Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Die Verlegung von Pflasterklinker im Mörtelbett mit fester Fuge bietet Planern und Architekten ganz besondere Gestaltungs- und Anwendungsmöglichkeiten. Die gebundene Herstellung von Bodenbefestigungen aus Pflasterklinker stellt jedoch spezielle Anforderungen an Planung, Baustoffauswahl, Bauausführung und Baukontrolle.

Foto: Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker e.V. / Heike Skamper

Im Süden von Europa wird Ziegelpflaster traditionell im gebundenen Mörtelbett verlegt. Plätze wie die Piazza del Campo in Siena widerstehen seit Jahrhunderten vielfältigen Belastungen und bewahren dabei ihre zeitlose Schönheit. In unseren Breitengraden sind Bodenbeläge zusätzlichen Witterungseinflüssen wie hohem Niederschlagsaufkommen, Frost- und Tausalzeinwirkung sowie starken Temperaturschwankungen ausgesetzt. Deshalb wird hier im Regelfall die ungebundene, flexible Bauweise bevorzugt wird.

Gebundene Bauweise für spezielle Anwendungsbereiche

Die gebundene Bauweise kommt vor allem dort zum Einsatz, wo es auf hohe Verformungsbeständigkeit ankommt und besondere Anforderungen an die Standfestigkeit der Fuge gestellt werden, wie beispielsweise im Steigungsbereich oder an Rampen. Im Privatbereich auf Terrassen und Wegen rund ums Haus verspricht die Verlegung von Pflasterklinker mit Mörtelfuge Vorteile bei Pflege und Instandhaltung. Auch die intensive Reinigung und Wartung der Pflasterflächen durch saugende Kehrfahrzeuge kann ein Grund dafür sein, auf die Vorteile und Flexibilität der ungebundenen Verlegung zu verzichten. Spezielle Anforderungen an Bodenbeläge im Nassbereich wie beispielsweise bei Fontänenfeldern oder der Einsatz von Pflasterklinker in Innenräumen sprechen ebenfalls für eine gebundene Bauweise.

Besondere Anforderungen an die gebundene Bauweise

Bei der gebundenen Bauweise gehen Pflasterklinker, Bettungs- und Fugenmörtel einen dauerhaften, starren Verbund ein. Das Tragverhalten entspricht einer steifen Platte. Hieraus resultieren Besonderheiten, die bei der Planung des konstruktiven Aufbaus der Pflasterdecke, Baustoffauswahl, Feldgrößen und Bewegungsfugen sowie der Bauausführung und Baukontrolle zu berücksichtigen sind.

Für private Flächen des Landschaftsbaus, die nicht dem öffentlichen Straßenbau zugeordnet sind, sollten die Anforderungen der ZTV für den Bau von Wegen und Plätzen (ZTV Wegebau) beachtet werden. Die Anforderungen für Flächen werden in Abhängigkeit von ihrer Beanspruchung differenziert, je nachdem, ob sie ausschließlich begangen, mit KFZ befahren oder im Ausnahmefall auch einmal mit Regie- oder Lieferverkehr belastet werden. Zu diesen Anforderungen zählen unter anderem die Anlage von Bewegungsfugen, ein Entwässerungsplan zur Ableitung des Oberflächenwassers sowie die passende Dimensionierung des Oberbaus je nach Nutzungskategorie.

Die Tragschicht der Pflasterdecke kann gebunden oder ungebunden ausgeführt werden. Im Straßenverkehr und bei Nutzungsklasse N3 wird eine gebundene Tragschicht vorausgesetzt. Fugenmörtel gibt es in wasserundurchlässiger (Zementmörtel) oder wasserdurchlässiger (Mörtel aus Kunstharz) Ausführung. Bettungsmörtel dagegen muss wasserdurchlässig sein, denn auch bei der Verwendung von Zementmörtel kann Feuchtigkeit durch Haarrisse in den Untergrund eindringen. Es wird empfohlen, sich vom Hersteller der Mörtelsysteme beraten zu lassen.

Gebundene Klinkerpflasterdecken werden von der Unterlage aus hergestellt. Dabei werden die Pflasterklinker mit einem Haftgrund (Primer) versehen und manuell höhengerecht und hammerfest mit einer Fugenbreite von 8 ± 3 mm in den Bettungsmörtel gesetzt. Einmal versetzt, dürfen sie weder nachgerichtet noch abgerüttelt werden. Die Dicke der gebundenen Bettung sollte dabei 4 bis 6 cm betragen, der Bettungsmörtel höchstens bis zu einem Drittel der Fugenhöhe aufsteigen. Die für die Verarbeitung des Bettungsmörtels zulässigen Außentemperaturen und die Verarbeitungszeit müssen dabei unbedingt beachtet werden. Bis zur endgültigen Verfugung sollte die Pflasterdecke vor Witterungseinflüssen und Verschmutzungen geschützt werden.

Der Zeitpunkt des Verfugens ist von den verwendeten Materialien, den Witterungsbedingungen und der Festigkeit des Bettungsmörtels abhängig. Ist der Bettungsmörtel ausreichend getrocknet, wird der verbleibende Fugenraum vollständig mit Fugenmörtel aufgefüllt.

Dabei sollte die Fläche ständig mit einem Sprühnebel feucht gehalten und Mörtelrückstände sofort entfernt werden, um das Anhaften von Mörtelresten am Klinker und den damit verbundenen Zementschleier zu vermeiden. Bei größeren Flächen empfiehlt sich der Einsatz einer Schwammputzmaschine, die Mörtelreste direkt aufnimmt und das weitere Verteilen auf der Fläche verhindert. Ist trotzdem ein leichter Zementschleier entstanden, kann dieser durch manuelle Reinigung oder spezielle chemische Zementschleierentferner beseitigt werden bzw. wird durch die Nutzung mit der Zeit abgerieben.

Gebundene Pflasterdecken für befahrene Flächen

Zu Pflasterklinkerdecken in gebundener Bauweise für befahrende Flächen, die den Belastungsklassen der RStO 12 zugeordnet werden können, liefert das FGSV-Arbeitspapier „Flächenbefestigungen mit Pflasterdecken und Plattenbelägen in gebundener Ausführung“ Hinweise und Empfehlungen. Dem Merkblatt E 5 21 07/D „Gebundene Bauweise - historisches Pflaster“ der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. (WTA) sind ebenfalls Hinweise und Empfehlungen zur gebundenen Bauweise zu entnehmen.

Da die gebundene Bauweise nicht als Regelausführung gilt, ist es notwendig, für die Ausschreibung und bauvertragliche Abwicklung einer Baumaßnahme mit gebundener Pflasterdecke eigene Leistungstexte zu erarbeiten. Darin müssen alle Angaben bezüglich der zu verwendenden Baustoffe, der Bauausführung und der Qualitätssicherung jeweils vollständig formuliert sein.

Kostenlose Technik-Broschüre der Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker

Weitere Informationen zur Planung, Gestaltung und Herstellung von Flächen mit Original-Pflasterklinker erhalten Interessierte mit der kostenlosen Broschüre „Technische Informationen Klinkerpflaster“ der Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker e.V.. Das fast 100 Seiten umfassende Praxiswerk ist eine wertvolle Arbeitshilfe für Planer und Bauausführende von Pflasterklinker-Flächen und beruht auf dem aktuellsten Stand des Technischen Regelwerks, den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und jahrzehntelangen baupraktischen Erfahrungen. Die Technik-Broschüre kann onlne bestellt oder heruntergeladen werden (siehe Link).

 

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