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Fachseminar beleuchtet Herausforderungen im urbanen Grün

Das 17. corthum-Fachseminar informierte über aktuelle Erkenntnisse zum Baumstandort Stadt. Über 150 Anmeldungen zeugten vom ungebrochenen Interesse an den Themen und dem Wunsch nach Erfahrungsaustausch. Die Vorträge umfassten Themen wie Bewässerungsplanung, Forschungsergebnisse und rechtssicheren Umgang mit Bodenaushub.

Aktuelle Erkenntnisse und Herausforderungen im urbanen Grün

Das 17. corthum-Fachseminar im Februar 2024 in Marxzell-Pfaffenrot informierte Landschaftsarchitekten, kommunale Entscheider und ausführende Betriebe über aktuelle Erkenntnisse zum Baumstandort Stadt. Über 150 Anmeldungen zeugten vom ungebrochenen Interesse an den Themen und dem Wunsch nach Erfahrungsaustausch. Knapp 100 Interessierte konnten teilnehmen, da die Kapazität des betriebseigenen Glashauses als Seminarraum begrenzt war.

Uwe Schönthaler, Geschäftsführer von corthum, zeigte sich erfreut über die Resonanz. Philipp Erhardt, Vorstand des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V., hob in seiner Begrüßung die wachsende Bedeutung von Stadtgrün hervor. Erhardt beschrieb die Stimmung im GaLaBau als von leichten Unsicherheiten geprägt, da Klima und Politik fortlaufend neue Herausforderungen mit sich brächten. Er betonte die Notwendigkeit permanenter Weiterbildung in der Branche.

Die Vorträge umfassten Themen wie die professionelle Bewässerungsplanung für urbanes Grün von Dirk Borsdorff, Forschungsergebnisse des Projekts „Stadtgrün 2021+“ von Dr. Susanne Böll, praktische Erkenntnisse zu Baumstandorten in Heidelberg von Uwe von Taschitzki sowie den rechtssicheren Umgang mit Bodenaushub auf Baustellen von Johannes Prügl.

Nachhaltige Bewässerung durch frühzeitige Planung

Dipl.-Ing. (FH) Dirk Borsdorff, Geschäftsführer des Ingenieurbüros irriproject, wies auf die Problematik der späten Integration von Bewässerungsplanungen in Bauprojekte hin. Oftmals werde die Planung erst in Leistungsphase 5 nach HOAI angefragt, was besonders bei Dach- oder Wandbegrünungen den Aufwand erheblich steigere. Zudem seien die Baukosten in 80 Prozent der Fälle zu niedrig angesetzt, da kein beratender Fachplaner hinzugezogen wurde. Dies führe häufig zu Kompromissen bei der Ausführung oder zum Verzicht auf Bewässerungssysteme.

Für die Bewässerung von Außenanlagen ist eine Integration spätestens ab der Vorentwurfsplanung der Landschaftsarchitekten erforderlich. Borsdorff betonte die Abstimmung der zu bewässernden Flächen, die Festlegung von Wasserquellen wie Zisternen, Brunnen oder Oberflächenwasser sowie die Berechnung der lokalen klimatischen Wasserbilanz zur Definition des Wasserbedarfs. Auch die Auswirkungen von Schächten oder Technikinstallationen auf das Erscheinungsbild und die verfügbare Bewässerungszeit, die in Großstädten aufgrund von Vandalismus begrenzt sein kann, müssten frühzeitig geklärt werden.

Die Anschaffungskosten für die Technik seien bei Trinkwasser und kleinen Flächen überschaubar. Bei großen Flächen könnten jedoch Wasser- und Energiekosten schnell ansteigen. Regenwasser sei, abgesehen vom Strom für Pumpen, kostenlos. Hier seien jedoch die Investitionen für Zisternen und Wasserspeicher ein hoher Kostenfaktor, dessen Dimensionen mit der Größe der zu bewässernden Fläche zunehmen. Wirtschaftliche Effekte ließen sich hauptsächlich durch die Speicherung von Niederschlägen aus der vegetationslosen Zeit erzielen. In manchen Fällen könne es kostengünstiger sein, einen Brunnen zu bohren und Regenwasser zu versickern.

