Mitmachaktion von NABU und LBV lädt zur Vogelzählung im Winter ein
Der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), rufen erneut zur bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ auf. Vom 10. bis zum 12. Januar können Naturinteressierte eine Stunde lang Vögel im Garten, im Park oder auf dem Balkon beobachten und ihre Ergebnisse melden. Die Mitmachaktion gilt als Deutschlands größte wissenschaftliche Bürgerzählung zur Vogelbeobachtung.
Die gesammelten Daten liefern wichtige Hinweise auf den Zustand der heimischen Vogelwelt. Besonders nach den heißen und trockenen Sommern der vergangenen Jahre erwarten Naturschützer aufschlussreiche Ergebnisse.
„Nach dem zweiten Rekordsommer in Folge könnte die Zählung Aufschluss darüber geben, wie sich anhaltende Dürre und Hitze auf die heimische Vogelwelt auswirken“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse.“
Ungewöhnlich viele Eichelhäher erwartet
In diesem Jahr richtet sich ein besonderes Augenmerk auf den Eichelhäher. Im Herbst wurde ein ungewöhnlich starker Einflug dieser Vogelart aus Nordosteuropa nach Deutschland und Mitteleuropa beobachtet.
Im September wurden mehr als zehnmal so viele Eichelhäher registriert wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Im Oktober lagen die Zahlen sogar etwa sechzehnmal höher als üblich. Ähnlich hohe Werte wurden zuletzt im Jahr 1978 festgestellt.
Als Ursache vermuten Ornithologen eine sogenannte Eichelvollmast in Nordosteuropa. Dort gab es besonders viele Eicheln, wodurch mehr Eichelhäher den Winter überleben und erfolgreich brüten konnten. Ein Teil dieser Population ist anschließend in andere Regionen ausgewichen, weil die Nahrung in den Herkunftsgebieten nicht für alle Tiere ausreichte.
Die Wintervogelzählung könnte nun zeigen, wo sich diese Vögel verteilt haben. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich viele Tiere in Wäldern und Gärten in Deutschland angesiedelt haben.
Chance auf seltene Beobachtungen
Neben häufigen Arten könnten auch seltenere Gäste entdeckt werden. Dazu zählt beispielsweise der Hakengimpel, ein finkenartiger Vogel aus der nördlichen Taigazone. In diesem Herbst wurde er ungewöhnlich häufig weit südlich seines üblichen Verbreitungsgebietes beobachtet.
Besonders in Gärten mit Vogelbeerbäumen könnten diese auffällig gefärbten Vögel mit ihren charakteristischen weißen Flügelstreifen auftauchen.
So funktioniert die Teilnahme
Wer teilnehmen möchte, beobachtet eine Stunde lang die Vögel an einem ruhigen Standort – etwa am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park. Gezählt wird dabei von jeder Vogelart die höchste Anzahl, die innerhalb dieser Stunde gleichzeitig zu sehen ist.
Die Ergebnisse können anschließend online bis zum 20. Januar gemeldet werden. Zusätzlich steht am 11. und 12. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr eine kostenlose Telefonhotline zur Verfügung.
- Beobachtungszeit: eine Stunde
- Ort: Garten, Balkon, Park oder Futterstelle
- Gezählt wird die höchste gleichzeitig beobachtete Anzahl pro Art
- Meldung online oder telefonisch
Große Beteiligung bei der letzten Zählung
Bei der Wintervogelzählung im Januar 2019 beteiligten sich mehr als 138.000 Menschen. Insgesamt gingen Meldungen aus rund 95.000 Gärten und Parks ein.
Der Haussperling belegte dabei den ersten Platz als häufigster Wintervogel in deutschen Gärten. Auf den weiteren Plätzen folgten Kohlmeise und Feldsperling.
Aktion auch für Schulen
Begleitend findet vom 6. bis 10. Januar die „Schulstunde der Wintervögel“ statt. Die NAJU, die Jugendorganisation des NABU, stellt dafür Zählkarten, Poster und ein Wintervogel-Quiz für Schulklassen und Kindergruppen bereit.
In verschiedenen Aktionen lernen Kinder heimische Vogelarten kennen und erfahren mehr über ihre Anpassungen an die kalte Jahreszeit. Auch diese Beobachtungen fließen in die wissenschaftliche Auswertung der Wintervogelzählung ein.
