Herausforderungen und Chancen für die Landwirtschaft 2030
Die Landwirtschaft steht vor der Herausforderung, im internationalen Wettbewerb wirtschaftlich zu bestehen. Dies erfordert eine Steigerung der Erträge bei gleichzeitiger Minimierung der Umweltbelastungen. Zudem müssen Tierhaltungssysteme effizienter gestaltet und gesellschaftlich akzeptiert werden.
DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer betonte auf der DLG-Wintertagung 2017 in Hannover, dass diese Ziele nicht durch eine bloße Fortschreibung bisheriger Konzepte erreicht werden können. Es sei notwendig, die Weichen für einen Modernisierungspfad der Landwirtschaft bis 2030 zu stellen. Dies bedeute nicht, die bisherige Landwirtschaft grundlegend zu ändern, sondern erfordere Landwirte, die bereit sind, Optimierungspfade kritisch zu hinterfragen und mutig zur Selbstkorrektur sind.
Wer selbstkritisch und zu Korrekturen bereit ist, dem werde Vertrauen und damit auch Handlungsfreiheit übertragen, verantwortungsvoll natürliche Ressourcen zu nutzen, mit Tieren umzugehen. Wer kein Vertrauen genießt, wird mit Regulierungen und Kontrollen überzogen, die uns letztlich das wichtigste nehmen, unsere gestalterische Kraft.
Bartmer sprach sich für ein innovationsfreundliches Umfeld aus. Die gesamte Breite des Wissens müsse genutzt werden, um die Möglichkeiten zu erweitern – von klassischen Instrumenten der Ackerkultur bis zu neuen Sorten, von intelligenten Haltungssystemen bis zu ausgewogener Tiergenetik. Diese Weichenstellungen beträfen nicht nur die Landwirtschaft, sondern die gesamte Gesellschaft.
Stefan Teepker, ein Tierhalter aus Handrup, sieht in der integrierten Produktion und der Digitalisierung, neben Tierwohlaspekten, die wesentlichen Trends der kommenden Jahre. Er hebt die Vorteile des Arbeitens in der Kette hervor, insbesondere die Sicherheit, dass nur produziert wird, was bereits verkauft ist. In Verbindung mit der Digitalisierung erwartet er Potenziale bei Vermarktung, Preisgestaltung und Alleinstellungsmerkmalen. Die Digitalisierung könne auch die Dokumentation automatisieren und Big Data zu besserer Tiergesundheit und Leistung führen.
Teepker ist sich bewusst, dass es immer Kritiker der Tierhaltung geben wird. Daher sei es wichtig, Erfolge messbar zu machen und die Möglichkeiten aufzuzeigen. Er sieht in maximaler Transparenz den Weg, den Dialog mit der Gesellschaft zu gestalten.
Hubertus Paetow, Marktfruchterzeuger aus Finkenthal-Schlutow, betont die Notwendigkeit, Verantwortung für Fehlentwicklungen zu übernehmen, Nachhaltigkeit als unternehmerische Herausforderung anzugehen und Compliance in die Betriebsphilosophie zu integrieren. Er empfiehlt, Fruchtfolgen zu überdenken und mit neuen Verfahren zu optimieren. Paetow ruft dazu auf, neuen Techniken offen gegenüberzustehen und diese anzuwenden, und verweist auf die positiven Effekte moderner Düngetechnik.
Obwohl neue Techniken höhere Kosten verursachen können, sollte dies nach Paetow einen "ehrbaren" Unternehmer nicht davon abhalten, nachhaltigere Verfahren zu wählen.
Bioland-Präsident Jan Plagge sieht in der doppelten Wertschöpfung eine Chance für die Landwirtschaft: als Lebensmittelproduzent für den heimischen Markt und als Anbieter am wachsenden Markt für öffentliche Güter. Für Letzteres sei eine gesellschaftlich getragene Forschung und Entwicklung erforderlich. Plagge plädiert dafür, die Entwicklung der Landwirtschaft ganzheitlich zu betrachten. Für die Landwirtschaft 2030 stehe die Systementwicklung im Vordergrund. Innovative Ackerbausysteme müssten beispielsweise reduzierte Bodenbearbeitung, Fruchtfolgemanagement und betriebliches Nährstoffmanagement berücksichtigen. Im Sinne der Nachhaltigkeit sei eine kontinuierliche Analyse und Optimierung unerlässlich.