Bei Gebäudebegrünungen muss die Bewässerungsplanung bereits zu Beginn der Gesamtplanung des Objekts erfolgen, da Zisternen und Rohrleitungen nachträglich nicht mehr integriert werden können. Für technische Gebäudeausrüster (TGA-Planer) sei die Varianz der Versorgung unterschiedlicher Gebäudebegrünungen eine Herausforderung, da nicht jede Fläche den gleichen Wasserbedarf hat. Die Verdunstung von Grünflächen in Deutschland liegt im Durchschnitt bei 3,2 bis 4,3 mm pro Tag, kann aber an heißen Tagen auf bis zu 7 mm steigen. Borsdorff wies darauf hin, dass zu klein dimensionierte Wasserspeicher dann schnell leer seien. Wetterstationsaufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes lieferten hierfür wertvolles Basismaterial für die Berechnungen.

Wasserqualität und technische Herausforderungen

Borsdorff hob hervor, dass hohe Eisen- oder Mangangehalte im Wasser Schäden an Tropfschläuchen, Regnern und Sprühern verursachen können. Auch ein hoher Kalkgehalt sei bei der Wahl der Technik zu berücksichtigen. Algen oder Sandkörner könnten zu Verstopfungen führen. Beim Anlagenbau könnten große Baumwurzeln das Verlegen neuer Technik erschweren. Eine schwierige unterirdische Infrastruktur und nicht sichtbare Altlasten könnten den Bau behindern und hohe Kosten verursachen, weshalb Borsdorff zu entsprechenden Gutachten rät.

Für die langfristige Funktion von Bewässerungssystemen sei die hydraulische Planung entscheidend, um allen Regnern und Tropfern den passenden Wasserdruck und die nötige Wassermenge zuzuweisen. Eine spezielle Hydraulik-Software modelliere Rohrdimensionen und Pumpenleistung zuverlässig. Die verfügbare Bewässerungszeit beeinflusse diese Dimensionen ebenfalls.

Design von Bewässerungssystemen

Kunststoff-Ventilkästen stufte Borsdorff als Kleingartentechnik ein. Das dezentrale Design mit mehreren Ventilkästen in der zu bewässernden Fläche sei für den öffentlichen Bereich nicht nachhaltig genug. Er empfahl eine zentrale Versorgungsanlage in einem unterirdischen Schacht, die die gesamte Technik vom Regenwasserspeicher bis zu den Elektroventilen für die Beregnungssteuerung aufnimmt. Dies biete Komfort bei der Wartung und hohen Schutz vor Vandalismus, sei jedoch mit anfänglich hohen Investitionskosten verbunden.

Des Weiteren empfahl er getrennte Handzapfstellen und Netze für die automatische Bewässerung, um die Fehlerauslesung zu automatisieren. Protokollierte Daten von Steuergeräten seien für den professionellen Einsatz wichtig, um Leckagen oder defekte Regner schnell zu lokalisieren und reparieren zu lassen. Eine professionelle lokale Wetterstation in Kombination mit mehreren lokalen Feuchtesonden, die bis in 90 cm Tiefe messen, liefere die Datengrundlage für eine präzise Bewässerung. Steuergeräte funktionierten weiterhin mit manuell korrigierten Zeiten. Eine zuverlässige Integration von Wettervorhersagen zur vollautomatischen Steuerung sei bei den derzeit am Markt verfügbaren Geräten noch nicht gegeben.

„Stadtgrün 2021+“ – Stresstolerante Klimabäume für die Stadt

Dr. Susanne Böll vom Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau an der LWG betreut das Forschungsprojekt „Stadtbaumarten im Klimawandel“, das im Herbst 2009 bzw. Frühjahr 2010 mit der Pflanzung von 30 Baumarten (460 Bäume) in Würzburg, Hof/Münchberg und Kempten begann. 2015 wurden weitere zehn Baumarten (200 Bäume) hinzugefügt. Böll erklärte, dass der Lebensraum Stadt für Bäume den höchsten Stressfaktor darstelle und in Kombination mit dem Klimawandel nur wenige Arten langfristig bestehen könnten.

