Allgemeines

„Werkstattlose Handwerker“ prägen das Bauhandwerk

Der hagebau report 2015 beleuchtet das Phänomen der „werkstattlosen Handwerker“, die sich im Wettbewerb mit traditionellen Handwerksbetrieben etabliert haben. Eine Studie zeigt die Gründe für diese Entwicklung auf und prognostiziert weiteres Wachstum.

Anstieg der „mobilen Generalisten“ im Bauhandwerk

Der hagebau report 2015 beleuchtet das Phänomen der „werkstattlosen Handwerker“ oder „mobilen Generalisten“, die sich im Wettbewerb mit traditionellen Handwerksbetrieben etabliert haben. Eine Studie zeigt die Gründe für diese Entwicklung auf: die Änderung der Handwerksordnung im Jahr 2004, die EU-Osterweiterung und der Trend vom „Do-it-yourself“ zum „Do-it-for-me“.

Die Entwicklungen stellen das Bauhandwerk in Deutschland vor große Herausforderungen und haben Auswirkungen auf den Fachhandel.

Dies erklärte Hartmut Goldboom, Geschäftsführer hagebau Fachhandel.

Zunahme „mobiler Generalisten“

Die vom hagebau Fachhandel beauftragte Studie der B+L Marktdaten GmbH belegt einen Anstieg der „mobilen Generalisten“. Im Jahr 2005 gab es 70.000 solcher Betriebe, während es 2014 bereits 120.000 waren. Ein wesentlicher Faktor für dieses Wachstum war die Reform der Handwerksordnung im Jahr 2004, die die Zahl der meisterpflichtigen Handwerke von 94 auf 41 reduzierte und 53 Handwerke zulassungsfrei machte.

Werkstattlose Handwerker sind kein kurzfristiger Trend. Sie bedeuten einen nachhaltigen Wandel des traditionellen Handwerks. Dieser Prozess wird sich verstärkt fortsetzen, denn viele der ‚mobilen Generalisten‘ betrachten ihre selbstständige Arbeit als erste Stufe für den Aufbau eines traditionellen Handwerksunternehmens.

Dies hob Goldboom hervor. Martin Langen, Geschäftsführer der B+L Marktdaten GmbH, ergänzte:

Der ‚mobile Generalist‘ von heute ist der traditionelle Handwerker von morgen.

Wachstum durch Kostenstruktur und Nachfrage

Im Jahr 2014 erwirtschafteten „mobile Generalisten“ einen Jahresumsatz von 14,7 Milliarden Euro. Prognosen gehen davon aus, dass dieser Wert bis 2020 auf knapp 20 Milliarden Euro steigen wird. Dieses Wachstum basiert auf einer optimalen Kostenstruktur im Vergleich zu traditionellen Handwerksbetrieben.

Da sie im Prinzip keine Verwaltungskosten oder Abschreibungen auf Gebäude und Maschinen mit in ihre Kalkulation einbeziehen müssen, werden sie insbesondere bei Montagearbeiten weiter an Marktanteilen gewinnen.

So Langen. Bei privaten Endkunden sind die Leistungen „mobiler Generalisten“ besonders bei Renovierungen und Sanierungen gefragt, häufiger als bei traditionellen Betrieben. Die Hauptzielgruppen sind dabei die 52- bis 60-Jährigen sowie die 28- bis 35-Jährigen. Deren Bereitschaft zum „Do-it-yourself“ hat abgenommen, was zu einer Professionalisierung des Bauens führt. „Mobile Generalisten“ bieten hierbei Leistungen aus einer Hand und setzen Nebenaufträge unkompliziert um.

Die Kundenzufriedenheit ist für „mobile Generalisten“ ein zentrales Werbemittel. 93 Prozent der befragten Betriebe gaben an, dass Mundpropaganda ihr wichtigstes Werbeinstrument ist.

„Do-it-for-me“ und seine Auswirkungen auf den Fachhandel

Die Etablierung „mobiler Generalisten“ und der Wandel im Bauhandwerk haben weitreichende Konsequenzen für den Fachhandel.

Wir rechnen mit einem Einkaufsvolumen von 7,9 Mrd. Euro im Jahr 2020.

Dies prognostizierte Goldboom. Er betonte, dass es sich lohne, diese „Potenzialkunden“ frühzeitig zu identifizieren und zu unterstützen, um Umsatzsteigerungen zu erzielen. Angesichts von über sieben Millionen Gebäuden in Deutschland, die laut Bundeswirtschaftsministerium älter als 35 Jahre sind, bestehe ein erheblicher Sanierungsstau. Dies verdeutliche die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Entwicklung in der Baubranche.

Über die Studie

Die Strukturanalyse wurde von der B+L Marktdaten GmbH im Auftrag der hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG erstellt. Die telefonische Befragung einer repräsentativen Stichprobe fand von Dezember 2014 bis Februar 2015 statt. Befragt wurden 177 „mobile Generalisten“ und 139 traditionelle Handwerker. Ziel war es, Erkenntnisse über betriebliche Strukturen, Leistungsspektren, Tätigkeiten, Material- und Informationsbeschaffung, Einkaufsverhalten, Auftrags- und Entscheidungsstrukturen sowie Bedürfnisse und Trends zu gewinnen.

07.10.2015

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

hagebau - Handelsgesellschaft für Baustoffe mbh & Co. KG

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29614Soltau
Deutschland

Tel.:+49 (0)5191/802-0
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