau-Betriebe im Werkverkehr von der Lkw-Maut auf leichte Fahrzeuge befreit sind. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus, gilt jedoch als richtungsweisend.
Unternehmensnachfolge als wachsende Herausforderung
Der Generationswechsel stellt viele Betriebe vor große Aufgaben. Mehr als 25 Unternehmen fanden 2025 keine Nachfolge. Bereits über ein Viertel der Betriebe befindet sich aktuell im Übergabeprozess.
Zur Unterstützung wurden Beratungsangebote und neue Qualifizierungswege etabliert. Das duale Studium im Bereich nachhaltiges Bauen bereitet gezielt auf Führungsaufgaben im Garten- und Landschaftsbau vor und eröffnet Perspektiven für die Unternehmensübernahme.
Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, Betriebsstrukturen langfristig zu sichern und Know-how in der Branche zu halten.
Grün-blaue Infrastruktur im Fokus der Stadtentwicklung
Klimagerechte Städte benötigen integrierte Lösungen, die Wasserhaushalt und Vegetation zusammendenken. Versickerung, Verdunstung und Speicherung von Wasser sind zentrale Elemente einer resilienten Stadtplanung.
Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen:
- Dach- und Fassadenbegrünungen
- Zisternen und Wasserspeicher
- durchlässige und überflutbare Flächen
- Versickerungssysteme wie Rigolen
Diese Ansätze verbessern nicht nur das Stadtklima, sondern erhöhen auch die Aufenthaltsqualität und Biodiversität in urbanen Räumen.
„Unsere Mitgliedsunternehmen stehen mit Wissen bestens ausgerüstet in den Startlöchern.“
Förderprogramme bieten großes Potenzial
Mit neuen Förderinstrumenten stehen Kommunen umfangreiche Mittel zur Verfügung. Die Entsiegelungsprämie des Landes Baden-Württemberg unterstützt Rückbau und ökologische Aufwertung von Flächen mit bis zu 40.000 Euro.
Auch das Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten sowie das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz bieten erhebliche finanzielle Anreize. Letzteres umfasst bis 2029 ein Gesamtvolumen von 4,5 Milliarden Euro.
Zusätzliche Unterstützung erhalten Kommunen durch Beratungsangebote wie das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz oder Förderchecks spezialisierter Einrichtungen.
Forderungen: Investitionen, Entlastung und Bildung
Die Branche fordert klare politische Signale für den Ausbau der grün-blauen Infrastruktur. Dazu gehören höhere Investitionen sowie konkrete Modellprojekte für Schwammstadt-Konzepte.
Gleichzeitig wird ein konsequenter Bürokratieabbau angemahnt. Komplexe Verfahren bei Fördermitteln, Mautregelungen und Unternehmensnachfolgen binden Ressourcen und bremsen die Entwicklung vieler Betriebe.
„Wir brauchen wieder mehr Visionen und vor allem den Mut, die Dinge anzupacken.“
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Fachkräftesicherung. Der Ausbau von Bildungszentren wie der DEULA Baden-Württemberg sowie die Weiterentwicklung bestehender Ausbildungseinrichtungen sind entscheidend, um den wachsenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften zu decken.
Die Branche sieht sich gut aufgestellt, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen – vorausgesetzt, die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen entwickeln sich entsprechend mit.