Aktuelle Untersuchungen zeigten, dass Platanen vermehrt unter Blattbräune leiden, einem Pilz, der sich in trockenem Klima ausbreitet und zu Stammrissen führen kann. Viele Jungbäume, die bereits aus den Baumschulen mit dieser Krankheit kämen, überlebten dies nicht. Straßenbäume erreichten durch Trockenstress ihre Grenzen; in Würzburg gebe es beispielsweise keinen Bergahorn mehr. Auch Sommerlinde, Spitzahorn und Rosskastanie litten unter Trockenstress und warfen im Sommer 2019, als Temperaturen bis zu 40° Celsius erreichten, bereits im August ihre Blätter ab.

Im Gegensatz dazu zeigten die Ungarische Eiche (Quercus frainetto ‘Trump‘), die Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) und die Rotesche (Fraxinus pennsylvanica `Summit`) in ihren acht Kubikmeter großen Pflanzgruben im trockenheißen Würzburg vitales grünes Laub. Die meisten Versuchsbaumarten verlängerten ihre Vegetationsperiode und konnten Reserven anlegen, was sich in den Zuwachsraten zeigte. Salzempfindliche Arten wie Hainbuche und Amberbaum wiesen deutliche Blattnekrosen auf, die auf aufsteigende alte Salzschäden und hohe Chloridwerte in den Blättern zurückzuführen waren.

Besonderheiten bei Versuchsbaumarten

Die Hainbuchensorte ‘Frans Fontaine‘, eine Säulenhainbuche, besitzt eine empfindliche Rinde und reagiert auf tiefe Fröste im Frühling mit Stammrissen, die nicht mehr verwachsen. Beim Amberbaum (Liquidambar styraciflua) empfahl Böll nur die reine Art auf eigener Wurzel, da die Korkleisten Frostrisse verhindern und keine Probleme mit Chlorosen auftreten. Allerdings müsse bei hohen Temperaturen gewässert werden. Für das rauere Klima im Allgäu sei diese Art jedoch nicht geeignet, da drei von acht Bäumen Opfer von Nassschnee im Oktober wurden. Das weiche Holz sei zudem nicht sturmtauglich.

Der Japanische Schnurbaum (Styphnolobium japonicum) entwickelte sich am Standort Würzburg spät, gedeihe aber mittlerweile an allen drei Standorten gut. Die 2015 gepflanzten Breitblättrigen Mehlbeeren (Sorbus lativolia `Henk Vink`) gediehen in Würzburg hervorragend, funktionierten aber in Kempten aufgrund hoher Niederschläge nicht. Ein LWG-Flyer biete einen Überblick über funktionierende Baumarten. Böll betonte, dass bei Berücksichtigung aller Standortbedingungen auch für heimische Baumarten passende Lösungen gefunden werden könnten. Sie plädierte für eine Risikostreuung mit mehreren Baumarten, um die Auswirkungen neuer Schädlinge und Krankheiten auf den Gesamtbestand zu minimieren.

Es zeigte sich, dass Baumarten aus Südosteuropa auch bei starker Hitze grünes und vitales Laub behalten. Vergleiche zwischen Winterlinde und Hainbuche sowie Silberlinde und Hopfenbuche ergaben, dass Blatttemperaturen bei 40° Celsius Lufttemperatur teilweise fast 45° Celsius erreichten, Rindentemperaturen fast 50° Celsius und Substrattemperaturen im oberen Bereich über 60° Celsius. Die Hainbuche konnte ihre Blätter nicht gut herunterkühlen und lag rund 2,5° Celsius über der Lufttemperatur, weshalb sie ab Mittag an schattigen Standorten geplant werden sollte. Die Hopfenbuche öffnete ihre Stomata bei kritischen Bedingungen und lag maximal 1,2° Celsius über der Lufttemperatur. Die Silberlinde drehte in der Mittagshitze ihre Blätter, um Sonnenstrahlung zu reflektieren, was eine effektive Hitzestrategie darstellt und zu geringem Wasserverlust führte.

