Naturschutz

Neues Agrarsystem ohne chemischen Pflanzenschutz im Fokus der Forschung

Ein neues Agrarsystem ohne chemischen Pflanzenschutz soll Erträge sichern und Umweltbelastungen senken. Das Forschungsprojekt NOcsPS kombiniert digitale Technik, angepasste Fruchtfolgen und Mineraldüngung, um eine Alternative zwischen Öko- und konventioneller Landwirtschaft zu schaffen.

Anbausystem zwischen Öko und konventioneller Landwirtschaft

Mit dem Verbundprojekt „LaNdwirtschaft 4.0 Ohne chemisch-synthetischen PflanzenSchutz“ (NOcsPS) arbeitet ein Forschungskonsortium unter Leitung der Universität Hohenheim an einem neuen Agrarsystem. Ziel ist es, eine Alternative zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft zu entwickeln, die ohne chemische Pflanzenschutzmittel auskommt, aber weiterhin Mineraldünger nutzt.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 5,3 Millionen Euro geförderte Projekt vereint Partner aus Wissenschaft und Forschung, darunter das Julius Kühn-Institut und die Universität Göttingen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines Systems, das hohe Erträge mit Umweltverträglichkeit verbindet.

Systemansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Die NOcsPS-Anbausysteme werden umfassend untersucht – von der Pflanzenzüchtung über den Anbau bis hin zur Produktqualität und Vermarktung. Neben Feldversuchen und Laboranalysen fließen auch betriebswirtschaftliche Bewertungen, Umweltanalysen und gesellschaftliche Aspekte in die Forschung ein.

Verglichen werden mehrere Anbausysteme, darunter konventionelle, ökologische und neu entwickelte NOcsPS-Varianten. Diese setzen auf angepasste Fruchtfolgen mit Getreide, Mais, Eiweißpflanzen und Zwischenfrüchten, um präventiven Pflanzenschutz und Humusaufbau zu fördern.

Smart Farming als Schlüsseltechnologie

Ein zentraler Bestandteil des Ansatzes ist der Einsatz digitaler und automatisierter Technologien. Ohne chemischen Pflanzenschutz gewinnen mechanische Verfahren wie präzise Hacktechnik sowie optimierte Saat- und Düngeverfahren an Bedeutung.

Darüber hinaus werden neue Prognosemodelle entwickelt, um den Befall durch Schädlinge und Krankheiten frühzeitig zu erkennen und gezielt mit biologischen Maßnahmen oder züchterischen Ansätzen reagieren zu können.

Auswirkungen auf Umwelt und Ertrag im Fokus

Die Versuche untersuchen detailliert, wie sich das System auf Pflanzenwachstum, Erträge sowie auf Unkräuter und Schaderreger auswirkt. Ebenso werden Effekte auf Bodenqualität, Biodiversität und bestäubende Insekten analysiert.

Auf Basis der gewonnenen Daten erstellen die Forschenden Ökobilanzen, um Umweltwirkungen wie Klimaschutzbeiträge und Wasserschutz systematisch zu bewerten.

Marktpotenzial und wirtschaftliche Bewertung

Neben agronomischen Aspekten spielt die Produktqualität eine entscheidende Rolle. In Zusammenarbeit mit Unternehmen werden relevante Eigenschaften für die Weiterverarbeitung analysiert, etwa für Backwaren oder pflanzliche Eiweißprodukte.

Zudem werden Kostenstrukturen, Risiken und Marktchancen untersucht. Das neue System könnte dazu beitragen, die bislang getrennten Märkte für konventionelle und ökologische Produkte stärker zusammenzuführen und neue Perspektiven für eine nachhaltige Landwirtschaft zu eröffnen.

19.06.2019

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