Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat heute in Berlin den Erntebericht 2019 vorgelegt. Damit gab die Ministerin das vorläufige Ergebnis der diesjährigen Raps und Getreideernte bekannt. Grundlage des Berichts sind die festgestellten Erträge der bisher ausgewerteten Probeflächen aus allen Teilen des Bundesgebiets. Für diese repräsentative Ertragsermittlung werden jedes Jahr bis zu 10.000 Felder herangezogen.

Bundesministerin Julia Klöckner (Foto: CDU Rheinland-Pfalz)

Dazu erklärt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: „Bei der Ernte geht es um unsere Nahrungsmittelsicherung und für unsere Bauernfamilien um die Früchte ihrer harten Arbeit - es geht um ihr Einkommen, von einer Ernte lebt eine ganze Familie. Die Erträge, das zeigt unser Erntebericht, sind erfreulicherweise besser als im Vorjahr, das für viele Höfe ein Katastrophenjahr war. Insgesamt fällt die diesjährige Ernte bei Getreide und Raps aber unterdurchschnittlich aus. In einigen Regionen waren die Niederschläge auch in dieser Vegetationsperiode zu gering, um das Wasserdefizit aus dem Jahr 2018 auszugleichen. Deutlich wird, dass sich unsere Landwirte verstärkt auf den Klimawandel einstellen müssen! Sie sind die ersten, die die Auswirkungen unmittelbar spüren – dabei unterstützen wir sie in der Klimaanpassung und beim aktiven Klimaschutz. Noch dieses Jahr werde ich unsere Nationale Ackerbaustrategie vorstellen, die Handlungsoptionen aufweist. Dürrehilfen wird es in diesem Jahr aufgrund der Zahlen und Daten nicht geben können.“

Die wichtigsten Ergebnisse des Ernteberichtes 2019:

Erneut sind große regionale Unterschiede festzustellen. Insbesondere in Brandenburg und Sachsen-Anhalt drückt sich die anhaltende Wasserknappheit in sehr niedrigen Hektarerträgen aus. Deutlich besser als im Vorjahr schneiden diesmal Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ab. Je nach Bodenqualität und Niederschlagsverteilung unterscheiden sich die Ernteergebnisse bereits kleinräumig erheblich.

Die bundesdeutsche Erntemenge an Getreide einschließlich Körnermais wird nach derzeitigem Kenntnisstand bei rund 44,7 Millionen Tonnen liegen. Das sind knapp 18 Prozent mehr als im Jahr 2018. Der sechsjährige Durchschnitt, also das Mittel der Jahre 2013 bis 2018, wird damit jedoch um 3,3 Prozent verfehlt.

Die Veränderungen zum Vorjahr sind teilweise auf bessere Flächenerträge zurückzuführen. Im Durchschnitt aller Getreidearten ohne Körnermais liegt der bisher festgestellte Hektarertrag bei 68,3 Dezitonnen, das sind 13,1 Prozent mehr als im Jahr 2018.

Darüber hinaus spielen auch die veränderten Anbauflächen der einzelnen Getreidearten eine wichtige Rolle. Es wurden wieder in größerem Umfang ertragreichere Wintergetreidearten ausgesät. Der Anbau von Winterweizen wurde um 6 Prozent, der von Wintergerste um rund 12 Prozent und der von Roggen um fast 23 Prozent ausgeweitet.

Besonders negativ hat sich die Trockenheit auf den Rapsanbau ausgewirkt. Zur Aussaatzeit Ende August/Anfang September 2018 war die Bodenfeuchte vielfach zu gering. Manche Landwirte verzichteten daher ganz oder teilweise auf die Rapssaat. Weitere Bestände mussten nach dem Auflaufen oder nach dem Winter umgebrochen werden, weil die Pflanzendecke zu lückig war. Infolgedessen wurde 2019 mit rund 857 500 Hektar die kleinste deutsche Rapsanbaufläche seit 1996 registriert.

