Anpassungsfähiger Baum des Jahres: Verbreitung und Standortansprüche
Die Mehlbeere ist in West-, Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und Kleinasien bis zum Kaukasus verbreitet. Sie gedeiht an den meisten Standorten, bevorzugt jedoch offene, trockene und sonnige Lagen wie Heiden, Magerwiesen, Trockenrasen und felsige Flächen. Sie eignet sich für Parkanlagen in Städten, Gärten und offene Landschaften. Ihre Empfindlichkeit gegenüber Streusalz und Feuer ist zu beachten.
Wuchsform und Alter
Die Mehlbeere wächst als kleiner, sommergrüner Baum, der bis zu 15 Meter hoch und 200 Jahre alt werden kann. Sie tritt oft mehrstämmig auf oder entwickelt sich als Strauch mit einer rundlichen Krone. Ihr Herzwurzelsystem ist tiefreichend.
Blätter und Blüten
Ab Mitte März entfalten sich die silbergrau behaarten Knospen. Die gestielten, längsovalen Blätter sind in Größe und Form variabel, ungleichmäßig gezähnt und besitzen acht bis vierzehn Nervenpaare. Die Oberseite der Blätter ist glänzend sattgrün, die Unterseite weißsilbrig behaart. Die Blütezeit beginnt Mitte Mai mit angenehm duftenden, schirmrispigen Blütenständen, den sogenannten Schein- oder Trugdolden. Die cremeweißen Blüten haben fünf Kronblätter und zahlreiche Staubblätter. Die Fortpflanzung erfolgt insektenbestäubt oder apomiktisch.
Früchte und Herbstfärbung
Ab August reifen die ei-rundlichen, bis zu 1,5 cm großen Früchte, die im September und Oktober ihre orange-rote Farbe annehmen. Gleichzeitig färben sich die Blätter von Gelb über Orange bis zu Rot und Goldbraun. Die Mehlbeere dient im Frühjahr als Insektennährgehölz, insbesondere als Bienenweide, und ab Herbst als Nahrungsquelle für Vögel und Kleinsäuger. Die apfelähnlichen Früchte schmecken süßlich und können roh verzehrt werden.
Inhaltsstoffe und Verwendung
Die Früchte enthalten Vitamin C, Provitamin A, Zucker sowie Sorbin-, Apfel- und Zitronensäure. Nach Frosteinwirkung werden die mehlig-faden Früchte weich, süß und genießbar. Sie werden zu Saft, Marmelade, Gelee, Schnaps und Essig verarbeitet. Das Holz der Mehlbeere mit seiner schönen Maserung findet Verwendung in Drechsler- und Tischlerarbeiten.
Namensherkunft und Systematik
Der Name "Mehlbeere" leitet sich wahrscheinlich von der früheren Verwendung der Früchte ab, die in Notzeiten zu Mehl verarbeitet wurden, um "Hutzelbrot" zu backen. Auch die weißfilzig-behaarten Blattunterseiten erinnern an einen mehligen Überzug. Der Gattungsname Sorbus ist lateinisch, die Artbezeichnung aria stammt vermutlich von der historischen Landschaft Aria. Die Mehlbeere gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie wurde von dem Botaniker Linné benannt und von dem Arzt und Botaniker Crantz detailliert beschrieben.
