Veranstaltungsreihe zur Charta „Zukunft Stadt und Grün“ gestartet
Die vom Bundesverband für den Garten- und Landschaftsbau (BGL) e.V. und der Stiftung DIE GRÜNE STADT initiierte Charta „Zukunft Stadt und Grün“ wird von einem breiten Bündnis aus Verbänden, Stiftungen und Unternehmen getragen. Seit ihrer Veröffentlichung im Januar 2014 und der anschließenden Präsentation im Umweltministerium mit Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks haben sich weitere Unterzeichner angeschlossen.
Ziel der Charta ist es, einen Diskurs über integrierte grüne Stadtentwicklung in der Öffentlichkeit zu etablieren und die Debatte auf lokaler Ebene zu führen. Eine neue Veranstaltungsreihe, die 2014 in voraussichtlich zehn Städten stattfindet, dient diesem Zweck.
Auftakt auf der Landesgartenschau in Gießen
Die Auftaktveranstaltung der Tournee fand am 5. Juli 2014 im Rahmen des Sommerfestes der Grünen Verbände auf der Landesgartenschau in Gießen statt. Jens Heger, Präsident des FGL Hessen-Thüringen, begrüßte das Fachpublikum.
Mit der Präsentation und Diskussion der Charta `Zukunft Stadt und Grün` im Rahmen des diesjährigen Sommerfestes wollen wir unseren Betrieben Argumente an die Hand geben, die sie in den Gesprächen mit öffentlichen Auftraggebern nutzen können und auch dazu beitragen, das Bewusstsein für den Wert von Grün in der Öffentlichkeit weiter zu stärken.
Eiko Leitsch, Vorsitzender des Ausschusses Stadtentwicklung des BGL und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung DIE GRÜNE STADT, stellte die Kernaussagen der Charta vor.
Die Politik weiß zwar um die Bedeutung einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Diese wird jedoch viel zu einseitig diskutiert und oft auf technische Lösungen reduziert.
Ein Anliegen der Charta sei es, den vielfältigen Nutzen von urbanem Grün hervorzuheben. Stadtgrün biete einen ökologischen, ökonomischen und sozialen Mehrwert. Die Podiumsdiskussion wurde von Gießens Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich eröffnet, die den Wert von Grün als integrierten Bestandteil der Stadtentwicklung betonte. Gießen müsse als wachsende Stadt den Wunsch der Bürger nach Freiraum und Grünraum erfüllen, um attraktiv zu bleiben.
Stefan Heldmann, Gartenamtsleiter von Frankfurt und Vertreter der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK), sowie Stefan Kettlitz, Vorsitzender des bdla Hessen und Repräsentant des Bundesverbandes deutscher Landschaftsarchitekten (bdla), erläuterten die Motive für das Engagement in der Charta-Initiative aus Planersicht. Professor Klaus Werk von der Hochschule Geisenheim unterstrich die Notwendigkeit verstärkter Forschung und eines intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausches zur grünen Stadtentwicklung.
Forum auf der Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd
Am 17. Juli 2014 nahmen über 70 Vertreter von Kommunen, Architekten und Landschaftsplanern an einer Vortragsveranstaltung mit Podiumsdiskussion im Himmelreich der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd teil. Oberbürgermeister Richard Arnold hielt ein Plädoyer für grüne Stadtentwicklung. Die Landesgartenschau und die damit verbundenen Infrastrukturmaßnahmen hätten bereits eine grundlegende und nachhaltige Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt bewirkt.
Reiner Bierig, Geschäftsführer des Verbandes für den Garten- und Landschaftsbau Baden-Württemberg e.V. und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung DIE GRÜNE STADT, betonte den Wert von Grün für die Zukunft der Städte. Grünplanung und -pflege müssten als integrierte Teile der Stadtentwicklung auf Augenhöhe mit anderen Themen der städtischen Infrastruktur betrachtet werden. Landschaftsarchitekt Christof Luz aus Stuttgart sprach als Planer und Vertreter des bdla.
Er wies auf die Notwendigkeit einer Neujustierung von Infrastruktur und Ingenieurbau hin. Nur durch die Einbeziehung gesellschaftlicher Entwicklungen wie Demografie und Freizeitverhalten entstünden akzeptierte und genutzte öffentliche Räume. Eine enge Kooperation der unterschiedlichen Disziplinen und Interessen sei geboten, um Planungsfehler zu vermeiden. Dr. Andre Baumann, hauptamtlicher Landesvorsitzender des NABU Baden-Württemberg und Mitglied des Vorstands der NABU-Stiftung Naturerbe Baden-Württemberg, hob die Gemeinsamkeiten hervor.
