Hohenheimer Zuchtbox: Effektivere Schädlingsbekämpfung im Getreidelager

Allgemeines

Tierökologen der Universität Hohenheim haben eine Zuchtbox entwickelt, um die biologische Schädlingsbekämpfung im Getreidelager zu optimieren. Die Box ermöglicht es Lagererzwespen, direkt vor Ort heranzuwachsen und Kornkäfer effektiver zu bekämpfen.

Innovative Lösung für den biologischen Pflanzenschutz

Die Lagererzwespe, ein kaum einen Millimeter großes Insekt, dient als ökologischer Schädlingsbekämpfer gegen den Kornkäfer. Bislang wird sie in Versandpaketen an Landwirte geliefert, wodurch ihre Wirksamkeit bis zur Ankunft auf den Höfen beeinträchtigt sein kann. Tierökologen der Universität Hohenheim haben daher die Hohenheimer Zuchtbox entwickelt, um die Effizienz dieser biologischen Schädlingsbekämpfung zu steigern. Die Zuchtbox ermöglicht es den Wespen, direkt im Getreidelager heranzuwachsen und frisch in den Kampf gegen den Kornkäfer zu ziehen.

Der Kornkäfer kann erhebliche Schäden in Getreidelagern verursachen und im schlimmsten Fall zu einem Totalausfall der Ernte führen. Besonders für ökologisch wirtschaftende Landwirte, die keine chemischen Mittel einsetzen dürfen, stellt der Kornkäfer eine große Herausforderung dar. Die Lagererzwespe bietet hier eine biologische Alternative.

Die Wespe sticht die Schale eines Weizenkorns, in dem sich die Kornkäferlarve befindet, an und legt ihre Eier auf der Larve ab. Dies führt zum Absterben des Schädlings. Für Menschen ist die Lagererzwespe ungefährlich, und auch das Ökosystem wird durch den Nützling nicht beeinträchtigt, da die Wespen ohne Beute absterben.

Herausforderungen beim Versand der Lagererzwespe

Bisherige Methoden zur Bereitstellung der Lagererzwespe umfassen den Versand durch spezialisierte Händler. Dieser Prozess kann jedoch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit altert die Lagererzwespe und erreicht das Getreidelager möglicherweise nicht mehr mit voller Kraft. Zudem ist eine einmalige Lieferung oft nicht ausreichend, um den Kornkäfer dauerhaft zu eliminieren, weshalb Händler mehrere Freilassungen pro Jahr empfehlen.

Die Hohenheimer Zuchtbox als Lösung

Die Hohenheimer Zuchtbox wurde entwickelt, um diese Nachteile zu überwinden. Der Prototyp, ein durchsichtiges Plastikgefäß, enthält Schwarzaugenbohnen. In diesen Bohnen nisten sich Bohnenkäferlarven ein, auf denen die Lagererzwespe ihre Eier ablegen und sich vermehren kann.

„Die Zuchtbox würde natürlich auch mit den Larven des Kornkäfers funktionieren. Aber: Viele Landwirte haben ein ungutes Gefühl wenn wir ihnen eine Zuchtbox ins Getreidelager stellen mit genau dem Schädling drin, den sie loshaben wollen“, erklärt Prof. Dr. Johannes Steidle, Leiter des Fachgebiets Tierökologie an der Universität Hohenheim.

Ausgewachsene Lagererzwespen verlassen die Zuchtbox durch ein Sieb im Deckel und schwärmen ins Getreidelager aus. Dort spüren sie die Kornkäferlarven über ihren Geruchssinn auf und befallen sie. Die Maschen des Siebs sind so bemessen, dass nur die Lagererzwespen passieren können, während die Bohnenkäfer in der Box verbleiben.

Langfristiger Schutz durch die Zuchtbox

Die Hohenheimer Zuchtbox ermöglicht es, dass in Spitzenzeiten über 200 junge Lagererzwespen gleichzeitig gegen den Kornkäfer vorgehen. Dies verhindert eine weitere Ausbreitung des Schädlings im Getreidelager. Mit dieser Methode können Landwirte einen Schutz von sechs bis sieben Monaten vor dem Kornkäfer erreichen.

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