Fachtagung beleuchtet Baumschutz, Baumpflege und Recht im urbanen Raum
Am 9. Juli 2024 trafen sich mehr als 160 Fachleute aus öffentlichen Verwaltungen und der Praxis zum 2. Bad Boller Baumtag in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Bäume im Siedlungsbereich“ und widmete sich aktuellen Herausforderungen und Lösungsansätzen rund um den Erhalt und die Pflege von Bäumen im urbanen Raum. Organisiert wurde die Tagung vom öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen Peter Klug.
Den Auftakt der Veranstaltung übernahm Bad Bolls Bürgermeister Hans-Rudi Bührle. Er unterstrich die Bedeutung des Baumschutzes im kommunalen Umfeld und stellte ein Beispiel aus der Gemeinde vor, bei dem eine Silberpappel dank des Engagements einer Bürgerinitiative erhalten werden konnte. Gleichzeitig würdigte er die Evangelische Akademie als etablierten Tagungsort für Fachveranstaltungen.
Überlebensstrategien von Bäumen
Peter Klug eröffnete die fachliche Vortragsreihe mit einem Beitrag über die Überlebensstrategien von Bäumen. Dabei zeigte er auf, wie Bäume auf Schäden reagieren und welche biologischen Mechanismen ihnen helfen, trotz Belastungen weiterzuwachsen. Für die Praxis der Baumpflege sei entscheidend, die jeweilige Entwicklungsphase eines Baumes zu berücksichtigen.
Auch bei Baumkontrollen sollten Fachleute nicht ausschließlich auf Schäden achten. Ebenso wichtig sei es, die positiven Eigenschaften und Stabilitätsfaktoren eines Baumes in die Bewertung einzubeziehen.
Digitale Lösungen und rechtliche Rahmenbedingungen
Moritz Wurm, Geschäftsführer von INOVAGIS, stellte anschließend die cloudbasierte Baummanagementsoftware Arbonet vor. Moderne Cloud-Lösungen ermöglichen eine orts- und zeitunabhängige Verwaltung von Baumdaten und unterstützen Kommunen sowie Dienstleister bei der Dokumentation von Kontrollen und Maßnahmen.
Dr. Cedric Vornholt von der FPS Rechtsanwaltsgesellschaft gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im Baumschutzrecht. Anhand verschiedener Gerichtsfälle zeigte er, dass subjektive Gründe keine ausreichende Grundlage für Baumfällungen darstellen. Gleichzeitig verwies er auf die Bedeutung kommunaler Bauvorschriften für den Schutz von Bäumen im Siedlungsraum.
Praxisbeispiele aus Baustellen- und Baumsicherung
Im Anschluss rückte der praktische Baumschutz auf Baustellen in den Mittelpunkt. Stefan Weiß von der Stadtverwaltung Ulm und Martin Holzheuer, zertifizierter Sachverständiger für Umweltbaubegleitung, erläuterten Maßnahmen zur Sicherung von Bäumen während Bauarbeiten. Anhand konkreter Beispiele aus Ulm zeigten sie, wie Schutzmaßnahmen in der Praxis umgesetzt werden können.
Nach der Mittagspause ging Peter Klug auf unterschiedliche Vergabelungsformen von Bäumen ein, etwa V- und U-Zwiesel, und erläuterte deren mögliches Schadenspotenzial. Ulrich Otto ergänzte diesen Themenbereich mit einem Überblick über verschiedene Systeme zur Baumsicherung. Dabei stellte er sowohl dynamische als auch statische Kronensicherungen vor und erläuterte typische Arbeitsabläufe von der Auftragserteilung bis zur Installation.
Einblicke in Pilzbefall und Naturdenkmale
Einen wissenschaftlichen Exkurs bot Dr. Martina Rehnert von der Universität Stuttgart mit ihrem Vortrag über den holzzersetzenden Pilz Hallimasch. Sie erläuterte verschiedene Arten des Pilzes, deren Eigenschaften sowie praktische Hinweise für den Umgang mit befallenen Bäumen.
Martina Lewald-Brudi schloss die Tagung mit einem Vortrag über die Pflege von Naturdenkmalen im Landkreis Miesbach ab. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte sie, wie sich die Betreuung dieser besonderen Bäume im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entwickelt hat und welche Maßnahmen zu ihrem langfristigen Erhalt beitragen.
Zum Abschluss stellte Peter Klug die Grenzen des Baumerhalts anhand stark geschädigter Baumveteranen dar und verdeutlichte, unter welchen Bedingungen eine Erhaltung noch möglich ist.
Die Inhalte der Veranstaltung sind im Tagungsband zusammengefasst:
Bäume im Siedlungsbereich – 2. Bad Boller Baumtag
124 Seiten
ISBN 978-3-934947-53-5
Preis: 16 Euro


