Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern e. V. wurde am 14. Dezember 1963 gegründet und begeht damit sein 60-jähriges Jubiläum. Aus einer kleinen Gruppe mit damals 28 Unternehmern sind inzwischen 665 Mitglieder geworden, die das Gesicht der Metropolen, Städte und Gemeinden im Freistaat wesentlich mitprägen.

Gerhard Zäh ist seit knapp sechs Jahren Präsident des VGL Bayern. (Foto: Astrid Schmidhuber, VGL Bayern)

Der Fischhofpark im oberpfälzischen Tirschenreuth ist eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft mit Grünanlagen, See und historischen Bauten. Einheimische und Touristen besuchen gleichermaßen gerne das Areal. (Foto: Martin Reznicek, VGL Bayern)

Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner bringen Grün ins Grau und schaffen Lebensräume für Mensch, Tier und Pflanze. (Foto: BGL)

Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner kümmern sich um die professionelle Gestaltung und Pflege von Freianlagen jeglicher Art. Dazu gehören Flächen rund um Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie öffentliche Gebäude, Parks, Außenanlagen für den Wohnungs- und Siedlungsbau aber auch für Industrie- und Gewerbeunternehmen. Des Weiteren sind sie bei der Dach- und Fassadenbegrünung aktiv, legen Straßenbegleitgrün an und bauen Freizeitanlagen jeglicher Art, beispielsweise Sport- und Spielplätze. Zusammengefasst leistet der Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) einen wichtigen Beitrag für den Erhalt und den Ausbau der grün-blauen Infrastruktur in Städten und Kommunen.

Als Wirtschafts- und Arbeitgeberverband repräsentiert der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern) die Branche im Freistaat. Und das seit 60 Jahren. „Mein Dank geht an alle unsere Mitglieder. Ebenso an die ehrenamtlich tätigen Unternehmerinnen und Unternehmer im VGL Bayern, in Prüfungsausschüssen sowie zahlreichen anderen Gremien. Sie und viele weitere Beteiligte haben in den vergangenen Jahrzehnten durch ihr Engagement dem Verband zu dem verholfen, was er heute ist: Bedeutender Impulsgeber in einem der relevantesten Wirtschaftszweige in Bayern. Auch in Zukunft werden wir unsere gemeinsamen Anliegen zur Gestaltung von Lebensräumen für Mensch, Tier und Pflanze nach vorne bringen“, unterstreicht Gerhard Zäh, Präsident des VGL Bayern. Die offiziellen Feierlichkeiten zum 60-jährigen Jubiläum finden im Rahmen der Mitgliederversammlung im Juni 2024 statt.

Landschaftsgärtner organisieren sich in einem eigenen Verband
Vor der Gründung des VGL Bayern war der GaLaBau als „Fachgruppe Landschaft“ im Bayerischen Gärtnerei-Verband vertreten. In den Nachkriegsjahren konzentrierte man sich vor allem auf den Wiederaufbau. Was zählte, war die Versorgung der Bevölkerung. Wer einen Garten hatte, zog darin Obst und Gemüse und war weit davon entfernt, an Natursteinterrassen, blühende Staudenbeete und Teichlandschaften zu denken. Dann kamen die Wirtschaftswunderjahre und die Branche gewann stetig an Bedeutung.

Nachdem sich in einer Befragung unter den Landschaftsgärtnern die Mehrheit für eine eigenständige Interessensvertretung ausgesprochen hatte, wurde am 14. Dezember 1963 in Ingolstadt der Fachverband Bayerischer Landschaftsgärtner gegründet. Es war der erste selbstständige Verband der gewerblichen Landschaftsbaufirmen in Westdeutschland der Nachkriegszeit. 1969 erfolgte die Umbenennung in Verband Garten- und Landschaftsbau Bayern, 1978 in Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern. Die Geschäftsstelle, ursprünglich im Münchner Zentrum, anschließend im Stadtteil Pasing, befindet sich seit 1990 in Gräfelfing, am südwestlichen Stadtrand von München.

