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69 tödliche Arbeitsunfälle auf Baustellen bis September

06.12.2021

Auf deutschen Baustellen sind bis September 69 Beschäftigte tödlich verunglückt. Gewerkschaft und BG BAU fordern angesichts hoher Unfallzahlen mehr Prävention und stärkere Arbeitsschutzkontrollen.

Die Unfallzahlen im Baugewerbe bleiben auf besorgniserregend hohem Niveau

Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle auf deutschen Baustellen bleibt auf hohem Niveau. Nach einer Statistik der Berufsgenossenschaft Bau (BG BAU) sind bis September dieses Jahres bundesweit 69 Beschäftigte auf dem Bau ums Leben gekommen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurden 74 Todesfälle registriert.

Die häufigsten Ursachen für tödliche Unfälle waren Abstürze aus großer Höhe sowie schwere Verletzungen durch herabfallende Bauteile oder Materialien. Damit zählen klassische Gefahren bei Bauarbeiten weiterhin zu den größten Risiken im Arbeitsalltag der Branche.

Entwicklung bereitet Sorge

Aus Sicht der IG BAU deutet die aktuelle Entwicklung auf ein weiteres schwieriges Jahr für den Arbeitsschutz in der Bauwirtschaft hin. Die Gewerkschaft sieht die Gefahr, dass die Zahl der tödlichen Unfälle erneut sehr hoch ausfallen könnte.

Die Entwicklung ist besorgniserregend und verheißt nichts Gutes. Die Zahl der tödlichen Unfälle ist alarmierend. Sie droht das traurige Rekordhoch des Vorjahres zu erreichen. 2020 sind insgesamt 97 Bauarbeiter während der Arbeit auf dem Bau ums Leben gekommen.

Baustellen gelten weiterhin als besonders sensibles Feld beim Arbeitsschutz. Trotz umfangreicher Sicherheitsvorschriften und Präventionsprogramme bleibt das Risiko für Beschäftigte hoch, insbesondere bei Arbeiten in der Höhe oder beim Umgang mit schweren Bauteilen und Maschinen.

Hohe Zahl meldepflichtiger Unfälle

Neben den tödlichen Unfällen bewegt sich auch die Gesamtzahl der gemeldeten Arbeitsunfälle auf einem hohen Niveau. Zwischen Januar und September wurden insgesamt 77.115 meldepflichtige Unfälle registriert.

In diesem Jahr ist rein statistisch alle vier Tage ein Bauarbeiter tödlich verunglückt. Auch die Zahl von insgesamt 77.115 meldepflichtigen Arbeitsunfällen von Januar bis September ist auf einem erschreckend hohen Niveau.

Besonders häufig ereignen sich Unfälle nach Einschätzung der Gewerkschaft in kleineren Betrieben. Dort stehen Unternehmen oftmals stärker unter wirtschaftlichem Druck. Kosten- und Zeitdruck gelten als zentrale Faktoren, wenn Sicherheitsmaßnahmen nicht konsequent umgesetzt werden.

Mehr Prävention und Kontrollen gefordert

Die BG BAU engagiert sich bereits seit Jahren intensiv für mehr Sicherheit auf Baustellen. Dennoch sehen Arbeitnehmervertreter weiterhin erheblichen Handlungsbedarf bei der Prävention.

Hier müssen wir dringend ein anderes Bewusstsein schaffen. Obwohl die BG Bau in den Baubetrieben in puncto Sicherheit schon eine gute und wichtige Arbeit leistet, brauchen wir angesichts der hohen Zahlen noch mehr Prävention.

Neben verstärkten Präventionsmaßnahmen wird auch ein Ausbau staatlicher Kontrollen gefordert. In vielen Bundesländern fehlen nach Einschätzung der Gewerkschaft ausreichend Kontrollkapazitäten, um Arbeitsschutzvorgaben konsequent zu überprüfen.

Hier gibt es immer noch zu wenig Personal und dadurch ein klares Überwachungsdefizit. Notwendig ist ein höherer Kontrolldruck für die Betriebe, die es mit der Arbeitssicherheit nicht wirklich ernst nehmen. Nur auf Eigenverantwortung zu setzen, ist zu wenig.

Arbeitsschutz-Foren zum Workers’ Memorial Day

Um das Thema stärker in den Fokus zu rücken, plant die IG BAU im kommenden Jahr zwei zentrale Arbeitsschutz-Foren in Berlin und im Ruhrgebiet. Anlass ist der internationale „Workers’ Memorial Day“ am 28. April, der an Menschen erinnert, die bei der Arbeit ums Leben gekommen sind oder durch ihre Tätigkeit erkrankt sind.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen unterschiedliche Risiken auf Baustellen. Dazu zählen unter anderem mehr Sicherheit beim Gerüstbau, sichere Abläufe bei Kranarbeiten, der Schutz vor Asbest bei Abrissarbeiten sowie Maßnahmen gegen UV-Strahlung bei Tätigkeiten im Freien. Aktuell spielt zudem der Schutz vor einer Corona-Infektion am Arbeitsplatz weiterhin eine wichtige Rolle.

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