Agro Mover: Vielseitigkeit durch neue Anbauoptionen
Die Paul Nutzfahrzeuge GmbH hat die Einsatzmöglichkeiten ihrer Agro Mover-Fahrzeuge durch die Entwicklung einer mechanischen Heckzapfwelle und eines hydraulischen Heckkrafthebers erweitert. Diese Innovationen ermöglichen den herstellerunabhängigen Betrieb schwerer Heckanbaugeräte in der Land- und Forstwirtschaft sowie in kommunalen Bereichen.
In Kombination mit einer Load-Sensing-Hydraulik und einem ISOBUS-Terminal können bis zu fünf An- und Aufbaugeräte gleichzeitig betrieben werden. Dies rückt den Agro Mover näher an die Funktionalität von Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Zug- und Arbeitsmaschinen heran. Das Premierenfahrzeug basiert auf einem Mercedes-Benz Arocs 2051 AK 4x4.
Die hohen Transportleistungen des Agro Mover bleiben erhalten, mit autobahntauglicher Straßengeschwindigkeit. Für landwirtschaftliche Einsätze ist eine Kugelkopfkupplung verfügbar, für großvolumige Erntegut- und Materialtransporte eine Sattelkupplung; beide können auf Wunsch kombiniert werden. Die Eintragung des Agro Mover erfolgt als land- oder forstwirtschaftliches Fahrzeug (LoF Zugmaschinen Ackerschlepper).
Neue Heckzapfwelle für leistungsintensive Heckanbaugeräte
Die mechanische Heckzapfwelle ermöglicht zusätzliche Applikationen. Ihre Kraftübertragung von Motor- auf Zapfwellenleistung erfolgt im Verhältnis 1:1, mit einer maximalen Leistung von 375 kW. Das abnehmbare Drehmoment kann bis zu 3405 Nm betragen. Die Zapfwellendrehzahl wird im Display des ISOBUS-Terminals angezeigt. Bei einer Motordrehzahl von etwa 1350/min erreicht die Zapfwellendrehzahl 1000/min. Die Leistung bleibt auch bei schwankender Motordrehzahl konstant.
Bei Motordrehzahlen unter 800/min ist die Zapfwelle auch während der Fahrt unter Last schaltbar. Die Zapfwelle ist mittig am Heck in der Dreipunkt-Standard-Position angeordnet, was den sofortigen Betrieb von Anbaugeräten ermöglicht. Ein Gelenkwellenschutz gehört zum Serienumfang. Der Ölkühler für den Sandwich-PTO ist mit einem temperaturgesteuerten Lüfter ausgestattet, um Dauerbetrieb auch bei hohen Temperaturen zu gewährleisten. Der Sandwich-PTO ist serienmäßig temperaturüberwacht; diese Überwachung kann auf Wunsch auf das Zapfwellengetriebe ausgedehnt werden.
Bei drohender Temperaturüberschreitung wird der Fahrer durch optisch-akustische Warnsignale informiert. Für die Heckzapfwelle stehen verschiedene Zapfwellenstummel mit Sechszahn- oder Vielzahn-Wellenprofilen von 1 N/O Zoll bis 2 P/Q Zoll zur Verfügung. Die Heckzapfwelle ermöglicht den Betrieb von Lade- und Silierwagen sowie den Einsatz in der Landwirtschaft mit Wassertanks, Feldspritzen, Futtermischern oder Güllefässern. In der Forstwirtschaft können Holzhacker und Holzhäcksler betrieben werden. Im kommunalen Sektor sind Mäh-, Mulch-, Fräs- und Winterdienstgeräte am Heck einsetzbar.
Neuer Heckkraftheber erweitert Einsatzspektrum
Paul Nutzfahrzeuge hat einen hydraulischen Dreipunkt-Heckkraftheber unter Verwendung von Claas-Komponenten entwickelt, um Anbaugeräte am Heck des Agro Mover anzukuppeln. Dieser Heckkraftheber erreicht ohne Ballastierung eine Hubkraft von bis zu 4,5 t. Ein modulares Frontgewicht von 1500 kg, bestehend aus vier Teilen, wird optional angeboten. Damit ausgestattet, stemmt der Heckkraftheber bis zu 7 t, was für schwere Heckanbaugeräte ausreichend ist.
Eine zusätzliche Außenbedienung am Fahrzeugheck vereinfacht die Geräteaufnahme. In Transportstellung kann der dreipunktgelagerte Heckkraftheber für Transporte mit Bolzen- oder Kugelkopfanhängern genutzt werden, ohne aufwendige Umrüstarbeiten. Die Abmessungen und Bolzenstärken von Heckkraftheber und Dreipunktgestänge entsprechen der Kategorie 3 nach DIN ISO 730-1. Andere Ausführungen sind auf Anfrage realisierbar.
