Bedeutung von Naturräumen für die kindliche Entwicklung
Die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) fordert eine stärkere Berücksichtigung von Naturräumen in Städten, um die Entwicklung und Gesundheit von Kindern zu fördern. Zahlreiche Studien belegen die Bedeutung naturnaher Freiräume für die motorischen und emotionalen Fähigkeiten Heranwachsender. In vielen Ballungszentren mangelt es jedoch an solchen Flächen, was gravierende gesundheitliche Folgen haben kann.
In Deutschland ist die Verfügbarkeit von Grünflächen oft vom sozialen Status abhängig. Sozial benachteiligte Menschen, insbesondere solche mit Migrationshintergrund, leben häufig in Vierteln ohne Naturräume, oft in der Nähe von stark befahrenen Straßen.
Leider gehört es zur deutschen Lebensrealität des Jahres 2013, dass der soziale Status die Lebensqualität bestimmt: Grün wohnt, wer es sich leisten kann. Sozial benachteiligte Menschen, insbesondere auch solche mit Migrationshintergrund, wohnen deshalb oft in Vierteln ohne Naturräume, meist noch dazu in der Nähe stark befahrener und lauter Straßen.
Dies betont Robert Spreter, Leiter des Kommunalbereiches der DUH. Er weist darauf hin, dass in Städten oft erst Platz für Natur geschaffen werden muss. Als positives Beispiel nennt er Bad Hersfeld, wo fünf Hektar Industriefläche in einen Park umgewandelt wurden. Häufig fehle es jedoch an Mut und finanziellen Mitteln für solche Projekte.
Ein Mangel an Naturräumen wirkt sich negativ auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern aus. Betonlandschaften bieten keine Anreize für Bewegung und Spiel im Freien, was zu Übergewicht und Immunschwächen führen kann. Zudem leiden viele Jugendliche vermehrt an Aufmerksamkeitsstörungen, motorischen Defiziten und emotionaler Instabilität. Forscher warnen bereits vor einer "Naturdefizitstörung" (Claßen 2011, Louv 2011).
Die DUH betont die Notwendigkeit, den Wert von Stadtnatur für die Lebensqualität von Kindern und Erwachsenen anzuerkennen. Attraktives, naturnahes Stadtgrün, das alle Sinne anspricht, sollte in allen Stadtteilen gleichermaßen vorhanden sein. Die Menschen, insbesondere Kinder, sollten die Möglichkeit haben, ihr Wohnumfeld und die Stadtnatur mitzugestalten. Eine UNICEF-Studie zur Lage der Kinder in Industrieländern zeigt, dass Kinder oft nicht daran glauben, aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu können.
Im Rahmen ihres Projekts "Umweltgerechtigkeit durch Partizipation" unterstützt die DUH fünf Modellprojekte, die die bedarfsorientierte Gestaltung von Stadtnatur mit Kindern fördern. Ein Beispiel ist der Internationale Mädchengarten im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke. Dort gestalten Mädchen und junge Frauen einen naturbasierten Aktionsraum nach ihren Vorstellungen. Ihr Engagement reicht bis in den Stadtteil hinein, beispielsweise durch Foto-Aktionen zur Dokumentation von Defiziten.
Der Mädchengarten ist ein naturbasierter Aktionsraum, den Kinder nach ihren eigenen Vorstellungen immer weiterentwickeln. Mit Beteiligung und Begeisterung formen die Mädchen ihr persönliches Wohnumfeld mit. Das ist ein zukunftsweisender Ansatz der heranwachsenden Generation.
Robert Spreter hebt hervor, dass nicht immer teure Maßnahmen Kindern helfen. Vielmehr zählen selbstbestimmte, naturnahe Freiräume, Möglichkeiten zur Beteiligung und das Zuhören der Verantwortlichen. Das Projekt "Umweltgerechtigkeit durch Partizipation" wird vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt gefördert.
