Die Ringelblume: Eine Pflanze mit langer Tradition und vielseitigem Nutzen

Pflanzen und Pflanzenteile

Die Ringelblume, Calendula officinalis, ist nicht nur eine unkomplizierte Sommerblume, sondern birgt auch eine reiche Geschichte und vielfältige Anwendungsbereiche. Ihre Nutzung reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als bereits zwölf Varianten im Botanischen Garten Karlsruhe kultiviert wurden.

Tradition und pharmazeutische Verwendung der Ringelblume

Die Ringelblume wird seit Jahrhunderten von Menschen angebaut und genutzt. Bereits vor über 900 Jahren beschrieb Hildegard von Bingen die Pflanze und hob ihren Nutzen hervor. Der wissenschaftliche Name Calendula officinalis verweist mit dem Zusatz „officinalis“ auf diese traditionelle pharmazeutische Verwendung. Bis heute findet sie Anwendung in Salben und Tinkturen, wo ihr wohltuende Wirkungen zugeschrieben werden.

Die Kultivierung der Ringelblume in Mitteleuropa reicht so weit zurück, dass ihre ursprüngliche Herkunft nicht mehr eindeutig feststellbar ist. Weltweit wird sie angebaut, wobei hauptsächlich die Blüten geerntet und getrocknet weiterverarbeitet werden.

Die Ringelblume im Botanischen Garten Karlsruhe

Im Botanischen Garten Karlsruhe wurde die Ringelblume bereits im 19. Jahrhundert in verschiedenen Arten gezogen. Gartenleiter Thomas Huber verweist auf einen Gartenführer von 1888, der neben der gewöhnlichen Ringelblume auch elf weitere Arten listet, darunter die Ackerringelblume, kupferfarbene Exemplare und die sizilianische Ringelblume.

Im Gartenführer von 1888 finden wir nicht nur die gewöhnliche Ringelblume, Calendula officinalis, sondern es sind damals weitere elf Ringelblumenarten im Garten vertreten gewesen.

Diese historischen Pflanzenlisten dienen heute als Grundlage für die authentische Wiederherstellung des Botanischen Gartens Karlsruhe, um ihn möglichst nah am historischen Eindruck der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu präsentieren. Dazu werden originale Dokumente und auch Grabungen genutzt, um die ursprüngliche Form von Pflanzbeeten und Wegen zu ermitteln.

Anwendung in der Naturheilkunde und darüber hinaus

In der Naturheilkunde kommen Ringelblumenblüten als Tee, in Salben oder Extrakten zum Einsatz. Ihnen werden unterstützende Wirkungen bei Hautentzündungen, Wundheilung, Magen- und Darmgeschwüren sowie Menstruationsbeschwerden zugeschrieben. Obwohl wissenschaftliche Überprüfungen keinen ausreichenden Nachweis der Wirksamkeit erbrachten, darf Calendula officinalis aufgrund ihrer langen Tradition in der Volksmedizin und der Unschädlichkeit ihrer Inhaltsstoffe weiterhin verwendet werden.

Die gelben Blütenblätter sind auch beliebte Bestandteile von Kräuterteemischungen. Die Lebensmittelindustrie nutzt sie als Farbstoff, beispielsweise für Käse und Butter. In früheren Zeiten wurden gemahlene orangefarbene Blüten sogar zur Streckung von Safran verwendet.

Anspruchslos, aber standorttreu

Ringelblumen sind einjährige Pflanzen, die unter Umständen auch überwintern können. Je nach Art erreichen sie eine Höhe von bis zu 70 Zentimetern. Als Korbblütler blühen sie den ganzen Sommer über, von Juni bis Oktober. Die zahlreichen kleinen Samen mit ihrer hakenförmigen Struktur werden durch Tiere oder Wind verbreitet, was eine leichte Selbstaussaat ermöglicht.

Im Garten ist die Pflanze sehr einfach zu kultivieren. Der Samen wird an April an Ort und Stelle ausgesät und nach wenigen Wochen blüht es leuchtend gelb und orange im Garten.

Trotz ihrer einfachen Kultur und Verbreitung zeigt die Ringelblume eine gewisse Eigenwilligkeit.

Sie breitet sich von selber im Garten aus – aber nur dann, wenn ihr der Standort gefällt.

Am liebsten bevorzugt die Ringelblume einen vollsonnigen Standort und lockeren Boden.

Die Außenanlagen des Botanischen Gartens Karlsruhe sind täglich von 6.00 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit zugänglich. Dort werden auch wieder Führungen angeboten.

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