Anspruchsvolle Pflege vom Setzling bis zum fertigen Baum
Ein formschöner Weihnachtsbaum, wie er ab dem ersten Advent im Handel erhältlich ist, entsteht selten im heimischen Garten. Für Hobbygärtner ist es eine Herausforderung, über einen Zeitraum von acht bis zwölf Jahren eine Tanne, Fichte oder Kiefer zu einem repräsentativen Baum heranzuziehen.
Der in den Augen der Verbraucher perfekte Weihnachtsbaum, entsteht nicht von allein.
Dies betont Helmut Stoll, dessen Familie seit Generationen Weihnachtsbäume auf der Schwäbischen Alb anbaut. Er vergleicht den Aufwand mit dem eines Winzers im Weinberg und schätzt, dass er jeden Baum während seiner Aufzucht rund 40 Mal betreut. Für einen Hektar Weihnachtsbaumpflanzung werden jährlich etwa 80 Arbeitsstunden investiert.
Die Auswahl der Jungpflanzen in der Baumschule erfordert ein geschultes Auge. Wichtig sind die Anzahl und Verteilung der Knospen, das Verhältnis von Spross zu Wurzel, ein dicht verzweigtes Wurzelsystem sowie die Abwesenheit von Harzfluss an der Pflanze. Nach der Pflanzung beginnt die intensive Pflege.
Über die Jahre hinweg müssen Gräser und Kräuter regelmäßig gestutzt werden, um den Bäumen ausreichend Licht, Wasser und Nährstoffe zu sichern. Im Mai erfolgt der Formschnitt älterer Bäume. Eine kontinuierliche Begutachtung dient der frühzeitigen Erkennung von Schädlingen wie Blattläusen, Milben und Pilzen. Ein Freischnitt der Stümpfe reduziert zudem die Gefahr von Pilzerkrankungen.
Familienbetriebe, die im Verband natürlicher Weihnachtsbaum e.V. (VNWB) organisiert sind, unterstützen die natürliche Selbstregulierung durch Bienen- und Insektenhotels sowie Nisthilfen für Vögel in ihren Kulturen. Zwischen dem sechsten und neunten Lebensjahr sorgen Fachkräfte dafür, dass die Bäume ihre klassische Form behalten. Dies beinhaltet das Kürzen äußerer Triebe und das manuelle Eindämmen zu langer Höhentriebe. Trotz aller Fachkenntnis und Pflege rechnen die Weihnachtsbaumproduzenten mit Ausfällen zwischen Pflanzung und Ernte.
Herausforderungen durch Witterung und Standort im Anbau
Die Bäume sind den Witterungsbedingungen schutzlos ausgesetzt. Später Frost während des Austriebs kann eine gesamte Baumgeneration schädigen, ebenso wie langanhaltende Trockenheit und extreme Wetterereignisse. Im privaten Gartenbau werden Bäume oft auf ungeeigneten Böden und Standorten gepflanzt. Eine zu dichte Reihung ohne ausreichenden Entfaltungsspielraum ist ein häufiger Fehler.
Zudem bleiben oft notwendige Pflegemaßnahmen wie Bodenlockerung und das Entfernen konkurrierender Gräser und Kräuter aus. Formschöne Weihnachtsbäume erfordern ein hohes Maß an Fachwissen und einen erheblichen Zeitaufwand über viele Jahre hinweg, wie die Spezialisten des VNWB bestätigen.
