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Digitalisierung in der Landwirtschaft: Chancen, Risiken und Datensicherheit

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft birgt Chancen und Risiken. Eine Veranstaltung der Jungen DLG beleuchtete den Informationsbedarf und die Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Datensicherheit. Studierende diskutierten über Smart Farming und die Zukunft der Agrarbranche.

Diskussion über Smart Farming und Datensicherheit

Die Digitalisierung hat sich als fester Bestandteil der Landwirtschaft etabliert, und der Informationsbedarf in diesem Bereich ist hoch. Dies zeigte sich bei einer Veranstaltung der Jungen DLG in Göttingen, bei der 130 Studierende der Agrarwissenschaften über die Chancen und Risiken der digitalen Landwirtschaft diskutierten.

Ein Live-Voting während der Veranstaltung ergab, dass fast drei Viertel der Teilnehmer aus landwirtschaftlichen Betrieben stammen und bereits Erfahrungen mit Smart Farming-Instrumenten gesammelt haben.

Praxiseinsatz und Herausforderungen

Landwirt Karl Christian Koehler berichtete über den Einsatz digitaler Technik auf seinem Ackerbaubetrieb. Systeme wie Parallelfahrsysteme, Section Control, Ertragskartierung und Körnerzählwerke in Drillmaschinen sind dort im Einsatz. Koehler zufolge führen diese Anwendungen zu Kosteneinsparungen, höheren Erträgen und besseren Qualitäten.

Eine Herausforderung sieht Koehler in der Inkompatibilität unterschiedlicher Softwarelösungen der Landmaschinenhersteller. Zudem erfordert die Auswertung der erhobenen Daten manuelle Arbeit, da eine automatische Verarbeitung oft noch nicht möglich ist. Er betonte auch die Notwendigkeit computeraffiner Mitarbeiter für den Einsatz von Smart Farming-Instrumenten.

Koehler wies auf die Tücken der Technik hin, wie die Dokumentation jedes Bearbeitungsfehlers. Als problematisch erachtet er zudem die Datensicherheit, das Risiko von Viren in der Technik und das Ausfallrisiko.

Datensicherheit als zentrales Thema

Das Thema Datensicherheit wurde auch von Thinus Glitz von 365FarmNet aufgegriffen. Er argumentierte, dass die Speicherung von Daten auf privaten Rechnern unsicherer sei als auf Servern spezialisierter Unternehmen. Glitz bezeichnete Daten als großes betriebliches Kapital, dessen Potenzial noch kaum genutzt werde.

Er riet Praktikern, die digitale Technik nutzen möchten, sich genau über Anbieter zu informieren. Wichtige Prüfkriterien seien der Serverstandort (idealerweise in Europa), die Etablierung des Anbieters in der Branche und die Sicherstellung, dass die Daten Eigentum des Landwirts bleiben.

Glitz betonte, dass das Smartphone die größte Revolution in der Landwirtschaft seit dem Dampfpflug darstelle und die Branche bereits tief in der digitalen Welt verankert sei. Er sieht zahlreiche Chancen für Landwirte, darunter höhere Effizienz, Prozessoptimierung und die Möglichkeit globaler Sortenversuche durch die Bereitstellung einzelbetrieblicher Daten, was einen branchenweiten Mehrwert schaffen könne.

Kritische Betrachtung der Datenspeicherung

Dr. Wolfgang Schneider äußerte sich kritisch zur zentralen Speicherung von Betriebsdaten, obwohl er sich nicht als Gegner der Digitalisierung sieht. Er warnte:

Wer die Daten hat, hat die Wertschöpfung.
Schneider befürchtet, dass vor- oder nachgelagerte Bereiche durch Kenntnis der Daten ihre Macht in Preisverhandlungen ausbauen könnten. Er riet Landwirten, genau darauf zu achten, wo ihre Daten zusammengeführt werden. Auch die Zuhörer sprachen sich mehrheitlich für eine dezentrale Speicherung aus und vermuteten, dass eher die Industrie als der Landwirt von der Digitalisierung profitiere.

Rechtliche Aspekte und Kontrollmöglichkeiten

Fachanwalt Dr. Christian Halm wies darauf hin, dass das Bundesdatenschutzgesetz primär für personenbezogene Daten gelte, nicht jedoch für Maschinendaten. Er erklärte jedoch, dass sensible Betriebsdaten durch die EU-Richtlinie zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen geschützt seien. Halm sieht Daten als Wettbewerbsvorteil, den Landwirte schützen sollten.

Aus seiner Tätigkeit in einem Maschinenring berichtete Halm von einem weiteren Vorteil der Digitalisierung:

Wir haben unsere Maschinen mit GPS ausgestattet. Während ein Grubber vorher in drei Tagen auf etwa zehn Hektar im Einsatz war, schafft er nun deutlich mehr.
Die Diskussion nach den Vorträgen konzentrierte sich stark auf die Datensicherheit. Während Halm eine höhere Kontrolle der Landwirte durch Behörden erwartet, sieht Glitz in der kontinuierlichen Dokumentation eine Chance. Er erklärte, dass Aufzeichnungen dazu dienen könnten, die korrekte Einhaltung von Vorgaben nachzuweisen. Glitz erwähnte, dass in den USA, die in der digitalen Landwirtschaft weiter fortgeschritten seien, die Beratung bereits ins Internet verlagert wurde.

Fazit der Studierenden

Trotz der ausführlichen Diskussion über Risiken und Chancen bewerteten etwa drei Viertel der Studierenden die Entwicklung der Digitalisierung als positiv für die Landwirtschaft.

03.12.2016

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