Naturschutz

Fledermäuse als Indikatoren für den Erhalt von Streuobstwiesen

Ein Forschungsprojekt untersuchte Fledermäuse in Streuobstwiesen, um Strategien für deren Erhalt zu entwickeln. Die Analyse von Flugrouten und Beutespektren führte zu einem umfassenden Schutzkonzept, das auch finanzielle Umsetzungsstrategien beinhaltet.

Forschungsergebnisse und Schutzkonzepte für Streuobstwiesen

Im bundesweit größten Streuobstwiesengürtel zwischen Frankfurt/Main und dem Kinzigtal bei Gelnhausen wurden Fledermäuse über drei Sommer hinweg mit Sendern ausgestattet. Ziel war es, durch die Analyse von Flugrouten und Beutespektren Strategien für den Erhalt dieser Wiesen und Bäume zu entwickeln. Das Projekt, durchgeführt vom Streuobstzentrum Main ÄppelHaus Lohrberg (Frankfurt/Main) und dem Institut für Tierökologie und Naturbildung (Gonterskirchen), mündete in ein umfassendes Schutzkonzept, das auch finanzielle Umsetzungsstrategien beinhaltet.

Die Faszination für Fledermäuse soll genutzt werden, um Anwohner auf die Bedeutung von Streuobstwiesen als Lebensraum, Kulturgut, Wirtschaftszweig und Naturerlebnis aufmerksam zu machen. In der Projektregion konnten durch Netzfänge und akustische Aufzeichnungen 14 Fledermausarten nachgewiesen werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützte das Vorhaben mit 440.000 Euro.

Bedeutung der aktiven Pflege und Finanzierung

Streuobstwiesen sind alte Kulturlandschaften, deren Erhalt eine aktive Pflege erfordert. Dies umfasst die Bewahrung der ökologischen und ökonomischen Funktionen der Bäume, die Offenhaltung des Unterwuchses und das Schließen von Lücken im Baumbestand. Die Umsetzung praktischer Maßnahmen benötigt sowohl finanzielle Mittel als auch eine an die lokale Situation angepasste fachliche Förderung. Die Einbindung der Eigentümer auf freiwilliger Basis hat sich dabei als entscheidend erwiesen.

„Da es sich bei Streuobstwiesen um alte Kulturlandschaften handelt, ist die aktive Pflege durch den Menschen unerlässlich, um die Bäume in ihrer ökologischen und ökonomischen Funktion zu erhalten, den Unterwuchs offen zu halten und natürlich entstandene Lücken im Baumbestand zu schließen. Das Umsetzen praktischer Maßnahmen muss dabei einerseits durch finanzielle Mittel, anderseits durch eine an die lokale Situation angepasste fachliche Förderung erfolgen.“

Leitsätze für den Erhalt artenreicher Streuobstwiesen

Basierend auf den Fledermausuntersuchungen wurden Leitsätze entwickelt, die aufzeigen, wie und wo Wiesen und Bäume gepflegt werden müssen, um eine artenreiche Streuobstwiese zu erhalten. Es wird empfohlen, alte Bestände durch das Anlegen neuer Streuobstwiesen zu erweitern und diese an andere Biotope wie Wald und Gewässer anzubinden.

Nachtaktive Fledermäuse benötigen Heckenstreifen, Baumgruppen oder Alleen zur Orientierung auf ihren Flügen zu den Streuobstwiesen. Ohne diese Strukturen finden sie die Wiesen nicht. Im Projekt wurde daher die Verbindung zwischen Schlafhöhlen im Wald und Beutegebieten auf Streuobstwiesen durch das Anpflanzen standorttypischer Gehölze verbessert. Zudem ist es wichtig, die Flächen zu mähen und zu beweiden. Brachflächen und Büsche sollten nur kleinflächig vorhanden sein, da sie das Lebensraummosaik erhöhen und zur Artenvielfalt beitragen.

Ein niedriger Bewuchs erleichtert die Jagd auf Beutetiere. Der Kot von Weidetieren erweitert das Beutespektrum für Fledermäuse sowie für andere Säugetiere und Vogelarten um Insekten wie Mistkäfer und Dungfliegen. Für ertragreiche und alterungsfähige Obstbäume ist ein gezielter Baumbeschnitt notwendig. Extensives Beschneiden sichert den Erhalt der Bäume bis ins hohe Alter und gewährleistet, dass Totholz und Baumhöhlen als Rückzugsort für zahlreiche Tiere erhalten bleiben.

Finanzielle Anreize und Engagement

Flächenbesitzer können sich Schutzmaßnahmen, wie das Erweitern oder Neuanlegen von Streuobstwiesen, in Form von Öko-Punkten gutschreiben lassen. Diese Punkte können bei späteren Eingriffen in Natur und Landschaft als Ausgleichsmaßnahme angerechnet oder an Dritte verkauft werden, die eine Ausgleichsleistung erbringen müssen. Die Idee dahinter ist, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen dort durchzuführen, wo sie ökologisch sinnvoll sind. Die Anerkennung muss regional mit jeder Naturschutzbehörde abgestimmt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist das Sponsoring, das die direkte Umsetzung von Maßnahmen ermöglicht und gleichzeitig Verantwortungsbewusstsein fördert. Auch privates Engagement ist von Bedeutung, da viele Flächen in privater Hand sind. Aus dem DBU-Projekt entstand das „Äppelnetz“ des MainÄppelHauses, das Streuobstwiesenbesitzer vernetzt und Fragen zur richtigen Pflege und Ernte beantwortet.

Im Projekt wurde großer Wert auf intensive Öffentlichkeitsarbeit gelegt. Fledermäuse können insbesondere bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an Streuobstwiesen und am Naturschutz wecken. Durch die Fledermäuse soll der Nachwuchs frühzeitig eine emotionale Bindung zu heimatlichen Lebensräumen sowie deren Tieren und Pflanzen aufbauen, um im Erwachsenenalter die Bereitschaft zum aktiven Erhalt dieser Biotope zu fördern.

20.02.2013

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