Vielfältige Herausforderungen im deutschen Ackerbau
Der deutsche Ackerbau steht vor vielfältigen Herausforderungen. Dazu zählen Resistenzen gegenüber Pflanzenschutzmitteln, der Verlust wichtiger Wirkstoffe durch Zulassungsbeschränkungen, ein stagnierender Züchtungsfortschritt sowie der Verlust an Biodiversität. Probleme ergeben sich zudem aus zu engen Fruchtfolgen und den Anforderungen des Wasser- und Bodenschutzes.
Diese Problematik hat längst die öffentliche Diskussion erreicht und wirkt sich bis in die Politik aus. Dabei sind die regionalen Auswirkungen unterschiedlich stark ausgeprägt, abhängig von der Spezialisierung auf bestimmte Kulturen, Fruchtfolgen und Anbaumethoden. Die Debatte um Änderungen gängiger Ackerbaupraktiken, beispielsweise im Kontext der Glyphosat-Wiederzulassung, ist nicht neu.
Neben dem Wegfall von Pflanzenschutzwirkstoffen verschärfen sich Resistenzprobleme bei Herbiziden und Insektiziden. Die Hoffnung auf schnelle Lösungen aus Industrie oder Züchtung ist begrenzt, da die Entwicklung neuer Wirkstoffe langwierig ist und in absehbarer Zeit keine neuen Wirkstoffgruppen zu erwarten sind. Die alleinige Ursache in der Spezifität und damit Resistenzanfälligkeit moderner Pflanzenschutzmittel zu suchen, greift zu kurz.
Die hohe Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln führte oft dazu, dass ackerbauliche Grundprinzipien wie ausgewogene Fruchtfolgen oder zusätzliche Bodenbearbeitung vernachlässigt wurden. Dies ermöglichte lange Zeit eine Steigerung der Produktivität. Inzwischen kehrt sich dieser Trend in vielen Bereichen um. In einigen Regionen, die stark von Ackerfuchsschwanz betroffen sind, wurde der Anbau von Winterweizen, einer einstigen Hauptkultur, bereits eingestellt, da die Ungrasprobleme nicht mehr beherrschbar sind. Eine Richtungsänderung ist notwendig, um die Pflanzenproduktion zukunftsfähig zu gestalten.
Die DLG-Thesen zur Landwirtschaft 2030 fordern, dass klassische ackerbauliche Prinzipien wieder stärker in die gute landwirtschaftliche Praxis integriert werden müssen. Auch der Züchtungsfortschritt ist aufgrund des bereits hohen Leistungsniveaus der Sorten nur noch in kleinen Schritten möglich. Eine „Wunderwaffe“ zur Lösung aller Probleme ist nicht zu erwarten.
Es liegt nun am unternehmerischen Landwirt, sein Produktionssystem kritisch zu hinterfragen und zukunftsfähige Strategien für den Ackerbau zu entwickeln. Das neue DLG-Merkblatt 424 „Ackerbau zukunftsfähig gestalten“, erarbeitet von einem Autorenteam der DLG-Ausschüsse für Ackerbau und Pflanzenschutz, analysiert die aktuelle Situation im Ackerbau. Es beleuchtet spezifische Probleme und zeigt pflanzenbauliche sowie ökonomische Zusammenhänge auf, um Lösungswege für einen produktiven, nachhaltigen und ressourcenschonenden Ackerbau aufzuzeigen.
Das DLG-Merkblatt 424 „Ackerbau zukunftsfähig gestalten“ steht zum kostenfreien Download zur Verfügung.