Ziel sei es, Menschen Naturerfahrung im direkten Lebensumfeld zu ermöglichen und die Artenvielfalt in Städten zu erhalten und zu fördern. Dabei gehe es nicht darum, öffentlichen Raum verkommen zu lassen oder Einsparungen im Pflegehaushalt zu rechtfertigen, sondern gezielt Rückzugsräume für wildlebende Insekten und Tiere zu schaffen. Der Garten- und Landschaftsbau-Unternehmer Stefan Arnold aus Leinfelden-Echterdingen, Mitglied des BGL-Ausschusses Stadtentwicklung, appellierte an die Verantwortlichen in Städten und Kommunen:
Grünflächen brauchen eine Pflege, die auf Art und Intensität der Nutzung angepasst ist - und dazu ist Sach- und Fachkenntnis die erste Voraussetzung!
Nicole Preussner, Leiterin der Abteilung Grünflächen und Ökologie der Stadt Ludwigsburg, fokussierte auf den sozialen Wert des öffentlichen Grüns und zeigte Wege auf, wie Kommunen Bürger und lokale Wirtschaft einbeziehen können. Regelmäßige und intensive Kommunikation sei wichtig, um bei Bürgern Interesse und Bewusstsein für Grün zu wecken. Preussner ist überzeugt, dass Emotionen der Schlüssel zu Engagement sind.
Engagiertes Bündnis Grün Bremen
Am 22. Juli 2014 stand die Charta „Zukunft Stadt und Grün“ im Mittelpunkt einer Veranstaltung in den Räumen der „botanica GmbH“ im Bürgerpark in Bremen. Rainer Kavermann, Mitglied im Ausschuss Stadtentwicklung des BGL, begrüßte die Teilnehmer. Peter Menke, Vorstand der Stiftung DIE GRÜNE STADT, stellte die Charta vor und betonte, dass die darin definierten Wirkungs- und Handlungsfelder erst durch lokale Interpretation mit Leben gefüllt werden.
Ulf Jacob, Sprecher des Bündnisses „Grünes Bremen“, stellte mögliche Eckpunkte einer Grünstrategie für Bremen vor. Es sei notwendig, Kräfte zu bündeln, Synergien zu erschließen, neue Strategien zu entwickeln und aufzuzeigen, wie sich öffentliche, private und semiprivate Freiräume und Grünflächen in die Gesamtentwicklung der Stadt einfügen. Dem zuständigen Umweltbetrieb in Bremen müsse mehr eigenverantwortliche Steuerung und strategische Freiräume für Planung, Entwicklung und Pflege des Stadtgrüns zugestanden werden, so die Position des Bündnisses „Grünes Bremen“.
Grün- und Freiräume klima- und sozialgerecht weiterzuentwickeln, seien trotz finanzieller Engpässe Kernthemen jeder zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Grün in der Stadt fördere die Gesundheit, die Artenvielfalt, reduziere die Feinstaubbelastung, mildere die Folgen des Klimawandels und übernehme wichtige soziale Funktionen. Eine gute Grünentwicklung sei daher auch ein soziales, kulturelles und standortpolitisches Projekt der Stadt, so Jacob. Heiner Baumgarten sprach als Vertreter der Ständigen Konferenz der Gartenamtsleiter (GALK) beim Deutschen Städtetag.
Grün dürfe keine freiwillige Aufgabe sein; notwendig sei eine breite gesellschaftliche Allianz zur Sicherung von Lebensqualität in Städten, insbesondere vor dem Hintergrund der Folgen des Klimawandels. Er beklagte die permanente Reorganisation von Grünflächenämtern, die zu Wissens-, Kompetenz- und Datenverlusten führe. Statt einer weiteren Aufsplitterung sei eine Bündelung der Zuständigkeiten für Grün notwendig. Die Charta sei eine gute Basis für neue Allianzen zur Stadtentwicklung. In der Podiumsdiskussion stellten Vertreter der Landespolitik und Grünverwaltung, darunter Dr. Maike Schäfer, umweltpolitische Sprecherin der Bürgerschaftsfraktion „Bündnis 90/Die Grünen“, Arno Gottschalk, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, sowie der Geschäftsführer des Umweltbetriebs Bremen, Dr. Georg Grunwald, ihre Sicht auf die lokale Situation vor und beantworteten Fragen.
Gemeinsam für grüne Stadtentwicklung
Bei allen Veranstaltungen bestand Konsens hinsichtlich der Kernaussagen der Charta „Zukunft Stadt und Grün“: Öffentliche Grünflächen wie Parks, Straßenbegleitgrün, Friedhöfe sowie private Gärten oder Dach- und Fassadenbegrünung tragen wesentlich zur nachhaltigen Stadtentwicklung bei. Je nach Ausführung und Nutzung stehen bei der Bewertung von Grünflächen in Städten ökologische, wirtschaftliche oder soziale Aspekte im Vordergrund. Die Charta ermöglicht es jedem, in einem oder mehreren der acht Wirkungs- und Handlungsfelder aktiv zu werden.
Es gibt keinen Königsweg für alle Städte und Gemeinden. Wenn es jedoch gelingt, auf lokaler Ebene die Beteiligten zusammenzubringen und auf Augenhöhe miteinander zu sprechen, kann grüne Stadtentwicklung ein Lösungsweg für viele Kommunen sein.
