Fachverband fordert Fortsetzung der abgestimmten Uferplanung in Kreuzberg
Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) Berlin/Brandenburg spricht sich klar gegen den Vorschlag zum Bürgerentscheid am Fraenkelufer in Berlin-Kreuzberg aus. Ziel ist es, die bereits begonnene Aufwertung des Uferbereichs fortzuführen und den bestehenden Planungsprozess nicht zu unterbrechen. Der Verband fordert die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger auf, beim Entscheid mit Nein zu stimmen.
Im Fokus steht die Weiterentwicklung des Fraenkelufers entlang des Landwehrkanals, die aus Sicht des bdla auf einem umfassenden und fachlich fundierten Beteiligungsverfahren basiert. Die bisherige Planung soll konsequent umgesetzt werden, um bestehende Defizite im öffentlichen Raum nachhaltig zu beheben.
Langjähriger Beteiligungsprozess als Grundlage
Zwischen März 2013 und März 2015 wurden insgesamt neun öffentliche Veranstaltungen durchgeführt, darunter Informationsabende, Planungswerkstätten und Ausstellungen. Diese Formate ermöglichten eine breite Beteiligung und intensive Diskussion über die zukünftige Gestaltung des Uferbereichs.
Ergänzend dazu fand ein landschaftsplanerisches Entwurfsverfahren mit fünf Büros statt. Die erarbeiteten Konzepte wurden öffentlich vorgestellt und diskutiert. Teile der Planung sind bereits im ersten Bauabschnitt am Urbanhafen umgesetzt worden.
Praxisgerechte Lösungen im ersten Bauabschnitt
Im ersten Bauabschnitt konnte das beauftragte Büro Hanke + Partner verschiedene Anforderungen erfolgreich zusammenführen. Dazu zählen unter anderem die denkmalgerechte Gestaltung, die Entschärfung von Nutzungskonflikten sowie die Verbesserung der Aufenthaltsqualität.
- Trennung von Rad- und Fußverkehr
- Abbau von Barrieren entlang der Promenade
- Aufwertung der Aufenthaltsbereiche
Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Nutzung des öffentlichen Raums für unterschiedliche Nutzergruppen zu verbessern und Konflikte nachhaltig zu reduzieren.
Kritik am Bürgerentscheid
Der bdla bewertet den aktuellen Bürgerentscheid kritisch, da er einen bereits weit fortgeschrittenen Planungsprozess infrage stellt. Insbesondere wird bemängelt, dass einzelne Interessengruppen versuchen, über den Entscheid Einfluss zu nehmen, obwohl sie sich im bisherigen Verfahren nicht durchsetzen konnten.
„Die Planungsbeteiligten, die jahrelang mit hohem fachlichen Engagement an der Verbesserung des öffentlichen Raumes gearbeitet haben, aber auch die Berlinerinnen und Berliner und ihre Gäste haben ein Anrecht darauf, dass diese den Rad- und Fußgängerverkehr am Landwehrkanal enorm aufwertende Maßnahme auch tatsächlich umgesetzt wird.“
Der Verband betont, dass die bestehenden Planungen auf die gestiegenen Anforderungen, insbesondere durch den zunehmenden Radverkehr, reagieren. Die ursprüngliche Gestaltung aus den 1980er-Jahren wird diesen Anforderungen nicht mehr gerecht.
Plädoyer für strukturierte Planungsverfahren
Aus Sicht des bdla sollten Beteiligungsprozesse klar strukturiert sein und auf bewährten Instrumenten der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung aufbauen. Offene Beteiligungsformate seien sinnvoll zu Beginn eines Projekts, müssten jedoch im weiteren Verlauf durch konkrete Planungsinstrumente ergänzt werden.
Dazu zählen insbesondere städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerbe, die unterschiedliche Lösungsansätze sichtbar machen und zu tragfähigen Ergebnissen führen. Nur so lassen sich begrenzte Ressourcen effizient einsetzen und konsensfähige Lösungen entwickeln.
Mit einem Nein beim Bürgerentscheid sieht der bdla die Chance, die begonnene Aufwertung des Fraenkelufers fortzuführen und langfristig die Qualität des öffentlichen Raums im Sinne moderner Garten- und Landschaftsbau-Konzepte zu sichern.