Die erhöhte Strahlungsintensität im Sommer führte zu einer massiven Zunahme von Sonnenbrandnekrosen an Stämmen, beispielsweise bei Winterlinde und Bergahorn. Diese beginnen im Stammbereich auf der Südwestseite mit einer bröckeligen Rindenstruktur, wobei das Kambium zerstört wird. Dies wurde auch an Eschen, am Eisenholzbaum und am Japanischen Wollapfel beobachtet. Böll empfahl, die Stämme dieser Baumarten nicht nur in den ersten Jahren nach der Pflanzung, sondern dauerhaft durch einen weißen Anstrich oder Bambusmatten zu schützen. Gegen hohe Substrattemperaturen helfe eine dünne Schicht Holzhäcksel, die nicht jährlich erneuert werden müsse.

Heimische Insekten und fremde Baumarten

Untersuchungen in den Jahren 2017, 2012 und 2022 an südosteuropäischen und heimischen Linden-, Buchen- und Eschenarten in Würzburg widerlegten die Annahme, dass nicht heimische Baumarten die Artenvielfalt mindern. Es zeigte sich, dass heimische Insekten und Spinnen auch in nicht heimischen Baumarten eine große Vielfalt aufweisen. Über 23.000 Insekten und Spinnen wurden in den genannten Jahren auf 30 Bäumen gefangen. Darunter befanden sich viele Wildbienenarten, drei in Bayern als verschollen deklarierte Wanzenarten sowie viele Rote Liste Arten, ohne Präferenzen für heimische Baumarten. Auch Neozoen waren unter den Funden.

Bäume sind für die Artenvielfalt wichtig, da sie Schatten spenden und in den Kronen bis zu 9° Celsius niedrigere Temperaturen herrschen als in der Luft. Für drei von fünf Tiergruppen war die Baumart irrelevant. Zikaden und Wanzen als saugende Insekten bevorzugten bestimmte Baumarten, wobei die spezifische Art oft nicht relevant war. Die amerikanische Esche war bei Wanzen jedoch deutlich unbeliebter als die heimische Esche. Bei Ulmen spielten weder Art noch Herkunftskontinent eine Rolle, was auf ähnliche Inhaltsstoffe hindeuten könnte. Die höchste Artenvielfalt zeigten Standorte mit gemischten Baumarten. Der Grünstreifen, in dem die Bäume stehen, ist essenziell für die Artenvielfalt, da er als Teillebensraum (Nistplatz, Nahrungsangebot) für Wildbienen, Zikaden und Wanzen dient.

Bäume in der Stadt Heidelberg

Uwe von Taschitzki, Leiter der Baumkontrolle im Landschafts- und Forstamt der Stadt Heidelberg, testet neue wissenschaftliche Erkenntnisse, bevor er sie anwendet. Er zitierte die Baumschule Johannes Clasen:

Bäume in der Stadt produzieren Sauerstoff, binden Staub, spenden Schatten, schlucken Lärm und kühlen die Luft. Sie schaffen Räume, sind eine optische Wohltat und Balsam für die Seele. Ausgerechnet dort, wo der Mensch ihn am nötigsten braucht, hat es der Baum am schwersten.

Dieses Zitat fasse die Situation des Baumstandorts Stadt zusammen. Von Taschitzki betonte, dass er bereits in der Vorplanung aller Heidelberger Bauprojekte die passenden Baumstandorte prüfe, um grundlegende Fehler zu vermeiden. Manchmal sei ein „Nein“ wichtig, wenn ein Standort nicht funktioniere. Allgemeine Versorgungsleitungen müssten berücksichtigt werden, es gebe jedoch flexible Rohre und verdichtbares Baumsubstrat, das genügend Luftraum und Wasserkapazität für Baumwurzeln biete. Wenn nicht gerüttelt werden könne, sei Einschlämmen eine Option.

