Mehrere Unions-Landesagrarminister fordern in einem gemeinsamen Schreiben die Aufhebung der EU-Wiederherstellungsverordnung (WVO) – jenes Gesetzes, mit dem der Zustand der Natur europaweit verbessert werden soll. Der NABU kritisiert in diesem Zusammenhang die Verbreitung irreführender Behauptungen sowie eine politische Verweigerungshaltung, die aus Sicht des Verbandes Lösungen verhindere, welche insbesondere die Land- und Forstwirtschaft dringend benötige.
NABU: Wiederherstellung der Natur ist Zukunftsinvestition
NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger betont die Bedeutung der Wiederherstellungsverordnung für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft:
„Die Wiederherstellung zerstörter Natur ist eine Investition in unsere Zukunft. Nur dort, wo Natur funktioniert, sorgt sie für fruchtbare Böden, die widerstandsfähig gegenüber Dürre und Starkregen sind, für gesunde Wälder mit stabilen Wasserhaushalten, für intakte Flüsse mit lebendigen Auen sowie für Moore, die enorme Mengen CO₂ speichern. Das schafft Lebensqualität, schützt Infrastruktur und sichert langfristig unsere Wirtschaftsgrundlage.“
Statt diese Chance zu nutzen und gemeinsam mit allen Beteiligten tragfähige Lösungen zu entwickeln, sorgten die Agrarminister mit ihrem Schreiben für Verunsicherung in Verwaltung, Landwirtschaft und Naturschutz. Die Auszeichnung mit dem „Dinosaurier des Jahres“ solle daher ein klares Signal setzen, den Fokus wieder auf Zusammenarbeit und verantwortungsvolles Handeln zu lenken.
Breite Zustimmung in der Bevölkerung
Der NABU erinnert die Minister daran, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Wiederherstellungsverordnung maßgeblich mitentwickelt hat und damit sowohl formal als auch politisch Verantwortung trägt.
Zudem genießt die WVO laut einer aktuellen NABU-Umfrage eine breite gesellschaftliche Unterstützung: 85 Prozent der Bevölkerung wünschen sich mehr intakte Natur und einen stärkeren politischen Umsetzungswillen zur Wiederherstellung von Naturflächen.
Kritik aus Baden-Württemberg
Johannes Enssle, NABU-Landesvorsitzender Baden-Württemberg, hebt die besondere Rolle des baden-württembergischen Agrarministers hervor:
„Es ist bedauerlich, dass sich ausgerechnet Agrarminister Peter Hauk als Vorsitzender der Agrarministerkonferenz an die Spitze dieser Bewegung gesetzt hat. Baden-Württemberg zeigt mit seinem Biodiversitätsstärkungsgesetz, dass viele Ziele der europäischen Wiederherstellungsverordnung bereits auf Landesebene verfolgt werden.“
Die EU-Wiederherstellungsverordnung schaffe einen europaweit rechtsverbindlichen Rahmen und einen klaren Fahrplan, um die Natur wieder in einen guten Zustand zu bringen. Auch die NABU-Landesverbände fordern daher von den Landesagrarministern eine konstruktive Mitarbeit an der WVO statt deren Blockade.
Hintergrund: Der „Dinosaurier des Jahres“
Mit dem „Dinosaurier des Jahres“ zeichnet der NABU seit 1993 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die sich durch besonders rückschrittliches Engagement gegen Natur- und Umweltschutz hervorgetan haben. Die Auszeichnung besteht aus einer 2,6 Kilogramm schweren Nachbildung einer Riesenechse.
Zu den jüngsten Preisträgern zählen:
- 2024: der Berliner Senat für das „Schneller-Bauen-Gesetz“
- 2023: der „Beschleunigungspakt“ der Ministerpräsidentenkonferenz
