Neue Chancen durch das novellierte EEG
Mahdgut von Naturschutzflächen bietet ein bislang wenig genutztes Potenzial für die Biogaserzeugung. Die Erschließung dieses Potenzials für eine energetisch nachhaltige Landnutzung ist ein Ziel des novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Darauf weist der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) e.V. hin.
Die entsprechende Regelung tritt am 1. Januar 2012 in Kraft. Bis 2011 war für den Erhalt eines Bonus erforderlich, dass eine Biogasanlage mindestens 50 % Landschaftspflegematerial verwendete. Ab 2012 ändert sich dies: Jede eingebrachte Tonne Landschaftspflegematerial ist dann förderfähig. Während die Vergütung für angebaute Biomasse, wie Mais oder Ganzpflanzensilage aus Getreide, ab 2012 bei steigender Anlagenleistung von 6 Cent auf 4 Cent je Kilowattstunde (kWh) sinkt, bleibt der Landschaftspflegebonus mit 8 Cent/kWh stabil. Diese höhere Vergütung ist durch die besonderen Anforderungen an Ernte und Anlagentechnik begründet, die naturschutzfachlich wertvolle Flächen mit sich bringen.
Dies eröffnet neue Möglichkeiten für Betriebe, die Mahdgut aus der Landschaftspflege bisher kompostieren mussten. Durch die Nutzung in Biogasanlagen entfallen nicht nur Entsorgungskosten, sondern es wird auch eine Vergütung für die Biomasse gezahlt. Dies stellt eine Synergie zwischen Naturschutz und Bioenergieerzeugung dar. Der DVL betont jedoch, dass eine Konkurrenz zwischen der etablierten Pflege von Naturschutzflächen durch extensive Beweidung und der Biomassenutzung vermieden werden muss. Auch Schnittgut von Blühflächen, Ackerrandstreifen und zweischürigem Grünland profitiert von der zusätzlichen Rohstoffvergütung von 8 Cent.
Keine Förderung erhalten hingegen Straßenbegleitgrün, Grünschnitt aus der Garten- und Parkpflege sowie Mahdgut von Gewerbe-, Industrie- oder Flughafenflächen. Das Potenzial ist erheblich: Nach Schätzungen des DVL kann Landschaftspflegematerial von etwa 900.000 Hektar für die Energiegewinnung genutzt werden. Dieser Aufwuchs wurde bisher kaum verwertet, da die Erreichung der 50 %-Marke zu schwierig war. Mit dem Wegfall dieser Hürde wird der Naturschutz durch erneuerbare Energieerzeugung gefördert.
Hintergrund des Projekts
Der DVL e.V. führt von 2011 bis 2014 das Projekt „Mehr Landschaftspflegematerial in bestehende Biogasanlagen“ durch. Die Plattform biogas.lpv.de sammelt und verbreitet Best-Practice-Beispiele zur Verwertung von Biomasse aus Landschaftspflege und Naturschutz. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Basis eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.