Erfolgreiche Baumpflege

Von Taschitzkis Erfahrungen zufolge kann eine mäßige kommunale Pflege in technischen Substraten zu schwachem Kronenholz führen. Wenn Wurzeln dann in nahrhaftes Substrat auswachsen, zeige sich oft eine statische Überlastung der Baumkronen-Architektur. Daher unterziehe er Neupflanzungen einem Erziehungsschnitt. Baumsubstrate mit Ziegel, Bims und Kesselsand hätten sich in den letzten 15 Jahren hinsichtlich Struktur und Baumentwicklung bewährt. Da diese technischen Substrate kein Bodenleben und keinen Dünger enthalten, werden Bäume bis zum dritten Standjahr und Bäume an widrigen Standorten mit vier bis fünf Durchgängen in der Vegetationszeit flüssig gedüngt, um die Nährstoffe zu den Wurzeln zu bringen. Er kalkulierte hierfür 50 Euro pro Baum und Düngevorgang. Bei allen Stadtbäumen arbeite er mit Gießrändern oder 100-Liter-Gießsäcken. Der Rest der 200-Liter-Gabe pro Baum werde in ein senkrecht eingebautes und nach unten verschlossenes Schlitzrohr neben dem Ballen gegeben, damit die Baumwurzeln dem sickernden Wasser folgen.

Höhere Wasserspeicherung im Substrat

Bodenverbessernde wasserspeichernde Zuschlagsstoffe wie Silikat-Gesteinsmehl oder Acryl-Polymer verlieren nach von Taschitzkis Erfahrungen nach wenigen Jahren ihre Wirkung und seien daher keine nachhaltigen Maßnahmen. Die Wirksamkeit von Mykorrhiza- oder Trichoderma-Gaben sei bei einem Humusanteil von unter zwei Prozent in technischen Baumsubstraten der Bauweise 2 anfänglich deutlich eingeschränkt. Leonardit (Vorstufe zur Braunkohle) hingegen besitze einen Humusgehalt von 60 bis 90 Prozent und sei 10 Jahre nachweisbar. Die Bodenzuschlagsstoffe Xylit und Lignit hätten etwa die Hälfte des Wirkgehalts von Leonardit.

Von Taschitzki versprach sich die meisten Verbesserungen von Pflanzenkohle, da diese Feuchtigkeit speichere, Dünger aufnehme und Schadstoffe binde. Aufgedüngt mit gütegesicherter Gülle und angereichert mit Trichoderma-Bakterien funktioniere dieser Zuschlagsstoff aufgrund der Luftkapazität der Kohle auch in größeren Tiefen und könnte ein Allrounder werden. Heidelberg arbeite derzeit mit unterschiedlichen Feuchtesensoren, um die Gießrhythmen im Sommer an die Bodenfeuchtigkeit anzupassen, wobei die Zuverlässigkeit der Sensoren noch zu wünschen lasse. Die Stadt Heidelberg setze technische Substrate im Untergrund eines zweischichtigen Aufbaus nur dort ein, wo es aufgrund zwingender Anforderungen nicht anders gehe. Im oberen Bereich werde, wenn möglich, humusreicheres Substrat verwendet, gegebenenfalls auch mit ortsnahem Bestandsboden sowie sinnvollen Zuschlagstoffen zur angemessenen Ernährung gemischt. Diese Substrate würden auch von Erdenwerken angeboten.

Heidelberger Leitfaden zu Baumstandards

Der Baumschutz bei Baumaßnahmen in Heidelberg ist statisch verankert, um Verschieben oder Entfernen zu verhindern. Firmen dürfen diese Holzwände für Werbung nutzen. Der ausführliche Leitfaden Baumstandards der Stadt Heidelberg definiert und schreibt den Bau und die Vorbereitung von Baumgruben, die Pflanzung und Pflege sowie notwendige Baumaßnahmen rund um die Stadtbäume exakt vor. Dies diene als Musterbeispiel für andere Städte und Gemeinden zum Erhalt wertvoller Stadtbäume.

