Zukunft der Stadtbäume im Klimawandel
Jürgen Eppel, Leiter des Instituts für Stadtgrün und Landschaftsbau an der LWG, weist darauf hin, dass der Zustand von Stadtbäumen oft visuell erkennbar ist. Kahle Baumkronen im Sommer bei Arten wie Ahorn und Linde sind ein Indikator für Stress. Um das Grün in urbanen Gebieten zu erhalten, sucht die LWG seit 2009 nach geeigneten Baumarten für die Zukunft.
Im Rahmen dieses Projekts werden 30 verschiedene Baumarten an drei klimatisch unterschiedlichen Standorten in Bayern getestet. In Würzburg liegt der Fokus auf der Hitzestresstoleranz. Die rund 660 gepflanzten Bäume stammen überwiegend aus dem südosteuropäischen, nordamerikanischen und asiatischen Raum, Regionen, die für hohe Temperaturen und Trockenheit bekannt sind.
Messung der Vitalwerte der Winterlinde
Tilia übermittelt ihre Vitalwerte im Zehn-Minuten-Rhythmus, die auf der LWG-Homepage als interaktive Grafik abrufbar sind. Für die Datenerfassung wurde die Winterlinde aufwendig verkabelt. Jürgen Eppel erläutert den Versuchsaufbau:
Neben Temperatursensoren, die direkt an der Südseite, also der Sonnenseite des Stammes und direkt unter der Erde am Stammfuß angebracht wurden, sind auch einzelne Blätter mit filigranen Messfühlern ausgestattet.
Das Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung (ZSK) unterstützt die Experten bei der Datensammlung. Die erfassten Vitaldaten werden via Funk übertragen, elektronisch verarbeitet und grafisch dargestellt. Eine Ampelfarbenskala zeigt den Zustand des Baumes an: Grün für unter 25 °C, Orange für 23-35 °C und Rot für über 35 °C. Dies visualisiert, welche Bereiche des Baumes sich in der Wohlfühlzone befinden und welche bereits an der Belastungsgrenze oder darüber liegen.
Bedeutung der Bäume für das Stadtklima
Jürgen Eppel erklärt, dass Bäume bei Hitzestress keine rote Farbe annehmen, sondern Blätter verlieren. Steigt die Blatttemperatur beispielsweise auf über 45 °C, ist die Höchstbelastung überschritten. Bei Überhitzung können die Blätter keine Fotosynthese mehr betreiben, welken und fallen ab. Dies führt nicht nur zu einem Wachstumsstopp des Baumes, sondern beeinträchtigt auch wichtige Ökosystemleistungen.
Verbesserung der Wohlfühlatmosphäre durch Schattenwurf, Abkühlung der Umgebungstemperatur durch die Verdunstungsleistung, Kohlenstoffdioxid-Aufbereitung und nicht zuletzt der eigene Mikrokosmos in der Baumkrone als Lebens- und Nahrungsraum für Vögel und Insekten: Wir alle profitieren unbewusst von der Leistung der Bäume.
Es ist daher wichtig, die Bedürfnisse der Bäume zu verstehen und mit den Stadtbäumen von morgen geeignete Nachfolger für bestehende Arten zu finden, um das Grün in der Stadt zu erhalten.


