Die Bedeutung ungenutzter Flächen für die Umwelt
Flächen, die weder zum privaten Garten noch zum öffentlichen Freiraum zählen, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dazu gehören Baumscheiben, Verkehrsinseln, Mittelstreifen, Kreisverkehre oder Begrenzungen von Parkplätzen sowie Geh- und Radwegen. Obwohl sie oft nicht direkt betreten werden, stellen diese sogenannten Restflächen eine Vielzahl kleiner grüner Inseln dar, deren ökologische Leistung in ihrer Gesamtheit erheblich ist. Sie sind ein wichtiger Bestandteil einer grünen Infrastruktur und tragen zur Bewältigung von Herausforderungen wie Klimawandel, Hitzeinseln, Biodiversitätsverlust und Nachhaltigkeit bei.
Grüne Infrastruktur als Antwort auf Umweltfragen
Die Notwendigkeit einer ansprechenden und nachhaltigen Gestaltung dieser Flächen wird immer deutlicher. Während viele private Gartenbesitzer bereits damit beginnen, ehemals geschotterte oder versiegelte Bereiche zu "renaturieren", sind auch Städte und Gemeinden gefordert, ihre Freiflächen ökologisch aufzuwerten. Beispiele für "versteinerte" Vorgärten zeigen, wie wichtig Initiativen wie "Rettet den Vorgarten" des Bundesverbands der Landschaftsgärtner sind, die sich für artenreiche und begrünte Vorgärten einsetzen. Auch Kommunen fördern zunehmend natürliche Bepflanzungen und verweisen auf entsprechende Vorschriften in den Landesbauordnungen.
Die kühlende Wirkung von Pflanzen, insbesondere in heißen Sommernächten, ist bekannt. Bäume, grüne Fassaden oder Dachbegrünungen tragen maßgeblich zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Die Pandemie hat zudem gezeigt, wie wichtig attraktive Freiräume für die Lebensqualität der Menschen sind, insbesondere für jene ohne eigenen Garten, die Erholung in Parks und Wäldern suchen.
Gute Beispiele aus der Praxis
Trotz vielerorts noch immer versiegelter oder mit Schotter "gestalteter" Plätze um öffentliche Gebäude und Geschäfte gibt es positive Entwicklungen. Oft engagieren sich lokale Gartencenter, Landschaftsgärtner, Baumschulen oder Staudengärtner, um Freiflächen zu bepflanzen und damit sowohl einen ökologischen Beitrag zu leisten als auch auf ihre Dienstleistungen aufmerksam zu machen.
Ein bemerkenswertes Beispiel findet sich in Kranenburg am Niederrhein. Dort hat das Unternehmen Stauden Peters die Freiflächen rund um das Rathaus, an Bushaltestellen, Einkaufszentren und in Kreisverkehren mit einer ganzjährig gepflegten Bepflanzung aus Gräsern, Stauden und Zwiebelblumen versehen. Ziel war es, herauszufinden, welche Pflanzenarten sich bei überschaubarem Pflegeaufwand dauerhaft etablieren und dem Stadtbild eine ansprechende Identität verleihen können. Inspiriert von John Greenlee, wurden die Beete so angelegt, dass Gräser fast ganzjährig den Boden bedecken, Unkräuter unterdrücken und nur wenig Schnitt benötigen. In Kombination mit Stauden und Zwiebelblühern entsteht so ein naturnahes und gepflegtes Erscheinungsbild.
Dieser Ansatz wurde auch in Kleve aufgegriffen, wo der Platz um das Rathaus mit Unterstützung des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung dauerhaft mit Stauden und Gräsern bepflanzt wurde. Solche Projekte entsprechen dem Wunsch der Bürger nach gepflegten, artenreichen Freiräumen, die Insekten anlocken und zum Verweilen einladen. Sie tragen zur Identifikation mit dem Gemeinwesen bei und werten den Stadtraum auf.
Kreisverkehre als grüne Landmarken
Kreisverkehre sind nicht nur eine effiziente Lösung zur Verkehrsregelung, die Ampeln einspart, den Verkehrsfluss verbessert und die Unfallzahlen reduziert. Sie verursachen auch weniger Flächenversiegelung als gleich leistungsfähige Kreuzungen. In Kranenburg wurden die Kreisverkehre mit heimischen Gräsern bepflanzt. Diese Gestaltung erhöht die Verkehrssicherheit, da sie keine Fußgänger anzieht, und macht die Kreisel zu sympathischen Landmarken. Die trockenverträglichen Gräser entfalten ihre volle Wirkung im Herbst und Winter und bieten auch in ihrer Wintersilhouette einen reizvollen Anblick. Die relativ niedrige Wuchshöhe der Gräser trägt zudem den Sicherheitsanforderungen Rechnung.
