Tagung diskutiert Strategien zur Nachwuchsgewinnung und Ausbildungsqualität im GaLaBau
Unter dem Motto „Ausbildung schafft Zukunft. Die Gewinnung und Bindung von Fachkräften wird immer wichtiger“ trafen sich Anfang Juli Ausbildungsbetriebe, Berufsschullehrer und Vertreter der zuständigen Stellen zur Ausbilderfachtagung des Verbandes GaLaBau Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Zukunft der Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau, die Gewinnung qualifizierter Nachwuchskräfte sowie die Anforderungen an moderne Ausbildungsbetriebe.
Fachkräftesicherung wird zur zentralen Herausforderung
Martin Joos, Vorstand und Vorsitzender des Ausbildungsausschusses des Verbandes, betonte die wachsende Bedeutung qualifizierter Ausbildung für die Zukunft der Branche. Bereits heute seien Fachkräfte knapp, während gleichzeitig die Zahl der Schulabgänger perspektivisch sinke.
„Nutzen Sie die Angebote des Verbandes in Sachen Nachwuchswerbung – ohne PR geht es nicht!“
Als zusätzliche Herausforderungen nannte Joos die Konkurrenz anderer Ausbildungsberufe, sinkende Natur- und Gartenerfahrung vieler Jugendlicher sowie Defizite bei der Ausbildungsreife.
Auch Ministerialrat Wolfgang Arnoldt vom Ministerium Ländlicher Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg hob die Bedeutung beruflicher Bildung hervor. Trotz eines allgemeinen Trends zu höheren Schulabschlüssen stelle der Garten- und Landschaftsbau weiterhin den größten Anteil der Auszubildenden innerhalb der grünen Berufe.
Attraktive Ausbildungsbetriebe gefragt
Dr. Frauke Bastians präsentierte Ergebnisse verschiedener Studien zur Ausbildungsqualität und Arbeitgeberattraktivität. Entscheidend für die Gewinnung geeigneter Auszubildender seien neben professioneller Nachwuchswerbung vor allem Wertschätzung, klare Strukturen und eine qualitativ hochwertige Ausbildung.
Als wichtige Faktoren nannten die Untersuchungen unter anderem:
- klare Zuständigkeiten und regelmäßiges Feedback
- kompetente Ausbilder und Berufsschullehrer
- gutes Betriebsklima und respektvoller Umgang
- selbstständiges Lernen und praxisnahe Aufgaben
Auszubildende kritisierten laut den vorgestellten Studien unter anderem fehlendes Lob, unklare Verantwortlichkeiten sowie zu wenig Zeit zum Üben und eigenständigen Arbeiten.
Schweizer Ausbildungssystem als Vergleich
Mit Beat Suter vom Schweizer Unternehmerverband „Jardin Suisse“ blickte die Tagung auch über die Landesgrenzen hinaus. Vorgestellt wurde das neue Schweizer Ausbildungssystem für Gärtnerberufe, das künftig stärker zwischen Produktion und Garten- und Landschaftsbau differenziert.
Besonderes Interesse fanden die praxisnahen Elemente der Schweizer Ausbildung, darunter reale Kundenprojekte als Bestandteil der Abschlussprüfung sowie die stärkere Einbindung von Betrieben in die überbetriebliche Ausbildung.
In Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer anschließend Themen wie aktivierendes Lernen, Strukturierung der Ausbildung und die Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Berufsschule.
Umgang mit veränderten Anforderungen bei Auszubildenden
Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung war der Umgang mit Jugendlichen, die nach Einschätzung vieler Ausbildungsbetriebe Defizite bei Motivation, Sozialkompetenz oder Durchhaltevermögen zeigen.
Dr. Frauke Bastians erläuterte dazu aktuelle entwicklungspsychologische Ansätze und verwies auf die wachsenden Anforderungen an Ausbilder. Diese seien heute nicht nur Fachkräfte und Vorbilder, sondern zunehmend auch Motivatoren, Lehrer und Konfliktmanager.
Empfohlen wurden eine enge, beziehungsorientierte Führung, klare Regeln sowie eine intensive Zusammenarbeit mit Berufsschulen und Eltern. Gleichzeitig sollten Betriebe bereits bei der Auswahl der Auszubildenden verstärkt auf Praktika und Berufseignungstests setzen.
Austauschplattform für die Branche
Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einer Fachführung über die Landesgartenschau Villingen-Schwenningen. Die Tagung bot den Teilnehmern zahlreiche Anregungen zur Weiterentwicklung der Ausbildung sowie Gelegenheit zum intensiven Erfahrungsaustausch.
„Wer nicht in die Ausbildung investiert, riskiert auch seine eigene betriebliche Zukunft.“
Mit diesem Fazit unterstrich Martin Joos die Bedeutung langfristiger Investitionen in die Nachwuchssicherung der Branche.
