Startschuss für den Schutz der Ahr-Region
Die Umsetzungsphase des Naturschutzgroßprojekts „Obere Ahr-Hocheifel“ in Rheinland-Pfalz hat begonnen. Für den Schutz und die Entwicklung der Gewässer und der angrenzenden Auen stehen insgesamt 9,3 Millionen Euro zur Verfügung. An dem Start nahmen die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Beate Jessel, Landesumweltministerin Ulrike Höfken und Landrat Dr. Jürgen Pföhler teil.
Das Projektgebiet „Obere Ahr-Hocheifel“ umfasst ein Kerngebiet von 3287 Hektar. Ziel ist es, die Ahr und ihre Zuflüsse wieder naturnah mit ihren Auen zu verbinden und die Vielfalt der Lebensräume für Tiere und Pflanzen dauerhaft zu verbessern. Prof. Jessel betonte die bundesweite Bedeutung des Projekts:
Als vorbildliches Beispiel für die umfassende Renaturierung eines zusammenhängenden Gewässersystems und für das Miteinander von Naturschutz, Wasserwirtschaft und naturverträglicher Nutzung ist das Projekt von bundesweiter Bedeutung. Das Vorhaben ergänzt das bisherige Engagement des Bundes für die Ahr in hervorragender Weise.
Das Projekt grenzt an das 2005 abgeschlossene Projekt „Ahr 2000“ in Nordrhein-Westfalen an. Bereits 1979 wurde das Mündungsgebiet der Ahr in Rheinland-Pfalz mit Bundesmitteln gefördert, um den natürlichen Wechsel von Niedrig- und Hochwasser zu unterstützen.
Kooperation und Maßnahmen
Umweltministerin Höfken hob die gesicherte Finanzierung und den politischen Willen hervor, die Flusslandschaft zu erhalten und ihr Potenzial für die Artenvielfalt auszuschöpfen. Sie betonte die Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Interessengruppen aus Naturschutz, Wasserwirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, die sich bereits in der Planungsphase gezeigt habe. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft sei entscheidend:
Gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben wird es gelingen, die von der Landnutzung geprägte Kulturlandschaft der Eifel langfristig zu erhalten.
Bis zum Jahr 2021 sind neben dem Grunderwerb weitere Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung der Oberen Ahr und ihrer angrenzenden Auen geplant. Dazu gehören:
- Entfernung von Ufer- und Sohlverbau in den Gewässern
- Wiederherstellung des naturnahen, gekrümmten Gewässerverlaufs auf begradigten Strecken
- Entwicklung und Sicherung von Gewässerrandstreifen
- Reaktivierung von Altarmen und Auengewässern
- Beseitigung von Wanderbarrieren in den Nebenbächen
Zusätzliche Mittel des Landes und des Kreises Ahrweiler ermöglichen die Entfernung von Querbauwerken an der Ahr. Dadurch wird die Durchgängigkeit der Ahr in Rheinland-Pfalz auf einer Länge von 70 km für Fische und andere Gewässerorganismen vollständig wiederhergestellt, wovon unter anderem die Äsche und der Lachs profitieren. Weiterhin werden Auenflächen wieder vernässt, nährstoffreiche Wiesen ausgemagert oder brachgefallene Flächen extensiv genutzt.
Finanzierung und Ziele
Landrat Dr. Pföhler unterstrich den Nutzen des Projekts für die gesamte Region:
Das Projekt ist ein großer Gewinn für die gesamte Region! Der Erhalt der einzigartigen Lebensräume steht im Vordergrund. Zugleich profitieren davon Landwirtschaft, Hochwasserschutz und Tourismus.
Die Maßnahmen tragen zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt bei, die vorsieht, Fließgewässer und ihre Auen bis 2020 als Lebensraum zu sichern, um eine naturraumtypische Vielfalt in Deutschland zu gewährleisten.
Von der Gesamtfördersumme der Umsetzungsphase in Höhe von 9,3 Millionen Euro stellt der Bund 6,3 Millionen Euro aus seinem Förderprogramm „chance.Natur – Bundesförderung Naturschutz“ bereit. Das Land Rheinland-Pfalz steuert 2,1 Millionen Euro bei, und der Kreis Ahrweiler, der die Trägerschaft für das Vorhaben übernommen hat, beteiligt sich mit 0,9 Millionen Euro.
Hintergrundinformationen zum Projektgebiet
Das Projektgebiet „Obere Ahr-Hocheifel“ ist Teil einer Mittelgebirgsregion, die sich durch eine geringe Bevölkerungsdichte und einen hohen Waldanteil auszeichnet. Ein besonderes Merkmal sind die darin eingebetteten, über mehrere Kilometer abgeschiedenen offenen Wiesentäler. Die naturnahen Fließgewässer bieten vielfältigen Lebensraum für eine artenreiche Tierwelt, darunter die Bachforelle. In der Ahr selbst und in den Unterläufen der größeren Seitenbäche leben Arten wie die Äsche und der Lachs. Auf ungedüngten Wiesen finden sich im Frühjahr Orchideenarten wie das breitblättrige und das gefleckte Knabenkraut. Bemerkenswert sind zudem die Vorkommen des Schwarzstorchs und der Wildkatze.
Das Projekt „Obere Ahr-Hocheifel“ ist eines von 76 Vorhaben, die der Bund als gesamtstaatlich repräsentative Naturschutzgroßprojekte fördert oder gefördert hat. Bisher wurden 51 Vorhaben erfolgreich abgeschlossen. In den 25 laufenden Vorhaben werden unter anderem Fachplanungen, Flächenerwerb, Naturschutzmaßnahmen und das Projektmanagement finanziert.
Das Förderprogramm „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ trägt seit über 30 Jahren zur dauerhaften Erhaltung großflächiger und wertvoller Lebensräume für bedrohte Tiere und Pflanzen bei. Die beteiligten Bundesländer und Projektträger verpflichten sich dabei zu einem nachhaltigen Schutz und einer naturverträglichen Entwicklung des Projektgebietes, auch über die zeitlich begrenzte Bundesförderung hinaus. Seit 1979 wurden über 400 Millionen Euro Bundesmittel für die Sicherung und Entwicklung bundesweit bedeutsamer Landschaftsausschnitte bereitgestellt. Derzeit stehen jährlich 14 Millionen Euro für dieses Förderprogramm zur Verfügung.