Die Grüne Stadt

Das Comeback der Gartenstadt

Eine aktuelle BBSR-Forschungsarbeit beleuchtet die historische Entwicklung von Gartenstädten und deren Relevanz für die moderne Stadtplanung. Die Studie zeigt, wie diese Konzepte heute neu interpretiert werden können.

Historische Entwicklung und heutige Relevanz der Gartenstadt

Im Rahmen des Projekts „Gartenstadt 21 – Vision oder Utopie?“ untersuchten die Forscher Fallbeispiele von Gartenstädten, die seit dem frühen 20. Jahrhundert entstanden sind. Die Gartenstadtbewegung entstand als Gegenentwurf zu den damals als überlastet empfundenen Städten. Sie zielte darauf ab, die Vorteile ländlicher und städtischer Lebensweisen zu verbinden.

Die Gartenstadtbewegung entwickelte damals einen Gegenentwurf zu der aus ihrer Sicht verdichteten und überlasteten Stadt. Gleichzeitig versuchte sie, die Vorzüge des Ländlichen mit den Vorzügen des Städtischen zu verbinden. Das scheint angesichts des Wachstums unserer Großstädte auch heutzutage für viele wieder erstrebenswert.

Ebenezer Howard, ein Wegbereiter der Gartenstadtbewegung, beschrieb die Gartenstadt als einen Siedlungsraum mit moderaten Dichten, vielen Freiräumen und geordneten Verkehrsverhältnissen. Ein zentraler Aspekt des Gartenstadtmodells waren bezahlbarer Wohnraum und genossenschaftliche Prinzipien, wie das Gemeineigentum an Grund und Boden.

Umsetzung und neue Ansätze für moderne Gartenstädte

Die Analyse der Fallbeispiele zeigt, dass der sozialreformistische Ansatz der Gartenstadt nur selten konsequent umgesetzt wurde. Dennoch finden gartenstädtische Ideen durch kooperative Planungsansätze und die Beteiligung privater Bauherren und Genossenschaften wieder Eingang in städtebauliche Planungen. Dies zeigt sich in vielen Quartieren, die seit den 1990er Jahren entstanden sind.

Dabei treten alternative Ansätze, die Genossenschaften, Baugemeinschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften stärker einbeziehen, zunehmend an die Stelle reiner Bauträgermodelle. Im Gegensatz zu den Gartenstädten der Nachkriegszeit sind diese neuen Quartiere oft dichter bebaut. Sie zeichnen sich durch attraktive, vernetzte Grünflächen, gemischte Funktionen und Nutzungen sowie nachhaltige Mobilitätskonzepte aus.

Die Gartenstadt heute ist grün, urban und vernetzt. Sie lässt sich nicht mehr auf ein Leitbild für Stadterweiterung am Stadtrand oder Trabantenstädte auf der grünen Wiese reduzieren. Wichtig ist, dass diese Quartiere für Menschen mit unterschiedlichem Einkommen attraktiv bleiben.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit sind in zwei Bänden erschienen: „Die Entwicklung der Gartenstadt und ihre heutige Relevanz“ (Band 1) und „Ein Modell der nachhaltigen und integrierten Stadtentwicklung“ (Band 2). Beide Bände sind kostenfrei beim BBSR erhältlich.

10.03.2017

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