Naturschutz, Pflege

Artenschutz in der Baumpflege: Integration von Naturschutz und Fachwissen

Ein neuer Lehrgang der Nürnberger Schule schließt Informationslücken im Spannungsfeld zwischen Artenschutz und fachgerechter Baumpflege. Er vermittelt Handlungssicherheit im Umgang mit dem gesetzlichen Artenschutz und schafft Verständnis für Lebensräume am Baum.

Hintergrund und Ziele des Lehrgangs

Die Integration artenschutzrelevanter Belange gewinnt für Baumpfleger und Baumkontrolleure zunehmend an Bedeutung. Sie sind oft die Ersten, die Habitatstrukturen an Bäumen erkennen und dokumentieren. Dies erfordert ein fachgerechtes Handeln im Sinne des Natur- und Artenschutzes. Ein neuer Lehrgang der Nürnberger Schule zielt darauf ab, Informationslücken im Spannungsfeld zwischen Artenschutz und fachgerechter Baumpflege zu schließen und Handlungssicherheit im Umgang mit dem gesetzlichen Artenschutz zu vermitteln.

Grundlage des Kurses bilden die aktuellen artenschutzrechtlichen Anforderungen, insbesondere das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Gemäß § 44 BNatSchG ist die Beschädigung und Zerstörung aktueller oder regelmäßig genutzter Fortpflanzungs- und Ruhestätten wild lebender Tiere besonders geschützter Arten verboten. Hierzu zählen nahezu alle heimischen Säugetiere, alle Fledermausarten, bestimmte Holzinsekten sowie sämtliche europäische Vogelarten. Der Lehrgang soll ein Verständnis für die verschiedenen Lebensräume am Baum schaffen.

Somit bringen Baumpfleger das Fachwissen aus dem Baumbereich in den Naturschutz und umgekehrt.

Habitatstrukturen können im gesamten Baumumfeld vorkommen, von Nestern in Baumkronen über Spechthöhlen bis hin zu Stammrissen. Abstehende Borkenplatten bieten beispielsweise Quartiere für kleine Fledermausarten. Der Kurs wurde in Zusammenarbeit mit Biologen aus den Fachgebieten Vogelkunde, Fledermäuse, Säugetiere sowie Käfer und Insekten entwickelt.

Die Teilnehmer absolvierten neben einer schriftlichen auch eine praktische Prüfung. Ziel war die Erstellung einer Maßnahmenempfehlung zum Umgang mit Habitatstrukturen. Die Prüfung wurde von fachkundigen Supervisoren aus dem Bereich Naturschutz begleitet. 20 Teilnehmer schlossen den Lehrgang als „Geprüfter Sachkundiger für Baum-Habitatstrukturen“ ab.

Wir wollen auf keinen Fall spezielle Biologen ausbilden oder diese ersetzen. Letztendlich geht es darum das Bewusstsein für Habitatstrukturen zu stärken. Unser Ziel ist der integrative Ansatz, also die Verbindung von Artenvielfalt, Naturschutz und fachgerechte Pflegemaßnahmen.

20.10.2014

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