Der durchschnittliche Hektarertrag ist von dem enttäuschenden Vorjahresergebnis von knapp 30 Dezitonnen je Hektar auf 33,4 Dezitonnen angestiegen, liegt aber immer noch um 9,6 Prozent unter dem Mittel der Jahre 2013 bis 2018.

Insgesamt werden damit in diesem Jahr nur knapp 2,9 Millionen Tonnen Raps geerntet. Dies sind 21,9 Prozent weniger als im vergangenen Jahr und 41,7 Prozent weniger als im sechsjährigen Durchschnitt.

Die unzureichenden Niederschläge haben vielerorts auch Betriebe mit Viehhaltung erneut vor ernsthafte Versorgungsprobleme beim Grundfutter gestellt. Zwar konnte überwiegend ein zufriedenstellender erster Schnitt von Grünland und Ackerfutterflächen erzielt werden Doch ab Juni war der Aufwuchs nur noch mäßig, sodass die Folgeschnitte meist nur wenig an Ertrag brachten. Weil oft auch keine Futterreserven aus dem Problemjahr 2018 mehr vorhanden sind, müssen manche Betriebe bereits auf Heu und Silage aus der diesjährigen Ernte zurückgreifen, um ihre Tiere zu versorgen.

Bei Kartoffeln und Zuckerrüben sind die Ernteaussichten aufgrund der Trockenheit überwiegend ebenfalls mäßig, soweit die Bestände nicht beregnet wurden. Konkrete Angaben sind allerdings noch nicht möglich, da die Ernte erst anläuft (Zuckerrüben) bzw. noch andauert (Kartoffeln).

Bei Obst wird es ein gutes Ergebnis geben. Bei Äpfeln wird nach der großen Vorjahresmenge das Aufkommen im Marktobstanbau auf rund 946 000 Tonnen und von Streuobstwiesen auf rund 350 000 Tonnen geschätzt.

Optimistisch sind die Erwartungen ebenfalls für den Weinjahrgang 2019.

Der vollständige Erntebericht 2019 kann online abgerufen werden (siehe Link).

Hintergrund:

Um die Anpassung der landwirtschaftlichen Betriebe an die Herausforderungen des Klimawandels zu unterstützen, wurden diverse politische Maßnahmen auf den Weg gebracht:

  • Der Bund und die Länder haben sich auf ein Hilfsprogramm zum Teilausgleich der Schäden in existenzgefährdeten Betrieben geeinigt. Insgesamt sind für das Programm bis zu 340 Millionen Euro vorgesehen, die jeweils hälftig von Bund und Ländern bereitgestellt werden. Das Programm wird von den Landwirten gut angenommen.
  • Das BMEL setzt sich für die Einführung der sogenannten Gewinnglättung ein. Der entsprechende Gesetzentwurf wurde am 31.07.2019 vom Bundeskabinett verabschiedet und geht nun in das Gesetzgebungsverfahren.
  • Das BMEL unterstützt zudem die Einführung eines ermäßigten Steuersatzes für die Elementargefahr „Dürre“. Es soll auch hier der ermäßigte Versicherungssteuersatz wie bei anderen Elementargefahren in Höhe von 0,03 Prozent der Versicherungssumme gelten und nicht weiter 19 Prozent der Versicherungsprämie.
  • Die meisten Länder haben als ökologische Vorrangflächen genutzte Brachflächen zur Futternutzung zugelassen.
  • Das BMEL hat eine Verordnung auf den Weg gebracht, die es den Landwirten ermöglichen soll, auch den Aufwuchs von Zwischenfrüchten und Untersaaten, die als ökologische Vorrangflächen angemeldet wurden, als Futter zu nutzen. Der Bundesrat muss dieser Verordnung allerdings noch zustimmen.
  • Das BMEL wird Ende 2019 die Ackerbaustrategie vorstellen, die Handlungsoptionen und Hilfestellungen für die Landwirte anbieten wird, um sich an die kommenden Klimaänderungen anzupassen.
 

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