Herausforderungen und Anpassungsstrategien in der Landwirtschaft
Internationale Agrarökonomen haben auf dem 117. Seminar der European Association of Agricultural Economists (EAAE) an der Universität Hohenheim über die Auswirkungen des Klimawandels auf die globale Ernährungssicherung beraten. Eine zentrale Erkenntnis war, dass der Welthunger um etwa 20 Prozent zunehmen könnte, wenn keine effektiven Anpassungs- und Vermeidungsstrategien umgesetzt werden.
Die Landwirtschaft muss sich an den Klimawandel anpassen, unter anderem durch den Einsatz dürreresistenterer Pflanzen und ein verbessertes Wassermanagement. Auch die Anpassung institutioneller Rahmenbedingungen wird als notwendig erachtet. Forscher aus Europa, Afrika, Asien und Amerika kamen zusammen, um diese Herausforderungen zu erörtern. Besonders Afrika wird voraussichtlich am stärksten unter den negativen Folgen des Klimawandels leiden.
Die Universität Hohenheim konzentriert sich in ihrer Forschung auf die Ernährungssicherung und die Auswirkungen des Klimawandels. Es wird erwartet, dass Unsicherheiten und Schwankungen im Klima zunehmen. Während sich die Experten einig sind, dass globale Durchschnittstemperaturen und Niederschlagsmengen steigen werden, sind detaillierte regionale Vorhersagen zu Dauer, Stärke und Verteilung von Niederschlag und Trockenheit unsicherer. Diese unsicheren Wetterverhältnisse stellen eine erhebliche Herausforderung für Landwirte dar.
Die Agrarökonomen waren sich einig, dass Afrika am stärksten betroffen sein wird. Weltweit werden vor allem arme und hungernde Menschen sowie Bewohner ökonomischer und ökologischer Randgebiete unter den Folgen leiden. Die Zahl der chronisch unterernährten Menschen könnte durch den Klimawandel um rund 20 Prozent steigen. Die Landwirtschaft spielt eine Doppelrolle: Sie leidet unter dem Klimawandel, trägt aber auch zu ihm bei. 70 bis 80 Prozent des globalen Wasserverbrauchs entfallen auf die landwirtschaftliche Produktion, und sie verursacht 14 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen.
In nördlichen Regionen der USA und Nordeuropas könnte die Landwirtschaft vom Klimawandel profitieren. Die Agrarökonomen sehen diese Landwirte in der Pflicht, ihr zusätzliches Potenzial zu nutzen, um Verluste in südlicheren Regionen auszugleichen. Angesichts unsicherer Prognosen zu Dürren und Überschwemmungen sowie einer erwarteten Zunahme von Schädlingen, muss sich die Pflanzen- und Tierzucht auf die Bewältigung multipler Stressfaktoren einstellen. Kulturpflanzen sollten beispielsweise widerstandsfähiger gegen Krankheiten und toleranter gegenüber Dürreperioden gezüchtet werden.
Eine kontrovers diskutierte Frage war, wie Vermeidungsstrategien den Klimawandel beeinflussen können, etwa durch einen reduzierten Fleischkonsum zur Verringerung der klimaschädlichen Tierproduktion. Hier gab es noch keine Einigung über die Effizienz solcher Forderungen. Es gelte, effiziente Anpassungs- und Vermeidungsstrategien zu identifizieren und ökonomisch zu fördern. Mit konsequenten Maßnahmen könnten die zusätzlichen hungernden Menschen kompensiert werden, doch die Umsetzung solcher Maßnahmen sei derzeit begrenzt.
Landwirtschaftliche Produktion besser absichern
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt war die Frage, wie Landwirte sich besser gegen die Auswirkungen des Klimawandels absichern und darauf reagieren können. Hierfür sei weitere Forschung unerlässlich, insbesondere zur Untersuchung der institutionellen Rahmenbedingungen landwirtschaftlicher Haushalte. Es müsse geklärt werden, welche institutionellen Mechanismen die Auswirkungen des Klimawandels abfedern könnten. Diskutiert wurden unter anderem Mikrofinanzierungsprogramme und Ernteausfallversicherungen für Landwirte in Entwicklungsländern.
Kernkompetenz der Universität Hohenheim seit 1818
Die Universität Hohenheim war zum zweiten Mal Gastgeberin des EAAE-Seminars. Rektor Prof. Dr. Hans-Peter Liebig betonte in seiner Eröffnungsrede, dass die Universität damit ihrem Auftrag nachkomme, die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Ernährungssicherung zu untersuchen und realistische Perspektiven aufzuzeigen. Dieser Auftrag bestehe seit fast 200 Jahren. Die Gründung der Ackerbauschule Hohenheim im Jahr 1818 durch Königin Katharina erfolgte nach zwei nassen Jahren mit Ernteausfällen und Hungersnöten.
European Association of Agricultural Economists (EAAE)
Die European Association of Agricultural Economists (EAAE) veranstaltet alle drei Jahre ein Seminar zu Themen der ländlichen und landwirtschaftlichen Entwicklung in Entwicklungsländern. In den letzten Jahren fanden diese Seminare in Montpellier (2007), Florenz (2004), Wye-Kent (2001) und Wageningen (1998) statt. Nach 1992 war die Universität Hohenheim in diesem Jahr erneut erfolgreicher Gastgeber des Seminars.