Rechtssicherer Umgang mit Bodenaushub auf der Baustelle

Johannes Prügl, Sachverständiger für Boden- und Vegetationstechnik, wies auf die Vielzahl von Verordnungen, Normen und rechtlichen Einordnungen im Bereich des Bodens hin. Diese müssten bekannt sein, um einen fachgerechten und rechtssicheren Umgang mit Bodenaushub auf der Baustelle zu gewährleisten.

Oberboden als Abfall?

Oberboden, definiert als durchwurzelbare Bodenschicht bis zum Unterboden, enthält Humus und organische Substanz. Gemäß Bau-Gesetzbuch (§ 202) ist Oberboden in nutzbarem Zustand zu erhalten und vor Vernichtung oder Vergeudung zu schützen. Laut Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) gilt alles, was auf der Baustelle nicht mehr benötigt wird, als Abfall, auch wenn es wertvoll, sauber und wiederverwendbar ist. Dies betrifft Bodenaushub, Sand und Kies. Wird Bodenaushub jedoch unmittelbar einem neuen Verwendungszweck zugeführt, seine Schadstofffreiheit durch Beprobung nachgewiesen und ein Abnahmevertrag vorgelegt, handelt es sich lediglich um ein Nebenprodukt und nicht mehr um Abfall.

Die Mantel-Verordnung

Die Mantel-Verordnung besteht aus vier Artikeln. Für die Verwertung von Oberboden sind Artikel 1, die Ersatzbaustoff-Verordnung (EBV), und Artikel 2, die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV), relevant. Die EBV befasst sich mit dem Einbau von Sekundär- bzw. Ersatzbaustoffen in technischen Bauwerken (Wege, Straßen, Gebäude, Parkplätze und deren technischen Oberbauten) und somit nicht mit gärtnerischen Böden. Jeder in Verkehr gebrachte Ersatzbaustoff muss von akkreditierten Überwachungsstellen geprüft und güteüberwacht sowie von Qualitätsüberwachungs-Organisationen zertifiziert sein. Herstellung und Vertrieb dürfen nur von zertifizierten Firmen durchgeführt werden. Prügl schätzte, dass dies für 95 Prozent aller Garten- und Landschaftsbauunternehmen nicht zutreffe. Daher sei genau zu prüfen, ob es sich um einen Ersatzbaustoff und ein technisches Bauwerk handelt. Für den GaLaBau relevante Materialien sind Baggergut, Bodenmaterial und RC-Baustoffe. Jeder auf der Baustelle aufbereitete Bauschutt sowie gebrochener Splitt oder Schotter aus Sekundärmaterial sind Ersatzbaustoffe. Ob unaufbereitete natürliche Splitte und Schotter ebenfalls Ersatzbaustoffe sind, sei unklar, da dies noch kein Gericht entschieden habe. Für solche Aufbereitungsarbeiten sollte der Garten- und Landschaftsbau nur zertifizierte Unternehmen als Subunternehmer akzeptieren.

Bundes-Bodenschutzverordnung

Die Bundes-Bodenschutzverordnung regelt den Einbau von Bodenmaterial und Baggergut außerhalb technischer Bauwerke in und neben den durchwurzelbaren Bodenschichten und betrifft direkt den Garten- und Landschaftsbau. Für Wege, Straßen, Gebäude und Parkplätze gilt die Ersatzbaustoff-Verordnung. Der Rest der Gartenfläche unterliegt der Bundes-Bodenschutzverordnung. Für verbesserte Bodenmischungen sind weder eine Untersuchung noch eine Genehmigung erforderlich.