Branche wächst und gedeiht
Die Dienstleistungen des GaLaBaus werden seit Jahrzehnten von unterschiedlichen Auftraggebern verstärkt wahrgenommen. So lag der Umsatz in Bayern 2002 noch bei 524 Mio. Euro und kletterte auf knapp 1,4 Mrd. Euro in 2022. Dabei erwirtschaften die im Verband organisierten Mitglieder kontinuierlich den Löwenanteil und repräsentieren damit die leistungsfähigsten Fachfirmen im Freistaat. Lag der Anteil des Privatgarten-Segments am Gesamtumsatz 2002 noch bei 40 Prozent, ist dieser inzwischen auf rund 60 Prozent angewachsen – gefolgt von der öffentlichen Hand, dem Wohnungsbau, Gewerbetreibenden und der Industrie sowie Generalunternehmern und Sonstigen.

Ausbildung auf hohem Niveau
Wie in vielen anderen Sektoren hat auch die grüne Branche mit einem Mangel an Fachkräften zu kämpfen. Erfreulicherweise beginnen seit geraumer Zeit bayernweit immer mehr junge Menschen eine Ausbildung zum Beruf „Gärtner/in“, Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau. 2022 waren es beispielsweise 546 Frauen und Männer. Insgesamt befanden sich damals 1.556 Nachwuchskräfte in einem laufenden Ausbildungsverhältnis. Zwanzig Jahre zuvor waren es noch 992 Auszubildende. Mit ihrem Berufsabschluss eröffnen sich für die Absolventinnen und Absolventen viele Karrierewege und Perspektiven. Darüber hinaus ist die Ausbildungsbereitschaft der rund 800 bayerischen GaLaBau-Ausbildungsbetriebe ungebrochen. Damit einher gehen attraktive Lerninhalte, die die Unternehmen, Berufsschulen und die überbetriebliche Ausbildung offerieren, sowie hervorragende Jobaussichten mit sinnstiftenden Aufgaben nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss.

Weiterbildung als Garant für Qualität
Die Förderung der Aus- und Fortbildung hat für den VGL Bayern einen besonderen Stellenwert. 1991 erwarb der Verband als Hauptgesellschafter die DEULA Bayern GmbH (Deutsche Lehranstalt für Agrartechnik) am Standort Freising. Hauptauftrag des Berufsbildungszentrums ist die überbetriebliche Ausbildung in den Berufen „Gärtner/in“ und „Landwirt/in“. Abgerundet wird das Leistungsspektrum durch eine Fahrschule und viele Weiterbildungsangebote im Bereich der Golf- und Sportplatzpflege. Die Akademie Landschaftsbau Weihenstephan GmbH, eine Tochtergesellschaft der DEULA Bayern, bietet darüber hinaus seit 1995 zahlreiche Lehrgänge und Fachseminare mit Schwerpunkt GaLaBau. Ergänzt wird das Angebot durch die Landschaftsbau Service Bayern GmbH, ebenfalls eine Tochtergesellschaft des Verbandes und ansässig im „Haus der Landschaft“ in Gräfelfing, mit Schulungen, Kursen, Gruppen- und Studienreisen sowie Fachliteratur.

Zudem unterhält der VGL Bayern intensive Beziehungen zu Berufsschulen, der Hochschule Weihenstepahn-Triesdorf in Freising, der Staatlichen Meister- und Technikerschule für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim bei Würzburg und zur Fachschule für Gartenbau am Agrarbildungszentrum Landshut-Schönbrunn. Die Kooperationen haben auch hier die bestmögliche Qualifikation der Fachkräfte zum Ziel. Außerdem werden durch gemeinsame Vortragsveranstaltungen und Fachkongresse regelmäßig aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft sowie der neueste Stand der Technik vermittelt.

