Die Relevanz von Beton in der Gartendenkmalpflege
Die Arbeitsgemeinschaft gärtnerische Sachverständige (ags) widmet sich kontinuierlich der Weiterbildung ihrer Mitglieder und der öffentlichen Darstellung der Sachverständigentätigkeit. Im Rahmen dieser Ziele veranstaltet die ags Seminare und Arbeitstagungen zu verschiedenen Bereichen, in denen gärtnerische Sachverständige tätig sind.
Seit einigen Jahren rückt dabei auch die Gartendenkmalpflege verstärkt in den Fokus. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass der Denkmalstatus Eigentümer von Gartendenkmälern sowohl in ihrer Verfügungsgewalt einschränkt als auch zu bestimmten Maßnahmen verpflichtet. Dies betrifft private Eigentümer ebenso wie die öffentliche Hand. Neben der Besichtigung von Gartendenkmälern erhalten Seminarteilnehmer die Möglichkeit, sich mit Gestaltungsprinzipien sowie Pflege- und Erhaltungstechniken vertraut zu machen.
Das Seminar „Beton in der Gartendenkmalpflege“
Ein aktuelles Seminar im April in Offenbach widmete sich dem Thema „Beton in der Gartendenkmalpflege“. Die Wahl dieses Themas stellte zunächst ein gewisses Risiko dar, da Beton als vergleichsweise junger Baustoff nicht unmittelbar mit dem traditionellen Denkmalgedanken assoziiert wird, der sich auf länger zurückliegende Epochen konzentriert. Die Bedenken erwiesen sich jedoch als unbegründet. Die Veranstaltung stieß auf überraschend großes Interesse, auch bei zahlreichen Nicht-Mitgliedern, was die Relevanz des Themas unterstreicht.
Der Einführungsvortrag von Dipl.-Ing. Jutta Curtius mit dem Titel „Es kommt drauf an, was man draus macht“ beleuchtete, dass Beton lange Zeit als „nicht wertvoller“ Baustoff galt, obwohl er bereits in römischen Bauwerken wie dem Pantheon eingesetzt wurde. Dr. Petra Egloffstein erläuterte die Methoden und Regeln zur Restaurierung von Beton-Baudenkmälern und betonte, dass Denkmalpflege eine umfassende Wissenschaft und daraus abgeleitete Technik darstellt und keine nostalgische Nische besetzt.
Dipl.-Ing. Jochen Martz zeigte in seinem Referat die Historie der Betonverwendung im Gartenbau auf. Am Beispiel des Waschbetons demonstrierte er dessen Herstellung und Anwendung im Wandel der Zeit. Dipl.-Ing. Martin Sauder verdeutlichte, dass die Instandsetzung von Beton festen Regeln und Normen unterliegt und nicht willkürlich erfolgen kann. Er führte die Zuhörer von der Zementherstellung über die Bildung von Zementsteinphasen und Hydratphasen bis hin zum Schadensmechanismus der Carbonatisierung. Dabei zeigte er auf, dass die Carbonatisierung zum Rosten des Armierungsstahls führt, was den Beginn der Denkmalzerstörung markiert. Nach seinem Vortrag wich die anfängliche Skepsis einer allgemeinen Hochachtung vor dem Produkt Beton.
Anschließend stellten weitere Referenten einzelne Betonobjekte vor, die bereits Denkmalcharakter besitzen. Diese Darstellungen bildeten eine grundlegende Voraussetzung für das Verständnis der Objektbesichtigungen am zweiten Seminartag.
Exkursionen und Diskussionen in Offenbach und Frankfurt
Die Exkursionen bestätigten die gute Wahl Offenbachs als Veranstaltungsort. Oberbürgermeister Horst Schneider betonte in seiner Begrüßung das Bewusstsein der Stadt Offenbach für ihre Aufgabe, Denkmäler im Allgemeinen und Betonbauten im Besonderen zu schützen und bei Bedarf zu sanieren.