Der neue Heckkraftheber ermöglicht Einsätze mit Scheiben- oder Zinkenegge sowie Grubber- und Tiefengrubber-Applikationen. In Verbindung mit der Heckzapfwelle, der Load-Sensing-Hydraulikanlage mit neun Geräteanschlüssen am Heck und dem ISOBUS-Terminal ergeben sich weitere Nutzungsperspektiven mit Saatbettkombinationen, Sägeräten, Düngestreuern, Kreiselmähwerken und Schlegelmulchern.
Premierenfahrzeug Agro Mover mit Heckzapfwelle und Heckkraftheber
Als Basis für das erste Agro Mover-Fahrzeug mit Heckzapfwelle und Heckkraftheber wurde der Mercedes-Benz Arocs 2051 AK in der zweiachsigen Version „Grounder“ gewählt. Mit Allradantrieb, einem Radstand von 4200 mm und einer Euro-6-Motorleistung von 375 kW (510 PS) bietet er Voraussetzungen für den Einsatz als Agro Mover. Die zulässige Achslast beträgt 9,0 t an der blattgefederten Vorderachse und 10,4 t an der luftgefederten Hinterachse.
Paul Nutzfahrzeuge rüstet den Agro Mover mit einer Load-Sensing-Hydraulikanlage aus, die eine 120 cm³-Pumpe und eine Pumpleistung von bis zu 240 l/min bei 210 bar umfasst. Sie verfügt über vier doppelt wirkende proportionale Hydraulikzellen, eine einfach wirkende Hydraulikzelle und neun Hydraulikanschlüsse am Heck. Die Steuerung der Geräte erfolgt über einen Joystick im Fahrerhaus. Ein ISOBUS-Terminal von Müller Elektronik ermöglicht den standardisierten Datenaustausch und die Maschinensteuerung von ISOBUS-fähigen Geräten, unabhängig vom Hersteller.
Ein Mekra-Rückfahrkamerasystem, sieben LED-Arbeitsscheinwerfer sowie ein Dachbügel mit vier Fernscheinwerfern und zwei LED-Rundumkennleuchten sorgen für Sicht und sichere Arbeitsprozesse bei Dunkelheit. Für das bodenschonende Überfahren von Wiesen- und Ackerflächen ist ein halbautomatisches Reifendruckregel-System sowie die Umrüstung auf Hochstollen-Terrareifen der Dimension 445/65 R 22,5 (vorn) und 600/50 R 22,5 (hinten) installiert.
Der Agro Mover verfügt über eine Scharmüller-Kugelkopfkupplung K80 mit einem höhenverstellbaren Zugmaul und einer Stützlast von zwei Tonnen. Ein Spannungswandler am Heck gewährleistet den Betrieb mit 12-V-Anhängern. Eine an der Fahrzeugfront montierte Winterdienstplatte ermöglicht duale Nutzungsmöglichkeiten, wie kommunale Schneeräumeinsätze.
Ganzjährige Nutzung und Rentabilität
Der Agro Mover wurde für die Anforderungen in Land- und Forstwirtschaft entwickelt, um vielseitige und flexible Einsatzmöglichkeiten zu bieten. Das Konzept kombiniert die Arbeitseffizienz eines Traktors mit der Transportkapazität eines Lkw. Dies eliminiert das Umladen am Feldrand und ermöglicht ganzjährige Anwendungen mit wechselnden Geräten: Ackerbearbeitung und Saat im Frühjahr, Mäheinsätze im Sommer, Ernte im Herbst und Winterdienst in den kalten Monaten.
Parallel sind Transporteinsätze mit hoher Nutzlast und einer Höchstgeschwindigkeit bis 80 km/h mit großvolumigen Anhängern, Ladewagen und Silage-Trailern möglich. Die Standzeiten sind auf das Minimum reduziert. Das internationale Service- und Wartungsnetz von Paul Nutzfahrzeuge gewährleistet kurzfristige Termine und eine schnelle Ersatzteilversorgung. Load-Sensing-Hydraulik, grobstollige Terra-Breitreifen, Nebenabtrieb und Spannungswandler optimieren den Arbeitseinsatz und Gerätebetrieb. Die mögliche Ausrüstung mit Sattel- und Kugelkopfkupplung erhöht die Flexibilität im Transporteinsatz.
Mit Heckzapfwelle und Heckkraftheber werden Effizienz, Einsatzvielfalt und Rentabilität in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben durch den uneingeschränkten Betrieb von Heckanbaugeräten gesteigert.

