Erste PEFC-Zertifikate für Weihnachtsbaumkulturen in Deutschland vergeben

Naturschutz

Drei Weihnachtsbaumproduzenten aus dem Sauerland erhielten die ersten PEFC-Zertifikate für nachhaltige Weihnachtsbaumkulturen in Deutschland. Die Auszeichnung bestätigt die Einhaltung ökologischer, ökonomischer und sozialer Standards.

Pionierarbeit für nachhaltige Weihnachtsbaumproduktion

In Schmallenberg-Oberrarbach, Nordrhein-Westfalen, wurden am 19. Juni 2015 die ersten drei Zertifikate für PEFC-zertifizierte Weihnachtsbaumkulturen in Deutschland überreicht. Die Auszeichnungen gingen an drei Weihnachtsbaumproduzenten aus dem Sauerland. Sie bestätigen die Einhaltung der PEFC-Standards für Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen. Die Übergabe erfolgte durch Auditor Raimund Kaltenmorgen von der Zertifizierungsgesellschaft DIN CERTCO. Damit weisen die Betriebe transparent nach, dass ihre Weihnachtsbäume unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte nachhaltig erzeugt wurden.

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel, der die Initiative für ein unabhängiges Zertifikat zum Nachweis einer umweltfreundlicheren Produktion von Weihnachtsbäumen angestoßen hatte, nahm an der Zeremonie teil.

Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Unser Ziel ist weiterhin, dass Weihnachtsbäume auch ohne Pflanzenschutzmittel ökologisch verträglich angebaut werden können. Das Zertifikat ist ein erster Etappenschritt auf diesem Weg. Weitere müssen aber folgen, damit es auch innerhalb der Bevölkerung eine Akzeptanz gibt und die Umwelt nachhaltig geschont wird.

Minister Remmel betonte zudem, dass durch die Initiative der Landesregierung und die Unterstützung lokaler Akteure der Weihnachtsbaumanbau auf einen umweltverträglicheren Weg gebracht werden konnte. Er kündigte weitere Maßnahmen und Forschungsvorhaben an, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter zu reduzieren und eine aktive Beteiligung an der Weiterentwicklung der Zertifizierungskriterien.

Nachhaltigkeit und Chancen für Waldbesitzer

Prof. Dr. Ulrich Schraml, Vorsitzender von PEFC Deutschland, hob die Bedeutung des Zertifikats hervor:

Mit dem PEFC-Zertifikat für Weihnachtsbaumkulturen greifen wir den Trend zur stetig steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Produkten, wenn möglich sogar aus regionaler Herkunft, auf. Wir freuen uns, wenn im Winter bereits die ersten deutschen Christbäume mit PEFC-Siegel am Markt erhältlich sind.

Prof. Dr. Andreas Bitter, stellvertretender Vorsitzender von PEFC Deutschland, erläuterte die Inhalte des PEFC-Standards für Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen und die damit verbundenen Chancen für Waldbesitzer. Er betonte, dass bei der Ausarbeitung des Standards sowohl ökologische als auch ökonomische Anforderungen berücksichtigt wurden. Dies unterstütze Waldbesitzer bei der Gestaltung einer zukunftsorientierten Produktion, indem sie die Einhaltung hoher Umwelt- und Sozialstandards mit einem anerkannten Siegel nachweisen können.

Der im Dezember 2014 verabschiedete „PEFC-Standard für Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen“ ermöglicht es Waldbesitzern, ihre Kulturen zertifizieren zu lassen. Dies dient als Nachweis, dass die Bäume unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Kriterien nachhaltig erzeugt wurden. Grundvoraussetzung ist die Einhaltung der PEFC-Standards für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Der Weihnachtsbaumstandard enthält Regelungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, zum Bodenschutz und zur Arbeitssicherheit. Die strikten Regelungen zum Einsatz von Herbiziden und Düngung gehen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus.

Ein Pilotprojekt mit den Betrieben von Hermann Gierse-Metten, Hubertus Hegener-Hachmann und Berthold Müller in Schmallenberg-Oberrarbach wurde durchgeführt, um die praktische Umsetzbarkeit des Standards zu überprüfen. Auditor Raimund Kaltenmorgen von DIN CERTCO bestätigte als unabhängiger Dritter die Einhaltung der Standards. Der PEFC-Standard für Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen steht zum Download bereit.

Über PEFC

PEFC ist eine Institution zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem. Holz und Holzprodukte mit dem PEFC-Siegel stammen nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft. Der PEFC Deutschland e.V. wurde 1999 gegründet. Er entwickelt die Standards und Verfahren der Zertifizierung, stellt Informationen bereit und vergibt die Rechte am PEFC-Logo in Deutschland. PEFC ist in Deutschland das bedeutendste Waldzertifizierungssystem: Rund zwei Drittel der deutschen Wälder, das sind 7,3 Millionen Hektar, sind PEFC-zertifiziert.

Hintergrund Weihnachtsbaumanbau auf Waldflächen in NRW

In Nordrhein-Westfalen war der Anbau von Weihnachtsbäumen bis zum 12. Dezember 2013 ohne Genehmigung erlaubt. Nach dem Sturm Kyrill im Januar 2007 hatte sich die Anbaufläche auf Waldflächen auf über 4.000 Hektar mehr als verdoppelt. Da die Bewirtschaftungsmethoden, insbesondere die Bodenbearbeitung und der intensive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, einer ordnungsgemäßen Forstwirtschaft entgegenstehen, wurde das Landesforstgesetz NRW geändert. Die Anlage von Weihnachtsbaumkulturen ist nun nur noch unter bestimmten Bedingungen möglich.

Bestehende Weihnachtsbaumkulturen haben bis Ende 2028 Bestandsschutz. Wer bis zum 13. Dezember 2016 einen Vertrag mit der Forstbehörde über einen umweltverträglichen Weihnachtsbaumanbau abschließt, kann über 2028 hinaus Weihnachtsbäume im Wald anbauen. Der Anbau nach PEFC-Kriterien erfüllt wesentliche Bedingungen, die für einen solchen Vertrag notwendig sind.

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