Dipl.-Ing. Christiane Geelhaar schilderte die Verluste und den gesicherten Bestand historischer Betonbauten auf der Mathildenhöhe, exemplarisch dargestellt am Schicksal der Sichtbeton-Pergolen, die ein wesentlicher Bestandteil dieses Weltkulturerbes sind. Dipl.-Ing. Irmela Löw zeigte auf, wie Beton in den 1950er und 1960er Jahren im Park der Villa Monrepos in Griesheim eingesetzt wurde.
Dipl.-Ing. und Beton-Baumeister Manfred Kugelmeier berichtete über einen Sonderfall der frühen Betonverwendung: ein Demonstrationsbauwerk aus dem Jahr 1879 im Dreieich-Park in Offenbach. Dieses Bauwerk mit gewagt-eleganten Bögen, die zu einer überdachten Plattform führen, hatte keine Nutzfunktion. Es wurde lediglich errichtet, um Besuchern einer Regionalausstellung die Möglichkeiten des neuen Materials Beton zu demonstrieren. Ursprünglich für eine Haltbarkeit von drei Monaten konzipiert, wurde es ohne Armierung und Fundamente gebaut. Der geplante Abbau wurde jedoch „vergessen“, und so steht es noch heute. Der Zahn der Zeit hat jedoch daran genagt, sodass es provisorisch mit Holzbalken abgestützt und aus Haftungsgründen abgesperrt ist.
Zu diesem Objekt entwickelte sich eine rege Diskussion unter den Teilnehmern. Sie erkannten einstimmig die hohe denkmalpflegerische Bedeutung dieses frühen Beton-Denkmals und kritisierten dessen desolaten Zustand. Eine unverzügliche und umfassende Sanierung mit nachfolgender gesicherter Erhaltung und Wiederherstellung der Zugänglichkeit wurde einstimmig gefordert. Die ags hat sich daraufhin an die Stadtverwaltung Offenbach gewandt und diese Forderung übermittelt. Sie wird die Umsetzung der Verpflichtung der Stadt als Eigentümerin des Denkmals beobachten.
Dipl.-Ing. Martin Sauder nutzte die Sanierung der Weiher-Brücke in Frankfurt-Höchst als praktisches Beispiel zur Verdeutlichung seines theoretischen Vortrags. Auch hier entstand eine lebhafte Diskussion, die sich weniger auf die Brücke selbst als vielmehr auf die geplanten Geländer beiderseits der Brückenrampen konzentrierte. Die Rampen sind derzeit mit Betonsteinen im Modell „Knochen“ gepflastert, und die Seiten sind mit einfachen „Wasserrohren“ gesichert. Geplant sind Geländer, die an Anfang und Ende in elegante „Schnecken“ auslaufen sollen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass diese Geländerform keinerlei Denkmalbezug aufweist und frei erfunden wurde. Eine derartige „kreative Denkmalpflege“ wurde abgelehnt, zumal historische Fotos belegen, dass die Rampensicherung ursprünglich durch eine Pflanzung, offenbar aus Eiben, erfolgte. Die ags hat sich daher an die Stadtverwaltung Frankfurt gewandt und die übereinstimmende Forderung der Seminarteilnehmer vorgelegt. Sie wird beobachten, ob und auf welche Weise die Stadt Frankfurt ihrer Verpflichtung als Eigentümerin des Denkmals nachkommen wird.
Am Ende des Seminars herrschte die allgemeine Einschätzung, dass die Ziele der ags erreicht worden waren. Die Teilnehmer verließen die Tagung mit einem umfassenden Wissen zum Spezialgebiet der Beton-Gartendenkmalpflege. Die Eigentümer der besprochenen und besichtigten Denkmäler können und müssen davon ausgehen, dass die ihnen anvertrauten Denkmäler der frühen Betonverwendung im Bewusstsein der Fachöffentlichkeit verankert sind, welche die Erfüllung der Verpflichtung zur Denkmalpflege und Denkmalsanierung beobachten wird.
