Mehr Lebensräume, weniger Pestizide und bundesweites Monitoring vorgesehen
Die Bundesregierung hat Eckpunkte für ein bundesweites Aktionsprogramm Insektenschutz beschlossen. Das Bundesumweltministerium will auf dieser Grundlage bis 2019 ein umfassendes Maßnahmenpaket ausarbeiten und anschließend mit der Umsetzung beginnen.
Als erste Sofortmaßnahme stellt das Bundesumweltministerium jährlich fünf Millionen Euro aus dem „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ für Projekte zum Insektenschutz bereit. Über einen Zeitraum von sechs bis acht Jahren könnten damit insgesamt 30 bis 40 Millionen Euro in entsprechende Maßnahmen fließen.
Maßnahmen für mehr Lebensräume und weniger Belastungen
Das Aktionsprogramm sieht Maßnahmen in mehreren Bereichen vor. Ziel ist es, Lebensräume für Insekten zu erhalten, neu zu schaffen und bestehende Belastungen zu reduzieren.
- Förderung strukturreicher Lebensräume in der Agrarlandschaft
- Wiederherstellung und Vernetzung von Lebensräumen
- Stärkung von Schutzgebieten
- Reduzierung des Pestizideinsatzes
- Minderung von Nähr- und Schadstoffeinträgen
- Verringerung der Lichtverschmutzung
Darüber hinaus soll ein bundesweit einheitliches Insektenmonitoring aufgebaut werden, um Wissenslücken über den Rückgang der Insektenpopulationen zu schließen.
Bundesumweltministerin fordert schnelles Handeln
„Wir wissen längst nicht alles über das Insektensterben. Aber wir wissen genug, um schnell zu handeln. Darum war es mir wichtig, dass das Kabinett diese Eckpunkte schon in den ersten 100 Tagen meiner Amtszeit beschließt“, erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze.
„Das Insektensterben aufzuhalten ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Wir sind uns in der Bundesregierung nun einig, in welchen Bereichen wir handeln werden, um das Insektensterben zu stoppen. Dazu gehört ein grundsätzlich restriktiverer Umgang mit Pestiziden, nicht nur mit Glyphosat. Wir brauchen zudem mehr Vielfalt in der Landschaft: Hecken und blütenreiche Wiesen statt Monokulturen sind überlebenswichtig für Insekten, Vögel und viele andere Tierarten.“
Auch Wirtschaftsverbände, Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Bildungsträger sowie Bürgerinnen und Bürger sollen in die Umsetzung eingebunden werden. Das Bundesumweltministerium ruft dazu auf, Praxisprojekte zur Förderung der Artenvielfalt einzureichen.
Insekten als wichtiger Bestandteil funktionierender Ökosysteme
„Sowohl die Gesamtmenge der Insekten als auch die Vielfalt der Insektenarten ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Das Insektensterben droht die Natur aus dem Gleichgewicht zu bringen“, sagte Svenja Schulze.
Nach Angaben des Ministeriums erfüllen Insekten wichtige Aufgaben für Ökosysteme und Landwirtschaft. Dazu zählen unter anderem Bestäubung, natürliche Schädlingsregulierung, Gewässerreinigung und die Erhaltung fruchtbarer Böden. Auch im Garten- und Landschaftsbau gewinnt die Förderung biodiversitätsreicher Flächen zunehmend an Bedeutung.
