Ökologische Bedeutung und Gefährdung
Das Umweltbundesamt (UBA) hat anlässlich des Weltwassertages den sandigen Tieflandbach zum Gewässertyp des Jahres 2018 ernannt. Diese Bäche sind häufig durch menschliche Eingriffe wie Begradigung, Verlegung und Vertiefung verändert worden, um Auen zu entwässern und landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Infolgedessen gelten nur noch 30 Prozent der sandigen Tieflandbäche als „natürlich“, und lediglich drei Prozent befinden sich in einem naturnahen, guten ökologischen Zustand.
Sandige Tieflandbäche stellen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Arten dar. Zu den typischen Bewohnern zählen der Gründling, ein kleiner Speisefisch, und der Biber. Zwischen Brunnenkresse und Schwarzerlenwurzeln ist die Bachmuschel zu finden, die einst weit verbreitet war und heute auf der „Roten Liste“ der bedrohten Arten steht. Der Gewässertyp des Jahres 2018 verdeutlicht somit die Notwendigkeit eines besseren Schutzes für Gewässer, die noch keinen guten ökologischen Zustand erreicht haben.
Herausforderungen und ökologische Defizite
Aktuelle Studien des Umweltbundesamtes, „Gewässer in Deutschland – Zustand und Bewertung“ und „Wasserwirtschaft in Deutschland“, belegen den Zustand dieser Gewässer. Da sandige Tieflandbäche oft in intensiv genutzten Regionen vorkommen, zählen sie zu den naturfernsten Gewässertypen in Deutschland. Ökologisch intakte Abschnitte sind selten geworden. Wo sich früher Bäche schlängelten, dominieren heute landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die ursprünglichen Auen sind verschwunden, und die Bäche dienen oft als begradigte Entwässerungsgräben.
In solchen Bereichen sind Arten wie Gründling, Biber und Bachmuschel kaum noch anzutreffen. Wehre zur Regulierung des Grundwasserstands trennen Lebensgemeinschaften und stauen Wasser auf. Eine zu dichte Bewirtschaftung der Felder am Ufer ohne schützende Bäume und Sträucher führt dazu, dass bei Regen Feinsand in den Bach gelangt. Dieser bedeckt Kiesbänke, wodurch Lebensräume und Laichplätze verloren gehen. Auch Nährstoffe und Pestizide können in die Gewässer eingetragen werden. Regelmäßiges Mähen von Ufern und Böschungen sowie das Entfernen von Wasserpflanzen und Totholz tragen zur Verarmung der Lebensräume bei.
Maßnahmen zur Renaturierung und Schutz
Die ehemals vielfältigen Lebensräume sind heute oft eintönig. Das Anpflanzen von Bäumen und Sträuchern kann diesen Zustand verbessern. Oft genügt es, die natürliche Entwicklung zuzulassen, indem Äste und Stämme im Bach verbleiben. Entscheidend ist, dass die Bäche beidseitig ausreichend Platz erhalten, um sich bei Hochwasser naturnah auszudehnen. Solche Gewässerentwicklungsflächen können auch als Schutz vor Schadstoffen von Äckern, Wegen und Straßen dienen.
Eine zu intensive Landnutzung steht diesen Maßnahmen entgegen. Das UBA empfiehlt daher, Gewässerentwicklungsflächen verbindlich auszuweisen, insbesondere dort, wo Nutzungen nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Die öffentliche Hand sollte ein Vorkaufsrecht für diese Flächen erhalten, um dauerhaft Räume für Hochwasserschutz, Erholung, Gewässerentwicklung und Gewässerschutz zu sichern.
Hintergrund des Weltwassertages
Der Weltwassertag 2018 stand unter dem Motto „Natur für Wasser“. Er wird seit der Weltkonferenz „Umwelt und Entwicklung“ 1992 in Rio de Janeiro jährlich begangen. Im Jahr 2018 wurde dazu aufgerufen, die Potenziale der Wasserökosysteme naturnäher zu nutzen. Wälder, Wiesen und Feuchtgebiete fungieren als natürliche Wasserspeicher und -filter. Intakte Auen können Hochwasser zurückhalten und zählen zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde. Diese „Grünen Infrastrukturen“ können technische Bauwerke ergänzen oder ersetzen und Umweltauswirkungen mindern.
