Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Seitdem Kreisverkehre als gute Alternative gelten, um Staus und damit schlechte Luft an Ampelkreuzungen zu vermeiden, hat sich ihre Anzahl erheblich vermehrt. Und längst ist ihr Dasein als triste, vernachlässigte Vegetation mit struppigem Grün vorbei. In immer mehr Städten und Gemeinden setzt sich die Erkenntnis durch: Verkehrsinseln müssen den Sicherheitsanforderungen entsprechen, können aber dennoch einen Beitrag zur Biodiversität leisten, ästhetisch anspruchsvoll und pflege-extensiv sein. Vorausgesetzt, sie werden richtig angelegt.

Rundum lebendig – Kreisverkehrsinseln als blühende Oasen; Verkehrsinsel in Ahrensburg (Schleswig-Holstein), bepflanzt im Jahr 2012. Foto: ENA/BdB/Jörg Pfenningschmidt

In Abwandlung der schönen Bauern-Weisheit „Kleinvieh macht auch Mist“ tragen viele sinnvoll bepflanzte Inseln vor allem innerhalb der Städte zur ökologischen Klima-Verbesserung bei. Wie ein solches Mini-Ökotop aussehen kann, zeigen Beispiele des Hamburger Gärtners und Gartengestalters Jörg Pfenningschmidt. Er bepflanzte bereits vor 18 Jahren in Norderstedt und Ahrensburg (beide Schleswig-Holstein) – auf Wunsch der Stadt – Verkehrsinseln.

Wichtig sind ihm drei Aspekte: Es sollten standortgerechte Pflanzen eingesetzt werden und bevorzugt solche, die schon früh blühen und keinen Rückschnitt brauchen, „alle Wolfsmilchgewächse (Euphorbien) sind gut geeignet, sie ersparen den Zwischenschnitt und sehen auch nach der Blüte noch gut aus. Die Elfenblume (Epimedium) ist zwar niedriger, aber immer präsent“. Denn den Menschen, die zu Fuß, per Rad oder Auto, den Kreisverkehr passierten, solle signalisiert werden: „Hallo, hier ist eine Pflanzung“, das halte sie – und auch Hunde – instinktiv vom Betreten ab. Gräser sind eine attraktive Ergänzung, je nach Standort und Lage können es höhere Gräser sein wie der unkomplizierte Atlasschwingel (Festuca mairei) oder die wintergrüne weißrandige Japan-Segge 'Icedance', „eine Superschattenpflanze und einfach immer da“.

Zudem empfiehlt Pfenningschmidt eine Bepflanzung mit großer Fernwirkung: „Das kann über das Laub oder die Blüte sein“, eine Schönheit mit Wow-Faktor ist für ihn die Ernst-Pagels-Züchtung Salvia nemorosa 'Amethyst', „sie besticht mit unglaublicher Leuchtkraft!“ Salvien brauchen ebenso Sonne wie seine Favoritin, das Ochsenauge (Buphtalmum salicifolium), „eine wunderbare Pflanze“, beide sind obendrein Magnete für Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge.

Generell sollte an diesen Flächen, auch Mittelstreifen, selbst wenn man an ihnen schnell vorbeifahre, auf großflächige Wirkung gesetzt werden. Und natürlich müsse ein Kreisverkehr möglichst pflege-extensiv bepflanzt werden, „aber auch dazu gehört ein enormes Wissen“. Darin sieht der Hamburger Gärtner das Hauptproblem: „Die Stadtplaner wollen durchaus was Schönes machen, es scheitert nicht am Grünflächenamt. Sondern daran, dass es keine Firmen gibt, die das nachhaltig richtig pflegen können“.

Wenn man Diversität und Vielfalt beibehalten wolle, müsse man Personal haben, das wisse, wann es wie kontrollierend einschreite. „Viele Pflegekräfte sind es nicht gewohnt, mit Stauden zu arbeiten“. Es fehle schlicht eine neue Generation, die über dieses Wissen verfüge. Und selbst mancher Planer sei zu wenig praxisorientiert: „Bahnschotter als Mulchschicht geht gar nicht und wie kann man auf einem ein Meter breiten Streifen Rosen pflanzen?“ Dies sei unzumutbar auch für die Pflegekräfte. Die würden andererseits plötzlich wertgeschätzt, wenn sie in einer ebenso schönen wie sinnvoll angelegten Verkehrsinsel arbeiten würden: „Da gibt es tolle Geschichten, sie werden geachtet, befragt nach den Stauden und die vorbeigehenden Bürger erleben auf einmal: Aha, das sind ja Menschen die ein Wissen haben!“ Kleine begrünte Verkehrsinseln, die in vielerlei Hinsicht große Wirkung haben können für eine Stadt mit besserer Lebensqualität.

 

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