Mitgliederzahlen steigen deutlich
Parallel zum Branchenumsatz wuchs auch die Mitgliederzahl des VGL Bayern. Waren es bei der Gründung noch 28 Unternehmer, haben sich inzwischen 665 Mitglieder dem Verband angeschlossen. Dabei ist eine Mitgliedschaft auf gewerbliche Unternehmen beschränkt, erfolgt auf freiwilliger Basis und erfordert einen Fachkundenachweis sowie die Erbringung von Qualitätsnachweisen. Als professioneller Dienstleister geben sie sich mit dem geschützten Signum und dem Zusatz „Ihr Experte für Garten & Landschaft“ zu erkennen. Das Markenlogo bietet Kunden eine Orientierungshilfe bei der Auswahl von fachkundigen und leistungsfähigen Betrieben für die Erstellung und Pflege von landschaftsgärtnerischen Anlagen. 2022 waren bayernweit insgesamt 2.722 Firmen mit rund 18.000 Beschäftigten im GaLaBau tätig. Die überwiegend kleinen bis mittelständischen Unternehmen beschäftigen in der Regel jeweils zwischen drei und 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Know-how rund um die Pflanze
Die Gartengestaltung ist so alt wie die Kulturgeschichte. Aus dieser Historie heraus hat sich das Tätigkeitsspektrum vielfältig weiterentwickelt. Bautechnische Arbeiten sichern Flächen, erschließen diese und machen sie nutzbar. Oft sind dazu Erd- und Oberbodenarbeiten, Be- und Entwässerungsmaßnahmen sowie Platz- und Wegebauarbeiten erforderlich. Wenngleich die Branche eng mit dem Baugewerbe verbunden ist, erachtet sie das Grün als wichtigen „Baustoff“. Denn der Gesamteindruck einer Anlage wird wesentlich durch die vegetationstechnischen Arbeiten geprägt. Fachgerecht geplant und ausgeführt, verbessert eine attraktive Bepflanzung die Qualität einer Freifläche.

Daher beruhen die Kompetenzen der Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner insbesondere auf ihrer umfassenden Kenntnis der Pflanzen. Ihre Ansprüche an den richtigen Standort müssen bedacht sein, um ein nachhaltiges Wachsen und Gedeihen zu ermöglichen. Dabei spielen Lichtverhältnisse, Umgebungstemperatur, Luftfeuchte und Bodenbeschaffenheit eine entscheidende Rolle. Eine kompetente Pflege ist immer erforderlich, um den Charakter sowie die Ziele der Grünräume zu sichern. Die Intensität der Kultivierung ist abhängig von der Gestaltungsidee, der standortgerechten Pflanzenverwendung und der Berücksichtigung der Pflanzenentwicklung. Obendrein verfügen die GaLaBau-Profis über ein profundes Wissen im Einsatz unterschiedlichster Materialien, wie Naturstein, Beton, Holz, Metall oder Glas.

Über die klassischen Tätigkeitsgebiete hinaus, haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend neue Aufgabenbereiche herausgebildet: Dazu gehören Schwimmteiche, naturnahe und seniorengerechte Gärten, das Regenwassermanagement oder der Einbau von automatischen Beregnungsanlagen und Lichtinstallationen.

Optimistischer Blick nach vorn
Die Betriebe des GaLaBaus verzeichnen aller Voraussicht nach 2023 ein solides Geschäftsjahr. Dennoch ist die Stimmung getrübt. Dies geht aus den Ergebnissen der aktuellen Herbstumfrage des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) hervor, die auch für Bayern ein ambivalentes Bild zeichnet.

Einerseits beurteilen 95 Prozent der an der Umfrage beteiligten Mitglieder des VGL Bayern ihre gegenwärtige Geschäftslage als „Gut“ oder „Befriedigend“. Für lediglich fünf Prozent ist die Lage „Schlecht“. Demnach bewertet momentan die große Mehrheit der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer die eigene wirtschaftliche Situation positiv. Dies spiegelt sich ebenfalls in der Zahl der Beschäftigten wider: Wie gegen Ende 2022 werden derzeit durchschnittlich 18 Mitarbeitende pro Betrieb beschäftigt. Andererseits breitet sich auf Grund hoher Kosten für Material, Energie und Personal, dem Mangel an Fachkräften sowie der ausufernden Bürokratie auch in dieser Branche eine Verunsicherung aus. Hinzu kommt der deutliche Rückgang im Wohnungsbau. Betroffen von den Investitionszurückhaltungen ist neben der Bauwirtschaft auch der GaLaBau.

