Die Bedeutung von Feuchtgebieten für Klima und Wirtschaft
Ein viertägiger Expertenaustausch in Bonn, organisiert vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Chinese Research Academy of Environmental Sciences, beleuchtet die Leistungen von Feuchtgebieten wie Mooren und Flussauen. Intakte Feuchtgebiete tragen zum Klimaschutz bei, verbinden Hochwasser- und Naturschutz und dienen als Erholungsräume. Diese Ökosystemleistungen sind volkswirtschaftlich relevant und können ökonomisch bewertet werden, um sie in politische und unternehmerische Entscheidungen einzubeziehen.
In Deutschland und China sind viele Moor- und Feuchtgebiete durch Entwässerung und intensive landwirtschaftliche Nutzung bedroht. Feuchte Torfböden fungieren als dauerhafte Kohlenstoffspeicher und gleichen Kohlendioxid-Emissionen aus. Die Wiederherstellung und Sicherung von Moorflächen mit naturnahem Wasserhaushalt stellt eine kostengünstige Maßnahme zur Eindämmung des Klimawandels dar. Gleichzeitig fördert die Renaturierung dieser Ökosysteme den regionalen Wasserhaushalt und die biologische Vielfalt.
Wissenschaftler, Regierungsvertreter und zivilgesellschaftliche Akteure aus China, Deutschland und anderen europäischen Ländern diskutieren die Bedeutung von Feuchtgebieten und Wasserkörpern in ländlichen und städtischen Räumen, insbesondere für Ballungsgebiete. In stark urbanisierten Gebieten werden die größten Mengen an klimawirksamen Treibhausgasen freigesetzt und die biologische Vielfalt verdrängt. Zudem sind hier, wie jüngste Ereignisse in Deutschland zeigten, erhebliche Vermögenswerte von Überflutungen betroffen.
Die bilaterale Kooperation zwischen dem BfN und der chinesischen Umweltbehörde im Naturschutz besteht seit 2008. Seit dem letzten Jahr steht sie im Zeichen von TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity), einer internationalen Initiative, die den Wert von Ökosystemen und Biodiversität durch ökonomische Argumente hervorhebt. Der aktuelle Austausch konzentriert sich auf wissenschaftlich-methodische Fragen und die Überführung wissenschaftlicher Ergebnisse in Politikempfehlungen, unter Beteiligung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission sowie zahlreicher Universitäten und Nichtregierungsorganisationen.
Hintergrund der TEEB-Initiative und ihre Ziele
Die Vereinten Nationen veröffentlichten 2005 die Ergebnisse des Millennium Ecosystem Assessments, das den Zustand von Ökosystemen und deren Bedeutung für das Überleben bewertete. Im Rahmen der deutschen G8-Präsidentschaft initiierte Deutschland 2007 gemeinsam mit der Europäischen Kommission die internationale TEEB-Studie. Ziel war es, Ökosystemdienstleistungen einen Wert beizumessen, um der weltweiten Naturzerstörung mit ökonomischen Gegenargumenten zu begegnen und die entstandenen Kosten in betriebs- und volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen einzubeziehen.
TEEB International empfahl die Erarbeitung nationaler Studien zur Umsetzung dieser Ziele. Deutschland arbeitet seit 2012 an einer nationalen TEEB-Studie. Schwerpunkte dieser Studie sind Biodiversität und Unternehmen, Ökosystemleistungen urbaner und ländlicher Räume sowie Klimapolitik und Naturkapital. Auch in China werden Anstrengungen unternommen, eine nationale TEEB-Studie zu erstellen.
Zur Unterstützung dieser Bemühungen und zur Förderung des wissenschaftlichen Austauschs findet der 6. Deutsch-Chinesische Workshop zu "TEEB for Cities and Urban-Rural Interactions - with a focus on wetland ecosystem services" statt. Dies ist die vierte Fachveranstaltung in diesem Kontext. Neben dem wissenschaftlichen Austausch dient die Veranstaltung dazu, die Situation in beiden Ländern darzustellen, Akteure zu vernetzen und Handlungsoptionen aufzuzeigen, um den Erhalt von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen durch die Berücksichtigung ökonomischer Argumente zu verbessern.
