Die Grüne Stadt

Die Transformation der Garten- und Dorfkultur im ländlichen Raum

Die DGG thematisierte bei einem Parlamentarischen Abend die Veränderungen grüner Freiflächen im ländlichen Raum. Vertreter aus Politik und Gesellschaft diskutierten Herausforderungen und Lösungsansätze für den Erhalt und die Förderung der Garten- und Dorfkultur.

Herausforderungen und Entwicklungen im ländlichen Grün

DGG-Präsident Prof. Dr. Klaus Neumann skizzierte die Entwicklungen von Grünflächen im ländlichen Raum. Er stellte eine Zunahme der Urbanisierung und eine Abnahme der ländlichen Bevölkerung fest. Gleichzeitig würden Friedhöfe zu versiegelten Flächen und Vorgärten zu Kiesflächen umgestaltet. Diese Entwicklungen beeinflussen die Garten- und Dorfkultur erheblich.

Die DGG greift bewusst dieses bislang wenig beachtete Thema auf. Wir sehen uns als Vordenker, um gemeinsam Lösungen zu diskutieren und gelungene Praxisbeispiele aufzuzeigen.

Der Bundestagsabgeordnete Josef Göppel (CDU/CSU) äußerte Bedenken hinsichtlich der Entwicklung im ländlichen Raum. Er kritisierte insbesondere die Änderung des Städtebaurechts, die Kommunen ein beschleunigtes Verfahren zur Ausweisung von Bauland am Ortsrand bis Ende 2019 ermöglicht. Dies führe zur Verödung der Dorfkernbereiche und erfordere ein neues politisches Konzept.

Frank Baumgarten, Vorsitzender der Stiftung Landleben, berichtete über erfolgreiche Maßnahmen aus Thüringen zur Erhaltung und Förderung der ländlichen Wohnkultur. Dort werde älteren Bürgern ein Häusertausch angeboten, wodurch junge Familien in größere Häuser ziehen können.

Das Veröden ganzer Dörfer kann aufgehalten werden, wenn die politische Unterstützung da ist.

Bedeutung von Grünflächen und Bäumen für die Lebensqualität

Dr. Dietlind Tiemann (CDU), Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg an der Havel, hob die nachhaltigen Effekte der Bundesgartenschau 2015 für die Havelregion hervor. Sie appellierte an Politik und Bürger, sich aktiv für den Erhalt des ländlichen Raumes einzusetzen. Investitionen wie in eine Bundesgartenschau würden sich langfristig auszahlen.

Helmut Selders, Präsident des Bundes deutscher Baumschulen (BdB), betonte die Bedeutung von Bäumen als Kulturgut in Kommunen und als Bestandteil einer intakten Dorfgemeinschaft. Er kritisierte Kies- und Schottergärten als unschöne Modeerscheinung und wies darauf hin, dass die Bedeutung von Bäumen oft erst nach Fällaktionen wahrgenommen werde. Zudem pflanzten Kommunen zunehmend weniger Bäume.

Gestaltetes Grün ermöglicht den Menschen eine lebenswerte Umgebung.

Dr. Robert Kloos, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), dankte den Politikern für die Bereitstellung von 50 Millionen Euro Fördermitteln für grüne Infrastrukturmaßnahmen. Er hob die Relevanz des Weißbuches „Grün in der Stadt“ hervor, das konkrete Maßnahmen für die Entwicklung von Grünflächen aufzeigen werde. Die Landschaftspflege trage zur Attraktivität von Kommunen und ländlichen Gebieten bei.

Prof. Dr. Peter Schmuck von der Universität Göttingen beleuchtete den psychologischen Einfluss von Natur und Grünflächen. Er verwies auf positive Beispiele aus dem ländlichen Raum und die Möglichkeit, Modellregionen zur Präsentation verschiedener Maßnahmen und Ansätze zu nutzen. Einnahmen, beispielsweise durch erneuerbare Energien, könnten lokal reinvestiert werden.

Bürgerengagement und politische Forderungen für eine grüne Zukunft

Hans Müller, Landwirt und Beigeordneter der Stadt Herxheim, plädierte für mehr Eigeninitiative von Bürgern und Kommunen. Er stellte das Projekt „In Herxheim blüht uns was“ vor, bei dem 15 Landwirte in Eigeninitiative rund 50 Hektar Blühflächen zur Förderung der Biodiversität angelegt haben.

In der anschließenden Diskussion, moderiert von ARD-Gartenexpertin und DGG-Vizepräsidentin Heike Boomgaarden, äußerten sich weitere politische Vertreter. Willi Brase (SPD) betonte die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft im ländlichen Raum. Arbeitsplätze seien ein Anker für die Menschen, und wenn diese zur Beteiligung ermuntert würden, könnten Grünflächen in Kommunen entsprechend gestaltet werden.

Johann Saathoff (SPD) forderte eine öffentliche Förderung für die Schaffung grüner Infrastruktur, da Kommunen oft nicht dazu in der Lage seien. Er wies auch auf das Potenzial der Energiewende im ländlichen Raum hin.

DGG-Präsident Prof. Dr. Klaus Neumann fasste den Abend zusammen. Die Schaffung und der Erhalt grüner Infrastruktur seien eine große Herausforderung. Die DGG werde das Thema weiter verfolgen. Er betonte, dass es auf die Menschen in den Kommunen ankomme, Veränderungen herbeiführen zu wollen, die Politik jedoch die notwendigen Mittel bereitstellen müsse.

Grüne Infrastruktur zu schaffen und zu erhalten, ist eine enorme Herausforderung. Wir als DGG 1822 werden am Thema weiter dranbleiben. Wie so oft zeigt sich auch hier, dass es auf die Menschen in den Kommunen ankommt, etwas verändern zu wollen. Allerdings ist die Politik aufgefordert, die entsprechenden Mittel hierfür bereitzustellen. Der Dialog über die Entwicklung von Dorf und Grün hat erst begonnen!

11.04.2017

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