So schätzen elf Prozent der Befragten zurzeit ihre Auftragslage im Verhältnis zum Vorjahreszeitraum als „besser“ ein (2022: ebenfalls 11 Prozent). Für 54 Prozent ist die Situation „gleich“ (2022: 68 Prozent) jedoch für 35 Prozent „schlechter“ (2022: 21 Prozent). Im Bereich „Neubau und Umbau“ sind die Fachbetriebe durchschnittlich 19 Wochen ausgelastet, eine Woche weniger als im Vorjahresherbst. Wie 2022 reichen die Pflegeaufträge für elf Wochen.

Auch wenn zurzeit die Skepsis überwiegt. Beim Blick in die Zukunft hellt sich die Stimmung der Firmen auf: Auf die Frage nach den Branchenaussichten für die nächsten fünf Jahre antworten 33 Prozent mit den Schulnoten 1 oder 2. 2022 sagten dies 24 Prozent. Die Note 3 vergeben 45 Prozent (2022: 49 Prozent). Noch besser stufen die Befragten die Entwicklungspotenziale für ihren eigenen Betrieb in den kommenden fünf Jahren ein: Hier votieren 51 Prozent für 1 oder 2 (2022: 39 Prozent), 40 Prozent für 3 (2022: 43 Prozent).

Zukunft mit Wachstum
Trotz der derzeitigen konjunkturellen Schwäche befinden sich die Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner in keiner strukturellen Krise. Im Gegenteil, die Aussichten sind gut und verheißen weiteres Wachstum. Zurecht, denn die Geschäftsfelder haben Auftragspotenzial für Jahrzehnte – nicht zuletzt durch notwendige Anpassungsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Klimawandel und dem Erhalt der Biodiversität. Bei der Transformation der Städte und Gemeinden hin zu mehr blau-grüner Infrastruktur sind die Experten mehr denn je gefragt: zum Beispiel in der Gebäudebegrünung, beim Einsatz klimaresilienter Pflanzen oder in der Flächenentsiegelung zum Schutz vor Starkregenereignissen.

Grüner Mehrwert für Generationen
Ein Beispiel moderner, nachhaltiger Stadt- und Regionalentwicklung sind die bayerischen Landesgartenschauen (LGS). Über die Großveranstaltungen hinaus stehen ihre Grün- und Freianlagen dauerhaft zur Verfügung. Seen, Parks, Pflanzbeete, Spiel- und Sportplätze schaffen wertvolle Erholungs- und Bewegungsräume. Sie steigern die Lebensqualität für Bürgerinnen und Bürger sowie die Lebensbedingungen für Flora und Fauna. Die Investitionen bewirken somit einen langfristigen Mehrwert in ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller Hinsicht. Mit ihrer Expertise tragen die GaLaBau-Betriebe bereits seit 1980 in Neu-Ulm wesentlich dazu bei.

Die Gemeinde Kirchheim bei München lädt von 15. Mai bis 6. Oktober 2024 zur nächsten LGS ein. Unter dem Motto „Zusammen.Wachsen“ wird der mehr als zehn Hektar große neue Ortspark verdeutlichen, dass sich Stadtentwicklung und die Schaffung von öffentlichem Grün hervorragend miteinander verbinden lassen. Außerdem stehen knapp vier Hektar an temporären Flächen zur Verfügung. Hier präsentiert sich der VGL Bayern gemeinsam mit 18 Mitgliedsbetrieben. Alle zusammen werden mit ihren Ideen zu Gartengestaltung und Landschaftsbau den Gästen eine Fülle an Inspirationen bieten. Von großer Bedeutung sind die 17 vielversprechenden Themengärten. Sie zeigen, was im privaten Grün alles möglich ist. Ob Insektengarten, Terrasseneinfassungen, Trockenmauern, Schwimmteiche oder ein typisch britischer Tee-Garten: Der Fantasie und dem Fachwissen der Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner sind keine Grenzen gesetzt. Darüber hinaus engagiert sich der bayerische Verband mit einem eigenen Pavillon.

Die Präsidenten des VGL Bayern seit seiner ursprünglichen Gründung 1963:
- 1963 – 1970: Oskar Augustin
- 1970 – 1976: Rudolf Eirich
- 1976 – 1985: Volker May
- 1985 – 1997: Hermann Kutter
- 1997 – 2006: Manfred Virgens
- 2006 – 2018: Ulrich Schäfer
- Seit 2018: Gerhard Zäh

 

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