Winterliche Gartenstrukturen neu entdecken
Während der warmen Jahreszeiten dominieren im Garten Pflanzen mit ihren Blüten, Blättern und Früchten. Sie schaffen Blickpunkte, Tiefe und Räume. Im Winter jedoch verändert sich dieses Bild. Laubbäume zeigen ihr kahles Geäst, Stauden stehen trocken und Rosen sind zurückgeschnitten. Dies führt oft dazu, dass Gärten in der kalten Jahreszeit als trist empfunden werden, es sei denn, Schnee oder Frost sorgen für eine besondere Atmosphäre.
Leider empfinden viele Gartenbesitzerinnen und -besitzer die Winterzeit dadurch eher als trostlos und trist. Das ändert sich nur, wenn Schnee die Erde bepudert oder Frost in der Sonne glitzert. Doch ohne diesen winterlichen Zauber können viele ihrem Grundstück nur wenig abgewinnen.
Pia Präger vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportbau (BGL) weist darauf hin, dass ein durchdacht angelegtes Grundstück im Winter neue Strukturen offenbart, die dem Garten ein anderes Erscheinungsbild verleihen.
Bauliche Elemente und ihre Wirkung
Im Winter treten vor allem bauliche Elemente in den Vordergrund. Wege erhalten eine hohe gestalterische Bedeutung. Ihre Materialwahl und Führung beeinflussen die Wirkung des Gartens maßgeblich. Geschwungene Wege leiten den Blick lebhaft über das Grundstück, während gerade verlaufende Wege eine klare Gliederung schaffen, Räume definieren und Sichtachsen bilden. Auch Treppen und Terrassen prägen den winterlichen Garten eindrucksvoll. Bereiche, die zuvor durch Pflanzen verdeckt waren, werden nun sichtbar.
Mit geschickt platzierten Hecken, größeren Gehölzen und Gräsern gestalten Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner Rückzugsorte mit Privatsphäre. Dort lässt es sich im Sommer herrlich entspannen oder im Gardenoffice arbeiten.
Ein weiterer Tipp von Pia Präger ist, Stauden im Herbst stehen zu lassen und erst im Frühjahr zurückzuschneiden. Die Samenstände dienen Vögeln als wichtige Nahrungsquelle, und Insekten überwintern in den Stängeln oder legen dort ihre Eier ab. Abgestorbene Pflanzenteile bieten zudem eine Dämmung für den Boden und Unterschlupf für Kleintiere. Stauden verleihen dem Garten auch im zugereiften oder zugeschneiten Zustand Struktur.
Die Bedeutung von Immergrünen
Immergrüne Pflanzen behalten ihr Laub das ganze Jahr über und sorgen so für Farbe im winterlichen Garten. Während sie von Frühling bis Herbst oft als Hintergrund dienen oder Sichtschutz bieten, haben sie im Winter ihren großen Auftritt. Als Hecke strukturieren sie den Garten, und als Solitärpflanzen können sie kunstvolle Blickpunkte bilden.
Gestalterisch ist mit Immergrünen fast alles möglich und auch farblich haben sie weitaus mehr zu bieten als viele meinen. Denn auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag, ist das Sortiment nicht monoton, sondern erstaunlich vielfältig. Es findet sich die ganze Bandbreite an Grüntönen, darunter auch blaugraue oder interessant panaschierte Nadelkleider.
Wildfruchthecken für Artenvielfalt
Hecken, insbesondere Wildfruchthecken, sind wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen für Vögel. Viele heimische Gehölze tragen im Winter zur Ernährung der überwinternden Vögel bei. Daher sind Wildfruchthecken in den letzten Jahren verstärkt gefragt. Je nach Gartengröße und Heckenlänge kommen hier Arten wie Kornelkirsche (Cornus mas), Felsenbirne (Amelanchier), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), verschiedene Schneeball-Arten (Viburnum), Sanddorn (Hippophae) und Berberitzen (Berberis) zum Einsatz.
Auch im Winter ist Artenvielfalt im Garten wichtig. Dabei ist das Ziel ein gutes Miteinander von heimischen und nicht-heimischen Gewächsen. Gleichzeitig ist zu beachten, dass viele heimische Gehölze Insekten und Vögel ernähren und ihnen Schutz bieten können. Zudem sind sie robuster, da sie an die hiesigen Witterungsbedingungen angepasst sind.
Für die Auswahl geeigneter Pflanzen empfiehlt sich die Beratung durch Experten im Garten- und Landschaftsbau. Diese Fachleute kennen sich mit Blattfarbe, Wuchseigenschaften, Größe und Standortansprüchen aus und wissen, wie Gehölze im winterlichen Garten wirkungsvoll eingesetzt werden können.

