Meilenstein für den globalen Waldschutz
Die EU-Mitgliedstaaten haben eine Verordnung zur Reduzierung der weltweiten Entwaldung auf den Weg gebracht. Diese Initiative zielt darauf ab, die globale Entwaldung einzudämmen und nachhaltige Lieferketten zu fördern.
Die Verordnung legt fest, dass Rohstoffe und Produkte nur dann auf dem EU-Markt angeboten werden dürfen, wenn sie nachweislich entwaldungs- und waldschädigungsfrei sind. Zudem müssen sie im Einklang mit den Gesetzen des Ursprungslandes produziert worden sein. Der Geltungsbereich umfasst Soja, Palmöl, Rinder, Kaffee, Kakao, Kautschuk und Holz. Auch Produkte, die diese Rohstoffe enthalten oder daraus hergestellt wurden, fallen unter die Regelung.
Wälder sind unsere natürlichen Klimaanlagen. Sie spenden Tieren und Pflanzen einen wichtigen Lebensraum. Und sie geben uns Menschen Holz und einen Ort zum Erholen. Egal ob hier oder anderswo, Waldschutz ist überlebenswichtig. Die Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten ist deshalb ein echter Meilenstein in Sachen Waldschutz, und zwar weltweit. Für die Menschen vor Ort sind die Wälder oftmals nicht nur ihre Heimat, sondern bieten auch Einkommensperspektiven und sichern Ernährung.
Dies erklärte Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Er betonte die Notwendigkeit, die Auswirkungen des Konsums auf die Wälder zu reduzieren und Lieferketten entwaldungsfrei zu gestalten. Dies sei ein wichtiger Baustein für eine weltweite nachhaltige Landwirtschaft.
Wir können es uns nicht leisten, dass für unseren Konsum anderswo auf der Welt weiterhin Wälder gerodet oder geschädigt werden. Lieferketten entwaldungsfrei zu machen, das ist ein wichtiger Baustein für eine weltweite nachhaltige Landwirtschaft. Wir hatten uns das deshalb auch im Koalitionsvertrag vorgenommen und in Brüssel sogar auf ein höheres Ambitionsniveau gedrängt, als jetzt festgelegt wurde. Entscheidend ist aber, dass wir in Europa jetzt einen wichtigen Schritt gehen, mit dem wir der Entwaldung nach und nach einen Riegel vorschieben. Mit der Anti-Entwaldungsverordnung kann es uns gelingen, die schädlichen Auswirkungen unseres Konsums auf die Wälder der Welt drastisch zu verringern.
Nach der Annahme durch die EU-Mitgliedstaaten liegt die Verordnung nun beim Europäischen Parlament. Ein Inkrafttreten wird für Mitte 2023 erwartet.
Hintergrund und Umsetzung der neuen EU-Regeln
Wälder spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Klimakrise, den Verlust der Biodiversität und zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen. In von Entwaldung betroffenen Regionen, insbesondere in den Tropen, gehen Entwicklungsperspektiven sowie die Rohstoff- und Einkommensfunktion der Wälder verloren. Dies betrifft indigene und lokale Gemeinschaften, was Armut, Hunger und Migration verstärken kann.
Laut der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind bis zu 90 Prozent der Entwaldung auf nicht-nachhaltige landwirtschaftliche Nutzungen zurückzuführen, einschließlich der Anlage von Baumplantagen. Mit dem Ansatz entwaldungs- und waldschädigungsfreier Agrarlieferketten will die EU der konsumseitig angetriebenen Entwaldung entgegenwirken.
Die Verordnung baut auf der EU-Holzhandelsverordnung auf und sieht unternehmerische Sorgfaltspflichten für das Inverkehrbringen und Exportieren bestimmter Rohstoffe und Produkte vor. Unternehmen und Händler müssen in einem Sorgfaltspflichten-Statement bestätigen, dass ihre Lieferketten bezüglich der genannten Rohstoffe und Produkte entwaldungsfrei sind und unter Einhaltung relevanter Gesetzgebung produziert wurden. Dies bedeutet, dass die Rohstoffe nicht auf Flächen produziert wurden, auf denen seit 2020 Entwaldung oder Waldschädigung stattgefunden hat. Die Einhaltung der neuen Regeln wird von den Mitgliedstaaten kontrolliert.
Zur Förderung entwaldungsfreier Lieferketten hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das nationale Stakeholderforum für entwaldungsfreie Lieferketten initiiert. Dieses Forum soll in der Übergangszeit bis zum Inkrafttreten der EU-Verordnung eine zentrale Rolle für den Austausch über die nationale Umsetzung spielen.