Verwertung von Bodenaushub auf derselben Baustelle

Eine normale Auffüllung ist kein technisches Bauwerk. Alles, was auf der Baustelle verbleibt, ist kein Abfall und benötigt im Regelfall keine Untersuchung. Prügl appellierte an Landschaftsarchitekten und den GaLaBau, kreativ zu sein und beispielsweise attraktive Hügellandschaften zu planen. Die Definition „Baustelle“ könne flexibler gehandhabt und durch eingezeichnete Lager- und Bereitstellungsflächen erweitert werden. Das Separieren und Auflockern des Bodens vor dem Wiedereinbau ist problemlos möglich und keine unerlaubte Aufbereitung. Dies gilt auch für die Bodenverbesserung durch Zumischung von Sand, Bodenhilfsstoffen, Kompost und Ähnlichem. Wenn der Boden trocken, sandig und mit genügend Steinen versetzt ist, kann er bis zu zwei Meter tief eingebaut werden.

„Zwischenlager“ sind meist immissionsschutzrechtlich zu genehmigen, „Bereitstellungsflächen“ nicht. Bei Verdacht auf Altlasten oder erhöhte Schadstoffgehalte sollten die Behörden über den Verbleib der Materialien entscheiden. Sachverständige führen dann den nachsorgenden Bodenschutz durch und beproben die Böden. Dies war beispielsweise beim Neubau eines Kindergartens auf einer ehemaligen Hopfenanbaufläche der Fall, wo die Prüfwerte für Kupfer unterschritten wurden und der Boden auf der Fläche verbleiben durfte. Der überschüssige Boden durfte jedoch wegen dieser Kupferwerte nicht in der Landwirtschaft oder in anderen Hausgärten ausgebracht werden. Oberböden aus anderen Verdachtsflächen (Straßenrand, Weinbau, Überschwemmungsgebiete, alte Gewerbegebiete) sind ebenfalls zu untersuchen.

Verwertung von Bodenaushub auf anderen Baustellen des GaLaBaus

Abtransporte von durchwurzelbaren Böden sind erwünscht und erlaubt. Eine Untersuchung ist nicht zwingend vorgeschrieben, wenn die Böden verdachtsfrei sind, die Menge unter 500 cbm bleibt oder ein Sachverständiger den Aushub begleitet hat. Prügl riet jedoch zur Vorsicht:

Immer wenn der Oberboden an eine andere GaLaBau-Baustelle oder an ein Erdenwerk geht, würde ich hier kein Risiko eingehen und eine Bodenuntersuchung nach BBodSchV durchführen lassen.

Verwertung oder Beseitigung von Bodenaushub in Gruben oder Deponien

Wenn durchwurzelbarer Boden von der Baustelle entfernt werden muss und auf keiner anderen Baustelle benötigt wird oder erhöhte Schadstoffgehalte aufweist, bleibt oft nur die Verwertung in einer Grube oder die Beseitigung in einer Deponie. Für die Entsorgung in Gruben ist der Humusgehalt bzw. TOC ausschlaggebend. Liegt der TOC unter 1 Prozent, ist die Annahme unproblematisch. Der TOC-Gehalt eines durchschnittlichen deutschen Oberbodens liegt jedoch meist zwischen zwei und sechs Massenprozent, was die Suche nach anderen Möglichkeiten, wie einer besonderen Grube (mit erhöhter TOC-Zulassung) oder einer Deponie, erforderlich macht.

Bodenuntersuchungen und weitere Tipps

Prügl empfahl eine orientierende Voruntersuchung nach BBodSchV für den Bauherrn, um eine Kostenschätzung für mögliche Entsorgungskosten zu erhalten. In Baden-Württemberg sei alternativ eine Untersuchung nach VWV-Boden sinnvoll, in Bayern eine Untersuchung nach bayerischem Verfüll-Leitfaden. Eine Untersuchung nach LAGA M-20 sei nach derzeitigem Stand hinfällig. Es sei jedoch ungewiss, welche Grube später welche Untersuchung akzeptiert, da dies maßgeblich von der aktuellen Verfüllgenehmigung der jeweiligen Grube abhänge. Lieferscheine von Ersatzbaustoffen sind akribisch zu sammeln und spätestens mit der Schlussrechnung, inklusive eines gesonderten Deckblatts, dem Bauherrn zu übergeben. Dieser muss sie bis zum Wiederausbau der Ersatzbaustoffe aufbewahren.

19.03.2024

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