Klimaschutzziele im Verkehr: Warum Biokraftstoffe entscheidend sind
Ein aktuelles Verkehrsszenario des Bundesverbandes Erneuerbare Energien e.V. (BEE) zeigt, dass die Klimaschutzziele im Verkehrsbereich voraussichtlich weiterhin verfehlt werden. Stephan Arens, Vorstand im Bundesverband Bioenergie e.V. (BBE), betont die anhaltende Bedeutung nachhaltiger Biokraftstoffe für den Klimaschutz.
Alle modellierten Szenarien zeigen, dass alle verfügbaren Optionen benötigt werden, um auch nur in die Nähe der Klimaschutzziele zu kommen. Selbst unter den ambitioniertesten Modellannahmen etwa bei der Elektromobilität verbleibt weiterhin eine Lücke zu den Klimaschutzzielen, trotz eines angenommenen Ausbaus nachhaltiger Biokraftstoffe. Wer heute immer noch einen Rückbau nachhaltiger Biokraftstoffe fordert, handelt verantwortungslos und verschließt die Augen vor der klimapolitischen Realität.
Der BEE hat in drei Szenarien die Entwicklung der CO2-Emissionen des Straßenverkehrs sowie die Kraftstoffemissionen der Bereiche Bau-, Land- und Forstwirtschaft, Wasser- und Flugverkehr sowie der nichtelektrifizierten Schiene analysiert. Dabei wurden unterschiedlich ambitionierte Ausbaupfade der E-Mobilität sowie weitere Parameter wie Verkehrsverlagerung und Verkehrsvermeidung berücksichtigt.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass selbst bei ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr eine Lücke zu den Klimaschutzzielen des Klimaschutzgesetzes für das Jahr 2030 bestehen bleibt. Auch das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2045 wird demnach nicht erreicht. Diese Berechnungen beinhalten bereits einen deutlichen Ausbau der Biokraftstoffnutzung um ein Viertel.
Arens sieht die Rolle der Biokraftstoffe dadurch gestärkt.
Die Berechnungen des BEE verdeutlichen, dass Biokraftstoffe auch langfristig als klimaneutrale Antriebsenergie benötigt werden. Trotz weitestgehender Elektrifizierung des Verkehrs – wo dies möglich ist – und der Verringerung des Energiebedarfs durch Verhaltensänderungen verbleibt eine Energie-Deckungslücke, die es zu schließen gilt. E-Fuels und Wasserstoff alleine werden den Bedarf nicht decken können und laut Prognosen zudem noch viel zu teuer und begrenzt sein, so dass Biokraftstoffe als aktueller Klimaschützer Nummer eins im Verkehr auch zukünftig weiter ihren Einsatz finden werden.
Die Berechnungen des BEE gehen davon aus, dass Biokraftstoffe in allen Szenarien unverändert auf dem jetzigen Niveau von rund 40 TWh (3,44 Mio. t RÖE) fortgeführt werden.
Für das Jahr 2045 verbleibt in den Szenarien dennoch ein fossiler Energieeinsatz von 58-178 TWh (4,73-15,31 Mio. t RÖE), der zur Erreichung von Klimaneutralität ersetzt werden muss. Eine nachhaltige Ausweitung des Biokraftstoffeinsatzes um ein Viertel, basierend vor allem auf Reststoffen, kann dazu beitragen, diesen Energiebedarf zu decken.
Bereits mit der Erneuerbare Energien Richtlinie der EU von 2018 (RED II) wurde der Anteil von Anbaubiomasse am Biokraftstoffeinsatz begrenzt. Deutschland setzt diese Regelung nochmals strenger um, als von der EU ursprünglich gefordert. Nachhaltigkeitsbedenken werden zudem durch eine unabhängige und verpflichtende Nachhaltigkeitszertifizierung sowie den Ausschluss kritischer Rohstoffe wie Palmöl, begegnet. Grundlage für einen wirksamen Klimaschutz im Verkehr und damit für die Biokraftstoffbranche ist die dringend notwendige Verlässlichkeit der förderpolitischen Rahmenbedingungen, statt Verunsicherung, die die Branche aktuell mit den bekannt gewordenen Entwürfen der Nationalen Biomassestrategie verbindet.
