Forschungsprojekt prüft Einfluss von Höhlungen auf Biomasse und CO₂-Bindung
Ein Forschungsprojekt der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg untersucht die tatsächliche Bedeutung alter, dickstämmiger Bäume für die Kohlenstoffspeicherung in Wäldern. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob bisherige Annahmen zur Biomasseverteilung den Beitrag dieser sogenannten Habitatbäume überschätzen.
Ausgangspunkt ist die verbreitete These, dass rund ein Prozent der größten Bäume etwa 50 Prozent der oberirdischen Biomasse eines Waldes enthalten. Diese Schätzungen basieren jedoch auf Methoden, die mögliche Stammhöhlungen und Zersetzungsprozesse im Inneren alter Bäume nicht berücksichtigen.
Neue Messmethoden im Einsatz
Mit dem Projekt „Habitatbaum“ analysieren die Forschenden den tatsächlichen Biomasseanteil dieser Bäume und leiten daraus den Kohlenstoffvorrat ab. Ergänzend zu klassischen Verfahren kommen schalltomographische Messungen zum Einsatz, die Einblicke in den inneren Zustand der Stämme ermöglichen.
Ziel ist es, bestehende Berechnungsmodelle zu präzisieren, die bislang vor allem auf äußeren Stammmerkmalen basieren. Durch die Kombination verschiedener Messansätze sollen realistischere Bewertungen der Kohlenstoffspeicherung entstehen.
Korrekturfaktoren für genauere Bewertungen
Ein zentrales Ergebnis des Projekts sollen Korrekturfaktoren für Biomasseschätzungen in unterschiedlichen Waldtypen sein. Diese sollen dazu beitragen, den Einfluss von Holzzersetzung und Hohlräumen in alten Bäumen künftig stärker zu berücksichtigen.
Damit könnten bisherige Aussagen über Kohlenstoffvorräte in Wäldern differenzierter bewertet werden, insbesondere im Hinblick auf Klimaschutzstrategien und die Rolle von Alt- und Totholz.
Habitatbäume zwischen Biodiversität und Klimaschutz
Unabhängig von ihrer exakten Speicherleistung gelten Habitatbäume als wichtige Strukturelemente im Wald. Sie bieten Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und sind zentraler Bestandteil von Biodiversitätskonzepten.
Das Projekt untersucht daher auch, wie sich diese ökologischen Funktionen mit Klimaschutzaspekten verbinden lassen. Ziel ist es, Konzepte zu entwickeln, die sowohl den Erhalt der Artenvielfalt als auch eine realistische Bewertung der Kohlenstoffspeicherung ermöglichen.
Gefördert wird das Vorhaben durch den Waldklimafonds der Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
